Mein Bruder hat sich verändert :(

Hilfe
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Mein Bruder hat sich verändert :(

Beitragvon Hilfe » Fr 14. Mär 2014, 03:12

Hallo alle miteinander


Es geht um meinen Bruder 17 Jahre alt, ist seit der Hauptschule zuhause und hat nach und nach den Kontakt mit seinen alten Schulkollege aufgegeben, sogar seinen besten Freund mit den er sich, meiner Meinung nach sehr sehr gut verstand. Er war eigentlich seit er klein war immer sehr kontaktfreudig und hatte viele Leute die ihn denke ich sogar bewunderten weil sie ihn immer angerufen haben ob er nicht Lust hätte sie zu besuchen, ich beneidete ihn dafür, den ich hatte nie viele Freunde und wenn dann haben sie mich immer nach einiger Zeit abserviert. Er hat gerne Videospiele gespielt so wie wir allen eben, und gezeichnet youtube videos gemacht und sie hochgeladen, er war eigentlich sogar immer sehr aufdringlich. Aber leider auch etwas verwöhnt da er meistens alles bekam was er wollte. Er ist der jüngste von uns.
Wir wohnen auf einen 15 ha großen Bauernhof ca. 4km von dem nächsten Dorf entfernt und die größte Stadt ca. 20 km. Wir sind fünf Kinder und wohnen auf einem naja nicht besonders tollen Haus, das Geld ist eben knapp.

Seit ca. Mai 2013: Hat er in einem Lastwagencontainer geschlafen mit ungefähr 16m², der innen mit Holz verkleidet ist und Licht, Strom, Plexiglasfenster plus Holzklappen und einer Tür die man innen schnell und leicht versperren kann und von außen mit einem Schloss. Ich habe mit ihm als wir jünger waren mit ihm gemeinsam unsere Sommer verbracht, später als ich arbeiten ging hab ich alleine den Sommer über drin geschlafen, und seit einem Jahr ungefähr schläft er drin, weil es wenig platz im Haus gab und wir gerade den Dachboden ausbauten.
Über diese Zeit hat er abgenommen, er war dick, ich weiß nicht wie viel er abgenommen hat, da war er immer empfindlich.

ca. August 2013: Angefangen hat es denke ich mit Youtube, wo er immer Vocaloid (japanische Anime Musik) gehört hat und immer mit irgendjemand geschrieben hat.
Irgendwann hat er dann gar nicht mehr geschrieben, das war glaub ich im November, wo er immer noch darauf bestand im Container zu schlafen, obwohl ihm jeder gesagt hat er soll im Haus schlafen (da war er dann schon nicht mehr derselbe, er sprach wenig zeigte sich nicht oft).. aber naja er bekommt ja immer was er will....
Dann endlich mitte Dezember ist er doch im Haus am Dachboden geschlafen, gegenüber von meinem Zimmer.

Er hatte dann auf einmal eine Blasenentzündung, als die vorbei war hatte er Verstopfung, als er im Krankenhaus war, hatte sie ihm gesagt es sei alles in Ordnung, mit seinem Magen und Darm. Aber sie haben Blutarmut diagnostiziert. Er aß auch nicht besonders viel. Das ging denke ich über einem Monat so, bis er dann doch mehr aß, weil ihn schon jeder gesagt hat, wie es ihm je besser gehen soll, wenn er nichts isst, dafür musste er aber ständig furzen, entweder liegt das am Müsli oder der Milch. Abgemagert oder so sah er laut meinem Bruder der ihn im Bad überrascht hat nicht aus.

Ab da schlief er bei meinem Bruder im Zimmer.


Ich weiß nicht wann wir ihn darauf ansprachen, ob ihm irgendetwas passiert ist während der Zeit als er im Container schlief, da uns das alles so seltsam erschien. Wir fordeten ihn immer auf er solle etwas tun, weil er immer nur dasaß und gar nichts machte als irgendwo in seinen Gedanken zu sein.
Wir sprachen bestimmt 2 Monate mit ihm um herauszufinden was passiert ist oder was los ist, oder was wir tun könnten, aber er sagt nichts, meistens sind es nur Ein Wort Antworten mit einer rauen Stimme, so als ob er sich anstrengen müsste irgendetwas zu sagen.
Einmal fragten wir ihn ob er „Geister“ sehen würde, da unsere Familie nun ja ich denke schon abergläubisch ist, und schon manchmal seltsame Sachen passiert sind, aber mein Bruder glaubte irgendwie nie daran, zumindest glaubte ich das immer..
Jedenfalls antwortete er: Wenn es nur das wäre, ich höre Stimmen und diese Stimmen sind nicht wirklich genau zu defenieren. Aber er sagte es nicht in einem durch es brachte und ganz schön viel Geduld ab, das aus ihn heraus zu bekommen.
Er hörte auch die ganze Zeit MP3, aber wirklich die ganze Zeit! Wenn er gerade nicht am PC saß und dort Musik hörte...
Manchmal verloren wir auch die Geduld und maulten ihn an, warum er es denn nicht wenigstens versucht wieder etwas zu machen und wieder so werden wie früher, oder warum er einfach nicht sagen will was los ist.

