Schizotypie - Gibt es Heilungschancen?

Peter_Bogdan
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Schizotypie - Gibt es Heilungschancen?

Beitragvon Peter_Bogdan » Di 6. Sep 2005, 17:35

Hallo alle zusammen,

Ich habe schon vor 5 Jahren die Diagnose schizotype Störung erhalten. War mehrmals in der Klinik und habe sogar eine 1,5 jährige Reha gemacht. Nun kann ich schlecht einschätzen, ob ich schon "geheilt" bin. Es ist ja sehr schwer - besonders bei Persönlichkeitsstörungen - zu sagen, ob und wann man "geheilt" ist. Die Ärtze haben mir dazu nichts gesagt und mich auch sehr allein gelassen. Die Symptome sind schon lange verschwunden ( Dank der Medikamente ), aber wie ist das mit der sozialen Kompetenz, die ja bei diesem Krankheitsbild sehr eingeschränkt ist. Fast alles traf auf mich zu: sozialer Rückzug, starke Grübelneigung, Kontaktängstlichkeit, Einzelgängertum, keine Freunde oder soziale Kontakte außerhalb der Familie, Scheu vor Fremden usw. Ich kann schlecht beurteilen, wie es um mich gerade steht. Mir geht es eigentlich ganz gut, mache so mein Ding. In den Kliniken, in denen ich war, habe ich aber so etwas wie Kontaktängstlichkeit oder Rückzug nicht verspürt. Doch nun, wo ich alleine lebe ( bin gerade krank geschrieben und mache keine Ausbildung oder gehe arbeiten ), habe ich auch nicht so viele soziale Kontakte oder richtig gute Freunde. Aber ich habe auch nicht so die Chance, gross jemanden kennen zu lernen, weil ich wie gesagt gerade keine Arbeitskollegen oder Komolitonen um mich herum habe. Kontakte nimmt man bei der Störung ja auch nur auf, wenn man unbedingt muss. Das heisst, einfach so ohne Grund jemanden anzusprechen, ist schwierig.

Kann mir vielleicht jemand einen Rat geben, wann es an der Zeit ist, ein Studium oder eine Ausbildung aufzunehemen. Möchte nicht nocheinmal in die Klinik, deshalb sage ich mir, warte lieber noch einbisschen. Bin aber auch nicht mehr der Jüngste!

Würde mich gern mit Betroffenen oder Spezialisten über die Schizotypie austauschen. Bin ich krank oder nur schüchtern?

So weit...Warte auf Beiträge...

Gruss.

grisu140972
Beiträge: 3
Registriert: Di 12. Sep 2006, 22:05

Schwere schizotyper Störung

Beitragvon grisu140972 » Mi 27. Sep 2006, 19:39

Hallo Peter,

im Jahre 1992 wurde bei mir die Diagnose "schwere schizotype Störung (F 21)" gestellt. Differenzialdiagnostisch wurde eine "Schizophrenia simplex (F 20.6)" in Erwägung gezogen. Ich bin zu 100% schwerbehindert. Im Jahre 2004 erfolgte die Frühberentung (nach der vierten Reha!!). Zurzeit befinde ich mich wieder in psychotherapeutischer Behandlung (VT- niederfrequente Therapie). Derzeitige Medikation: 10 mg Olanzapin (Zyprexa), 60 mg Citalopram, 35 mg Promethazin. Die psychische Erkrankung zeigt bei mir einen chronisch- progredienten Verlauf. Eine wesentliche Besserung(Remission) der Gesundheitsverhältnisse ist nicht in Sicht. Trotzdem gebe ich mich nicht auf!!!! Das Schlimme jedoch ist, dass ich noch eine Zwangsstörung (Zwangsgedanken und -handlungen) habe. Einen strukturierten Tagesablauf gibt es bei mir nicht. Meine behandelnden Fachärzte sagten mir, dass ich auf ewig und immer mit der schizotypen Störung leben muss. Freunde habe ich nicht. Ich lebe völlig zurückgezogen. Meine Hoffnung aber ist, dass ich mit Hilfe der VT wieder ins Berufsleben zurückfinden kann. Das Leben als Frührentner ist nicht gerade berauschend. Vielleicht kann ich dir ja mit "meiner Erfahrung" weiterhelfen.
Ich habe ständig Stress mit den Behörden (Versorgungsamt, BfA). Das kotzt mich an! Mit Hilfe des Sozialverbandes Deutschland kann ich aber die Schwierigkeiten meistern. Die haben erfahrene Anwälte, die einen im Sozialrecht unterstützen. Ich kann dir sicher Tipps (berufliche Rehabilitation, Rente wegen voller Erwerbsminderung, Grundsicherung, Arbeitslosengeld I und II) geben, die dir sicherlich weiterhelfen können.
Wie ich deinem Bericht entnehmen kann, hast du eine 1,5 jährige Reha gemacht. Schon erstaunlich! Wurde die Reha vom Rentenversicherungsträger oder von der Krankenkasse getragen??? Hast du seitdem ein Rezidiv gehabt?? Welche sedierenden Medikamente (Psychopharmaka) nimmst du ein?? Bist du in kontinuierlicher psychiatrischer Behandlung????

Viele Grüsse aus Köln

Stefan

Ze
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Beitragvon Ze » Do 28. Sep 2006, 13:29

Hallo Peter,
die Zeit um ein Studium oder eine Ausbildung aufzunehmen ist immer richtig. Ebenso die Zeit aus seiner „Höhle“ herauszukommen und sich mit schönen Dingen im Außenbereich zu befassen (Kurse, Hobbys, öffentliche Veranstaltungen, ehrenamtliche Tätigkeit, etc.).
Die Frage wäre nicht die nach dem richtigen Zeitpunkt, sondern ob Du dazu in der Lage bist. Du schreibst: „In den Kliniken, in denen ich war, habe ich aber so etwas wie Kontaktängstlichkeit oder Rückzug nicht verspürt“. Was Du in der Klinik konntest, das kannst Du heute mit Sicherheit auch. Vielleicht kostet es erst mal Überwindung, weil es etwas Neues ist, aber so ein Gefühl kennt fast jeder Mensch.
Soziale Kompetenz ist etwas relatives. Sicher hat es der Eine mehr und der Andere weniger. Sie ist aber nicht in unseren Genen festgelegt, sondern verändert sich mit unseren Erfahrungen.
Konzentriere dich nicht auf eine 5 Jahre alte Diagnose (die genauso wage und relativ ist wie jede andere Diagnose). Wenn ich ein Buch über Psychologie lese, finde ich auch kaum eine Störung die ich nicht habe :-)).
Solltest Du allerdings, bei Deinen Versuchen die „Höhle“ zu verlassen, körperliche Ängste entwickeln, dann würde ich doch noch mal eine (ambulante) Therapie empfehlen. Danach hört sich Dein Beitrag aber nicht an.

Mit freundlichen Grüßen
Ze


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