Kinder-und-Jugendpsychiatrie

Lacrima
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Kinder-und-Jugendpsychiatrie

Beitragvon Lacrima » Sa 16. Jun 2007, 13:23

Hallo,
ich erzähle über meine Erfahrungen in der Kinder-und-Jugendpsychiatrie.
Als ich 14 Jahre alt war, hatte ich Depressionen (und anderes), war nicht krankheitseinsichtig, weswegen meine Mutter polizeilich vorging.
Sprich: Ich bin in meinem Zimmer, kommen zwei Bullen rein und zerren mich ins Bullenauto.
Ähm...?!
Ich völlig verstört und verplant komme nach einer halbstündigen Fahrt in der Psychiatrie an.
Erstmal Gespräch, Folgerung, ich verharrte 3 Wochen lang in einem Zimmer, verschlossener Schrank, verschlossenes Bad, nur ein Bett und ein Tisch, was geht?!
Zudem musste ich klingeln wenn ich mein Geschäft erledigen musste, wobei ich auch genau unter die Lupe genommen wurde. Ich konnte 3 Wochen lang nicht scheißen, ich hasse es, dabei beobachtet zu werden.
Nach und nach bekam ich Gruppenzeiten von einer halben Stunde und musste auch nicht mehr mit Plastikbesteck essen, mein Schrank war offen und das Bad auch.
Gähnende Langeweile immer noch, immer mehr verrücktwerden im Kopf und die Ungewissheit, was geschieht mit mir und wo bin ich überhaupt, was tun die mit mir?!
5- monatiger Aufenthalt, ich wurde wieder entlassen.

Ein Jahr später bekam ich erneut einen richterlichen Beschluss und kam wieder in die Klapse.
Ich war fertig und verzweifelt und mein erster Eindruck war wieder dieses leere Zimmer, ca. 2 Wochen lang.
Mein Aufenthalt dauerte diesmal 10 Monate, erfüllt von Grauen!
Scheiß Erziehungsanstalt, verdammt!
Immer wieder dieses "Wegsperren", keine freie Meinungsäußerung, sofort ruhigstellen und lange und häufige Zimmeraufenthalte, manchmal sehr schwer zu überstehen.
Es war sehr schwierig für mich, wieder Anschluss an ein normales Leben zu gewinnen.
Vieles läuft verkehrt und extrem im Kinder-und-Jugendbereich, ich habe extrem viel erlebt in meiner Aufenthaltszeit, was ich lieber niemals hätte sehen wollen.
Und krank wurde ich erst dadurch.
Was für Ärzte, die einem 14-jährigen Mädchen die Diagnosen Schizophrenie, Borderline, Autismus, u.ä. anhängen.
Ich finds sehr krass und meine Wut über die Zeit im BKH wird noch lange bleiben.

burnoutbaby
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Registriert: Di 14. Apr 2009, 12:51

Beitragvon burnoutbaby » Di 14. Apr 2009, 12:56

also ich war auch mal für zwei monate in einer kinder- und jugendpsychatrie wegen depressionen.
mir hat es dort natürlich überhaupt nicht gefallen, immer die ganzen nervigen sitzungen und so..und die pfleger haben mich auch noch sexuell belästigt und witze über mich gemacht!

Gebudsan
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Beitragvon Gebudsan » Sa 2. Mai 2009, 06:44

Ich muss auch mal meinen Senf dazu geben, ich kenne Kinder und Jugendpsychatrien nur aus den Erzählungen meiner Freundin und eben aus den Sachen die ich dort mitbekomme, wenn ich meine Freundin besuchen fahre.

Man wird weggesperrt, in seinen Grundrechten mehr als eingeschränkt und auch sonst sind die meisten Regeln dort totaler Stuss. Meine Freundin hat einen richterlichen Beschluss wgeen dem sie mind. 6 wochen dort bleiben muss, ich bin aber mal Realist und denke dass es länger dauern wird. Vllt wenns gut läuft "nur" 2-3 Monate. Ich gehe mal auf die einzelnen Kliniken ein die ich kenne:

Wichernstift, Ganderkesee: sehr bedrückende und unschöne Atmosphäre. Meine Freundin war dort zuletzt nicht lange, hatte keine Therapien und nichts. Sie hat sich gelinde gesgat den ganzen Tag gelangweilt, hatte auch keine Klinikschule. Was ich hier nicht verstehe: Man hat nichts zu tun, den ganzen Tag, aber den ganzen Tag dann zu verpennen oder so ist auch verboten. 2 mal die Woche darf man 10 min telefonieren.