Dann irgendwann, hatte er einen gebrochenen Finger, der der Länge nach gebrochen ist und eine Schnittwunde. Wir fragten ihn woher er das habe, am Anfang sagte er nichts und wollte immer abblocken aber irgendwann sagte er dann doch dass er es sich selbst zugefügt hätte.
Manchmal fühlten wir uns verarscht von ihm, weil er auch ständig und ohne Grund lacht. Jetzt vor ca. eine Woche oder so, fuhren wir mit dem Auto wohin, und weil er letzter Zeit auch gerne irgendwo hin raus fahren möchte. Dabei hatte er das Fenster die ganze Zeit offen, und ich und mein anderer Bruder gingen ihn wieder an er soll das verdammte Fenster zumachen, weil der Fahrer sich dann nicht konzentrieren kann, wenn es in die Ohren die ganze Zeit so „flattert“ aber er hörte nicht und ließ es ganze zeit offen, sodass mein anderer Bruder anhielt und ihn anschrie es soll jetzt das Fenster schließen, was meinem kleinen Bruder glaub ich ganz schön unangenehm war, er schloss das Fenster aber kurze Zeit später war es dann wieder offen.

Vor vier Tagen packte er seine Sachen und wollte wieder in den Container ziehen, obwohl wir gesagt hatten, dass er dort draußen nicht mehr schlafen soll, als er dann raus gehen wollte, sagte ich ihm, wenn du heute draußen schläfst bekommst du nie wieder was von mir, kein Laptop, kein Auto (da meine Mutter derzeit auch mit meinem Auto fährt) und er kann sich sowieso nichts mehr von mir erwarten. Er drehte sich um lachte und ging dann raus und schlief die Nacht draußen und verbrachte glaub ich insgesamt 14 Stunden draußen. Als er dann wieder im Haus war ging mein Bruder raus nahm seine Sachen aus dem Container und hing ein Schloss drauf. Ich hab ihm auch mein Ladekabel für den MP3 weggenommen, weil ich es wirklich ernst meinte. Seit dem kommt er jede Nacht wenn ich schlafen gehen, also immer kurz bevor ich einschlafen an meine Tür klopft und fragt ob er den Containerschlüssel oder das Ladekabel haben kann, und zwar so lange bis ich durchdrehe und ihn anschreie , dann haut er ab.

Gestern hätte er einen Termin im Krankenhaus wegen dem Gips auf seinem gebrochenen Finger gehabt, aber als meine Mutter ihn aufwecken wollte stand er nicht auf. Als er dann doch aufstand wollte meine Mutter nicht mehr mit ihm ins Krankenhaus fahren,weil wir alle der Meinung waren, dass er mal eigene Verantwortung übernehmen sollte und dass das ihn vielleicht einen Grund zum leben gibt oder etwas worüber er sich aufregen könnte. Er schnitt sich selbst den Gips ab und fuhr zum ersten mal mit dem Rad fort,kurz darauf kam er wieder weil die Kette rausgesprungen ist, ich und mein Bruder halfen ihm sofort, dann fuhr erneut fort, als mein ältester Bruder von der Arbeit kam sagte er, mein kleiner Bruder ist ca. 2 ½ km gefahren obwohl er schon eine Stunde fort war.

