Keinen Ausweg

Quecke
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Keinen Ausweg

Beitragvon Quecke » Di 19. Jul 2005, 14:34

Ich wurde vor 4 Jahren mit der Diagnose Epilepsie in die Klinik eingeliefert. Nach über einem halben Jahr hatten die Ärzte alle Antiepileptikas an mir ausprobiert, die es wohl gibt. Es hat aber überhaupt nichts gebracht. Ich bekam meine Anfälle nach wie vor. Als ich entlassen war, habe ich versucht mein Studium fortzusetzen und die Anfälle zu ignorieren.
Nach einem weiteren Jahr wurde ich wieder ins Krankenhaus eingeliefert, und als dieses Mal die Anfälle nicht mehr aufhörten, überführten sie mich in die Psychiatrie. Dort war ich wieder 7 Monate und ich muß sagen die Ärzte gaben ihr bestes, aber ich wurde mit 10 Anfälllen im Schnitt pro Tag entlassen. Die Diagnose lautet nun dissoziative Anfälle, Borderline-Störung, Autoagressionen, Selbstverletzendes Verahlten.
Ich bin in ambulanter Behandllung und bekomme jede Menge Medikamente, aber seid über zwei Jahren hat sich mein Zustand nicht verbessert, sondern verschlechtert. In die Psychiatrie wurde ich wegen der Anfälle eingeliefert, sonst hatte ich nichts. Nun ritze ich mich, habe Amnesien, mache Dinge von denen ich hinterher nichts mehr weiß, usw.
Das schlimmste aber ist, es gibt keinen Grund. Bei allen Leuten, die ich gefunden habe, die an Ähnlichen dingen leiden, spielt ein Trauma eine Rolle. Oder sie wissen sonst woran es liegt. Nur bei mir finden die Ärzte nichts. Und für eine Naturwissenschaftlerin für mich gibt es nichts schlimmeres wie für etwas keienen Grund zu haben.
Ich bin im Moment ganz unten, weil ich mich so oft verletze und dinge tue, die ich mir nicht erklären kann. die auch peinlich für meine Freunde sind. Von Tag zu Tag halte ich mich für bekloppter. Und manchmal denke ich, dass das alles doch keinen Sinn hat.

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Chaefer
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Beitragvon Chaefer » Di 19. Jul 2005, 14:53

Hallo Quecke

ich frage mich, ob du wirklich Epileptische Anfälle hast.Das hat ja mit der Borderlinestörung nichts zu tun.Dass wir dissozieren gehört wohl dazu. Ich habe mich jahrelang geschnitten, habe getrunken und mich mit Medis versenkt. Ich habe alle Wut, die eigentlich zu einer andern Person gehörte, auf mich gerichtet und mich bestraft. Dann habe ich einen Kurs gemacht, eine Skillsgruppe besucht. Dort habe ich gelernt mit meinen Gefühlen umzugehen, wie ich Stress abbaue ohne mich zu verletzen, ein Gespräch zu führen und mich nachher gut zu fühlen. Ich möchte dir ein Buch empfehlen, das mir sehr geholfen hat. Der Autor heisst Martin Bohus und das Buch " Borderline-Störung" ist im Hogrefe-Verlag erschienen. Probiers doch einfach mal aus.
Jetzt lass den Kopf nicht hängen. Es geht immer irgendwie weiter, auch wenn es dir jetzt nicht so vorkommt.
Ich drück dir die Daumen. :wink:
Alles Liebe

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Quecke
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Beitragvon Quecke » Do 21. Jul 2005, 12:02

Hallo,
ich danke dir dass du so schnell geantwortet hast.
Nein Epilepsie habe ich nicht, das dachten die nur am Anfang.
Mein Problem ist, dass die meisten Leute mit einer Borderline-Störung irgend etwas schlimmes erlebt haben. Dies ist bei mir aber nicht so. Hatte eine super Kindheit, meine Eltern und Geschwister sind top. Und auch sonst ist nichts schlimmes in meinem Leben passiert. Für mich gibt es also keinen Grund für das alles. Und da ich nicht so ein Gefühlsmensch bin, kann ich auch das meiste nicht deuten. Am liebsten wäre ich wieder wie früher.

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Chaefer
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Beitragvon Chaefer » Do 21. Jul 2005, 12:32

Hallo Quecke :)

auch ich hatte eine schöne Kindheit, kein Missbrauch, nichts. Ich hatte immer schon den Drang zu helfen. Schon als dreijähriges Mädchen wollte ich Krankenschwester werden, was ich dann acuh getan habe. Ich habe immer alle Schuld auf mich geladen, wollte niemandem weh tun. Ich spürte oftmals soviel Wut in mir, wusste nicht wohin damit. Vor fünf Jahren habe ich begonnen, mich zu schneiden und zu brennen. So konnte ich die angestaute Energie, Wut rauslassen, was sehr gut tat.
Du bist doch bestimmt ein Gefühlsmensch. Nur kannst du es nicht so zeigen. Das ist ja bei den Borderlinern vifelfach das Problem. Oder es kommen soviele Gefühle auf einmal, dass du sie nicht mehr ordnen kannst. Vielleciht wurde dir oft gesagt, es dürfe etwas niht sein, sei es Freude zu empfinden, zu weinen... Und du hast verlernt richtig zu reagiern. Das heisst, deine Gefühle wirklich zu leben. Kein Gefühl ist falsch. Alles was wir empfinden ist richtig. Und dazu gehören auch die schlechten wie Wut, Hass, Traurigkeit, Verlassenheit... :sad:
Ich habe jahrelang anderen Menschen geholfen, habe in jedem Verein mitgewirkt, hatte kaum Zeit für mich. Alles nur Verdrängungstaktik. Jetzt, da ich IV Rentnerin bin, habe ich viel Zeit mir über mein Leben Gedanken zu machen, was nicht immer einfach ist. Ich fühle mich oft allein, obwohl ich eine fünfköpfige Familie habe.Jetzt kommen die schlechten Gefühle hoch und ich muss lernen mit ihnen umzugehen ohne dass ich mich verletze. Das habe ich recht gut in der Skillsgruppe gelernt.
Geh mal im Google unter DBT. Diese Idee stammt von Marsha Linehan und wurde speziell für Borderliner gemacht. Da findest du auch den Begriff Skill erklärt.