KJP Rotenburg (Wümme): Nette Atmosphäre. Leider der ganze Laden total übertrieben. Besuchszeiten 17-19 Uhr. Besuchszeiten für einzelne Menschen werden eingeschränkt, wenn es den Pflegern zu viel wird. Der Besuch wird genaustens durchsucht, den Patienten werden alle möglichen Dinge abgenommen, ich zähle mal ein paar auf: Feuerzeug (verständlich), Rasierer (auch verständlich, nicht verständlich: rasieren nur unter aufsicht, da würde ich mnir auch nicht die Beine oder so rasieren wollen), MP3-Player (Hallo, was soll das denn? Ein wenig Spaß muss doch auch sein), Geodreieck (was soll das), Handy (verständlich, um Abstand zu gewinnen), Süßigkeiten sind nur von 17-19 uhr erlaubt.

weiter gehts: Man muss die Erzieher alle Siezen, wie soll man sich Leuten zu denen man ein so distanziertes Verhältniss hat, dass man sie siezt vertrauen fassen und sich denen anvertrauen? Wenn man Besuch bekommt: Kein Körperkontak, also nicht mal Händchenhalten, so eine blöde Regel, die regt mich persönlich am allermeisten auf. Fernseh gar nicht, am Wochenende mit Glück Abends einmal einen Film gucken. Auf den gut umzäunten Innenhof darf man nur unter Aufsicht. Jeden Tag ist um halb 10 Bettruhe, auch am Wochenende.

Joa, das sind so die Regeln die dort vorherrschen. Was ich nicht verstehe: Die Leute in einer solchen Einrichtung sollen doch wieder für das Leben danach gerüstet werden, wie soll das klappen wenn der ganze Kram dort so Realitätsfern ist? Später hab ich ja auch wiedre MP3-Player und kann fernsehen usw.


KJP Wehnen: Hier hab ich vieles, naja, gutes gehört. Angeblich ist es dort gut auszuhalten, ab 4 Uhr Nachmittags wird der Fernseher angeschaltet wo sich die Patienten dann bis spät Nachts vor setzen und sich damit beschäftigen.

Die Sonne
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Re: Kinder-und-Jugendpsychiatrie

Beitragvon Die Sonne » Do 7. Jul 2011, 11:20

Hallo,

Ich war vor 8 Jahren in Düsseldorf-Grafenberg und habe schwere psychische Schäden von diesen gegen die Menschenrechte verstoßenden "Behandlungsweisen" davongetragen.
Mir ist absolut handfest bekannt, dass es sich bei den angewendeten Methoden nicht um legale Mittel gehandelt hat.

1. wurde ich mit einem Alter von nur 12 Jahren auf die Jugend-station (16-21 Jährige) gelegt,

2. hat eine Pflegerin namens "Hatscher" oder "Heatcher" mich in Abwesenheit aller anderen Pfleger geschlagen und mir Medikamente verabreicht, was hinterher vor meiner Mutter verleugnet wurde.

3. Wurde ich in einen Glasraum gesperrt, dort wurde mir jeder Kontakt zur Aussenwelt verboten, mehrere Tage lang musste ich in völliger Dunkelheit starr auf meinem Bett sitzen, es gab KEINE Gespräche, Therapien oder Ähnliches. Eine andere Pflegerin gab zur Begründung an: "Wir wollen dir zeigen, was es heisst, TOT ZU SEIN" (ich war wegen Suizidversuch dort, weil meine Mutter unter starken Depressionen und Suizidgedanken litt. Obwohl das sicher nicht ihr Ziel war, teilte sie mir oft [Schon als ich 7 war] mit, dass dieses Leben hier "beschissen" ist.)

4. Wurden alle Bilder, die ich dort zur Selbsttherapie malte, VON DEN PFLEGERN ZERSTÖRT, genauso wie meine Musik-CD´s, diverse Kettenanhäger (Pentagramme), Bücher u.s.w, weil ich einmal den Rat meiner Zimmergenossin befolgte, mir in den Arm zu schneiden, um meine Schmerzen los zu werden.