Heute: 13.03.14 klopfte er wieder an meine Tür und sagte wenn ich ihm nicht gebe was er will, wird er mich nicht ihn ruhe lassen, ich schrie ihn wieder an und er ging.
Ich stand dann auf weil ich nicht mehr schlafen konnte und ging in die Küche um etwas zu drinken, dort fragte er mich wieder ob er das Ladekabel haben kann, ich sah ihn nur böse an, dann plötzlich lief er in mein Zimmer und suchte danach, ich folgte ihm und pfauchte ihn an er soll sich rausschleichen! Hinter ihm haute ich die Tür so fest zu wie ich nur konnte...
Dann kam mein anderer Bruder und fragte mich ob ich mich verletzt hätte....
in der Küche und Bad waren frische Blutspuren...und mein kleiner Bruder nicht zu finden.
Wir suchten ihn dann alle gemeinsam und später kam er dann von allein zurück, wir sagte dass wir und sorgen machten und warum überall Blut ist, was los ist und was wir tun können, dass wir ihn einem Psychiater geben, was wir eh schon so oft sagten, aber das will er erst recht nicht.

Also wie er ist:

Spricht nicht viel wenn überhaupt
schlechte bis keine Aufmerksamkeit, Konzentration, nimmt sein Umfeld nicht wahr
duscht mit Badehose (abgeschlossene Tür)
beim WC keine abgeschlossene Tür
Will keinem Lebewesen weh tun
hört angeblich Stimmen und sieht Schatten huschen
Ich denke er hat Zukunftsängste und keinen Sinn im Leben, und keiner weiß wie man ihm einen Sinn gibt, da es für ihn wohl nichts sinnvolles gibt
wahrscheinlich Minderwertigkeitsgefühle
möchte immer weg von Zuhause
lacht immer ohne Grund, also ohne dass jemand etwas sagt
Tut immer das Gegenteil das man ihm sagt
Geht immer bei Nacht raus, meistens schläft er Tagsüber
Sitzt ganzen Tag still da und starrt Löcher in die Luft
will keinen Psychiater

Wir haben schon so oft Lebenswerte dinge gesagt und wofür man kämpfen könnte, und auch viele Motivationsprüche aber irgendwie geht das einfach durch ihn hindurch.

Ich persönlich glaube er hatte eine Liebesbeziehung oder er hat sich verliebt in eine im Internet und irgendetwas ging schief oder so, ich kann nur raten, er sagt nichts.
Meine Mutter glaubt er wurde, in der Zeit als er im Container schlief missbraucht... aber dann würde er glaube ich nicht bei Nacht rausgehen.

Falls jemand weiß was los ist bitte sagt es mir und was man dagegen tun kann, sonst drehen ich und meine Familie wahrscheinlich auch noch durch.

Liebe Grüße
Hilfe

cake
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Re: Mein Bruder hat sich verändert :(

Beitragvon cake » Fr 14. Mär 2014, 07:23

Hallo Hilfe!

So wie es aussieht hat Dein Bruder tatsächlich keine Ziele.

Mir kommt Er auch etwas vereinsamt vor. Das ist sehr schade.

Wichtig wäre es schon, dass Er mal zu einem Psychologen / Fachmann geht.
Hat Er wirklich niemanden, dem Er sich öffnen könnte?

Was sagt denn der Vater dazu?

Schön ist aber, dass Du Dich um Deinen Bruder kümmern willst.

Liebe Grüße cake
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

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fluuu
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Re: Mein Bruder hat sich verändert :(