Vielleicht bringt dich mein Geschreibsel ein wenig weiter.

Viel Glück und den Mut nicht verlieren
:wink:
Claudia

Quecke
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Beitragvon Quecke » Fr 22. Jul 2005, 12:29

Hallo Claudia,
es war bei mir nie so, dass ich sonderlich viel Gefühle hatte. Erst die letzte Zeit lerne ich die Gefühle kennen. Meine Eltern haben sich immer etwas Sorgen gemacht, dass ich nicht so gefühlsmäßig wie meine Schwestern war.
Ich kann nach wie vor noch nicht so viel mit Gefühlen anfangen, aber ich versuche es mit meiner Therapeutin zu lernen.
Aber Danke für den Mut den du mir machst.

Gruß Quecke

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Jolle
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Gefühle....

Beitragvon Jolle » Sa 23. Jul 2005, 16:41

Hallo!

Ich frage mich auch immer was Gefühle sind. Ist es z. B. die Begeisterung die manche für Natur, Urlaub usw. spüren können? Andere schwärmen mir dann einen vor, wie toll das doch ist...und mir fällt nichts dazu ein....ja, es gefällt mir, es ist toll....aber ich habe immer viel zu viel anderes im Kopf um mich richtig daran zu erfreuen...oder mir gefällt vielleicht einfach etwas anderes oder kann ich es nicht zeigen...???

Allerdings empfinde ich in letzter Zeit oft Wut...Wut auf Menschen oder Ereignisse die nicht so laufen, wie ich möchte. Ich erzähle das dann meinen Mitmenschen und hoffe auf etwas Verständnis....aber damit können oder wollen sie nicht dienen...wollen mich lieber beruhigen (dabei hatte ich mich noch gar nicht wirklich aufgeregt), sagen, ach das ist doch nicht so schlimm, sei froh, dass..... Aber das möchte ich gar nicht hören...ich möchte mich einfach nur mal aufregen dürfen...das machen doch andere auch...warum regt sich jeder auf, wenn ich mich mal aufrege....ich würde gerne mal explodieren...aber das darf ich wohl nicht, oder?

In Situationen in denen ich sauer auf andere sein dürfte, weil sie zu spät kommen oder was vergessen, tue ich immer so als wäre ich nicht böse, obwohl ich es bin...ich kann es leider nicht ausdrücken...und fress es in mich rein, vielleicht auch deshalb das Explodierbedürfnis.

Kennt das auch jemand?

Liebe Wochenendgrüße

Jolle
"Eine Jolle kann kentern (da wird man bloß nass), aber sie kann nicht sinken." [img]http://www.cosgan.de/images/smilie/sportlich/d030.gif[/img]
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Beitragvon Chaefer » So 31. Jul 2005, 23:18

Hallo Jolle

ja, das mit dem nicht explodieren dürfen kenne ich bis zur Genüge. :twisted:
Aber ich habe in der Skillsgruppe (extra für Bordis) gelernt, mich besser auszudrücken. Das heisst, wenn mich jemand oder etwas stark nervt, dann überlege ich, was ich sagen will. Und zwar so, dass mein Gegenüber merkt, dass ER Mist gebaut hat und nicht ich. Das kommt gut an.
Früher habe ich alle meine Wut in mich hineingefressen. Plötzlich war da dann das berühmte Tröpfchen, das das Fass zum überlaufen brachte. Dann habe ich einfach mein Gegenüber angeschrien, obwohl der eigentlich mit den ganzen Dilemma nur noch ein Spürchen zu tun hatte. Als mir das vor etwa vier Jahren bei meinem Vater passierte, da wusste ich, dass ich etwas ändern muss. Denn mein Vater ist neben meiner Familie mein liebstes Stück.
Es kommt auch schon mal vor, dass ich, wenn ich wütend bin, nichts sage. Aber ein paar Tage später, oder beim nächsten Treffen spreche ich diese Person nochmals an. Ich hatte ja genug Zeit mir zu überlegen, was ich sagen soll.
Das klappt auch mit meinem Mann bestens. Wenn wir streiten, bringt das meistens nichts. Denn dann werde ich so verletzend, das es micr nachher wieder leid tut. Er weiss das und geht in einer solchen Sitation einfach für eine halbe Stunde ausser Haus. Nachher habe ich mich wieder ein wenig abgekühlt und wir können wie zwei Erwachsene miteinander reden.
Vielleicht bringt dir mein Geschreibsel etwas. :???:

Ich drück dir die Daumen

Grüessli

Claudia

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Beitragvon heda » Di 16. Aug 2005, 00:55

wenn ich euch so lese, fällt mir ein, dass es einerseits Wut gibt, weil unsere Gefühle verletzt worden sind. Da muss man sich nach möglichkeit spontan zu äussern, was nicht jedem gegeben ist.
Aber es gibt auch Wut über sich selbst, weil man bei irgendwas versagt hat, oder nicht getan hat, was notwendig gewesen wäre.
Und, es gibt Wut dadurch dass man völlig überreizt auf etwas reagiert.

Es gilt also auch für sich zu reflektieren: Was war da eben, warum springe ich so an?


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