5. Auch die bitte, auf ein anderes Zimmer verlegt zu werden, weil die Zimmergenossin mich zu Drogenkonsum anregte und mir drohte, wurde ohne Begründung abgewiesen.

6. Ich wurde mehrfach von der genannten Pflegerin "Hatscher" schwerstens beleidigt ( Wörter wie FOT*E, blöde Kuh, dummes Kind, fettes SCHEI*-Kind u.s.w ), wenn keine Zeugen da waren.

7. Mir wurde über 7 Wochen jeglicher Ausgang (auch in den Garten) verweigert, sowie das Musik-hören, das Schreiben, hinterher auch das Malen und das Kommunizeieren mit den anderen Patienten.

8. Es gab für mich in 10 Wochen nur 2 mal je eine halbe St. "Kunsttherapie".
Die Gruppentherapie (die 1 mal stattgefunden hätte) habe ich abgelehnt, da die mich bedrohende Zimmergenossin anwesend war. Dafür wurden mir meine Musik-CD´s abgenommen, ich habe sie nicht wieder bekommen.


Ich habe absolut keinen Schimmer, wie man diese Leute verklagen könnte, denn ich war minderjährig, als unzurechnungsfähig erklärt und alle anderen Zeugen (Patienten) ebenfalls (ein einziger war zu dem Zeitpunkt 21, aber als geistig behindert deklariert).
Ich weiss nicht, wie lange ich die aufgestaute Wut noch ertragen kann. Meine Mutter ist kurz vor meiner Einweisung krank geschrieben worden, von einem Psychiater. Das wussten die Pfleger.
Jetzt ist sie schon seit 4 Jahren in Betreuung und voll Erwerbsunfähig.
Naja, ich hoffe wenigstens, mal jemanden von damals wiederzutreffen.
Schon das allein würde mir bei der Verarbeitung helfen.

Ich war auf der Station 12 a, meine ich, wenn ich mich richtig erinnere.

Zu der Zeit war ich total kaputt, man kann sich denken, warum.
Ich habe mich sehr verändert.
An eine Vanessa kann ich mich ganz deutlich erinnern, zu der Zeit war sie 16 und wegen Borderline dort.
Ich freue mich über jede Meldung und werde auch nach Jahren noch auf diese Seite zurückkommen, falls die Antwort (so wie meine) lange auf sich warten lässt.
Dieses Vergehen der Psychiatrie verjährt erst in 30 Jahren (!)
..........

koeniginAnne
Beiträge: 1
Registriert: Mi 13. Aug 2014, 10:04

Re: Kinder-und-Jugendpsychiatrie

Beitragvon koeniginAnne » Mi 13. Aug 2014, 10:17

Hallo Lacrima!

Meine Tochter, hat sich mit 15 Jahren SELBST dazu entschieden, sich wegen Borderline (mit SVV) in Behandlung zu begeben.

Obwohl sie anfangs Sorge hatte, dass Sie diese schwere Zeit der Behandlung nicht überstehen würde, wurde sie in der Klink sehr gut aufgenommen und hat sich bei ihrem 12-wöchigen Aufenthalt ausgesprochen wohl gefühlt und große Fortschritte gemacht.

Falls jemand in NRW nach Beratung oder professioneller Hilfe für Kinder und Jugendliche sucht, wird dort sicher gute Erfahrungen machen können.

Viel Kraft wünscht,

Anne

kerabug
Beiträge: 1
Registriert: Sa 19. Sep 2015, 21:03

Re: Kinder-und-Jugendpsychiatrie

Beitragvon kerabug » Sa 19. Sep 2015, 21:10

Liebe Lacrima, Gebudsan und andere

Das ist einfach nur arm und traurig, was euch angetan wurde. Ich habe leider ähnliches erlebt im Kinderspital Zürich, in der IPW (Embrach) und im KJPD Zürich. Echt die absolute Hölle!! Und man weiss nicht, ob man da je wieder raus kommt.

Seid ihr darüber hinweggekommen? Und wie? Und wie geht es euch heute?

Bei mir ist es nun fast 17 Jahr her (war damals auch 14), aber nichts ist vergessen oder gar vergeben! Es hat mir ziemlich das Leben versaut, behaupte ich.


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