Beitragvon fluuu » Fr 14. Mär 2014, 10:12

Hallo,
solche Familiensituationen werden wenn versucht wird sie intern zu lösen meistens nicht besser,
seelische Auffälligkeiten bei einem Familienmitglied haben meist als Ursache das Familiengefüge.
Es ist wichtig, dass jemand von außen interveniert, Geschwister untereinander sind bei einer
psychischen Krise oder bei akuten Symptomen nicht besonders hilfreich.
Es ist dringend Hilfe von außen nötig und das weniger online wie hier im Forum sondern vor Ort.
Die Familie braucht einen Input der etwas ganz anderes Verkörpert als das Interne, insbesondere
der Jüngste braucht eine Ansprache von außerhalb des Familiengefüges.
Wenn der jüngste Bruder schon so lethargisch ist, dass er selbst nicht mehr dafür sorgen kann
was gut, wichtig und notwendig für ihn ist, dann sollten die Geschwister dafür sorgen,
dass er aus dem Sumpf heraus kommt auch gegen seinen Willen. Niemand kann liebevollere
Überzeugungsarbeit leisten als die Familienangehörigen um eine Veränderung herbeizuführen.
Das Leben auf diesem einsamen Hof ist auf jeden Fall keine Lösung, es braucht einen Ausbruch,
insbesondere bei dem Jüngsten. Da er aktuell anscheinend alleine dazu nicht in der Lage ist
braucht es Hilfe von außen um ihn in eine neue Situation zu helfen.
Das Beste wäre, wenn der Jüngste in so etwas wie ein Internat könnte ganz bewusst von der
Familie getrennt um Dinge zu lernen die er in der Familie nicht lernen kann.
In der Situation auf dem einsamen Hof abgeschieden wird die konfliktreiche Situation nicht besser.
Vielleicht wäre über einen Arzt das Organisieren eines Sozialarbeiters der in die Familie kommt
möglich, dass hieße jedoch Offenheit und Ehrlichkeit dem Helfer gegenüber, Hose runter.
Letztlich ist nur Veränderung möglich wenn mit der konfliktreichen Familiensituation offen
umgegangen wird und Hilfe von außen akzeptiert wird, auch gegen den Willen eines Erkrankten.
Psychische Störungen lassen sich nicht beheben wenn man dem Willen des Gestörten mehr
Raum gibt als der Vernunft eines normalen Sachverstandes oder wenn die Angehörigen latent
die selbe Störung in sich tragen wie der Erkrankte und somit verstärken anstatt lindern.
In meinen Augen kann letztlich die Lösung nur darin liegen den jüngsten psychisch auffälligen
Bruder aus der Situation in der er krank geworden ist raus zu nehmen für eine gewisse Zeit.
So viel lässt sich online dazu sagen, alles andere müsste ein Psychotherapeut vor Ort beurteilen.
20 km Fahrstrecke ist für einen Besuch beim Arzt oder Therapeuten durchaus machbar,
es geht schließlich um das Seelenheil der Familie, das höchste Gut im Leben.

Alles Gute und eine dicke Anerkennung für die Schwester hier offen das Problem anzugehen.
Ruhig weiter über die Situation berichten, allein das Schreiben über den Konflikt innerhalb der
Familie hat eine entspannende und lösende Wirkung und ist vom Hof kein großer Aufwand.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
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Re: Mein Bruder hat sich verändert :(

Beitragvon Hilfe » Sa 15. Mär 2014, 09:33

@cake: Nun mein Vater ist nicht gerade ein lieblingsvater von uns allen und hat zu jedem eine schlechte Beziehung, aber er macht sich schon Sorgen.

@fluuu: Nun wir haben ihm auch schön öfters vorgeschlagen eine Lehre zu machen, aber das will er auch nicht. Gestern fragte ich ihn nochmal ob er nicht doch ins Krankenhaus will, wenn dann soll er auftstehen, weil ich sowieso in die Richtung musste, aber als wir dann dort waren, zog er den Schwanz ein, ich glaube er wollte einfach wieder herumkutschiert werden. Als wir wieder zuhause waren schien er gut drauf zu sein, er nahm mein Rad und fuhr wieder irgendwo hin.

Ich habe mir auf YT ein Video angesehen: Neustart im Kopf - Heilung bei psychischen Stoerungen und wie sich unser Gehirn selbst repariert, ich sagte zu ihm, wenn er es sich ansieht, dann bekommt er ein Geschenk, bis jetzt hat er sich nicht angesehen, ich hoffe ich bring ihn noch dazu und falls er es nicht oder doch aber es sich nichts ändern, werden wir wohl oder über einen Psychiater holen müssen...

Ich danke euch beide für eure Beiträge :)

@fluuu: Woher wusstest du dass ich weiblich bin XD

lg

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Re: Mein Bruder hat sich verändert :(

Beitragvon Remedias » Sa 15. Mär 2014, 20:08

Hallo Hilfe,
dein Bruder gehört wirklich zum Fachmann; glaube nicht, dass ihr als Familie noch alleine damit klar kommt.
Ich denke mal, dass geht in Richtung Psychose, was Du beschreibst. Nun kann ich und soll ich auch keine Ferndiagnosen betreiben, das geht auch gar nicht per Internet, aber wenn ich sage: AZA !( ab zum arzt!) ,
dann möchte ich auch so aufrichtig sein und Dir sagen, welchen Eindruck ich durch deine Schilderung gewonnen habe.

Alles Gute für dich und Deine Familie.

Mit freundlichen Grüßen remedias

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Re: Mein Bruder hat sich verändert :(

Beitragvon fluuu » Mo 17. Mär 2014, 10:02

Genau, wenn es sich um psychotische Störungen handelt ist nicht angemessen höflich bitte, bitte zu machen
und nett zu fragen ob das Brüderchen vielleicht so lieb ist und zum bösen Onkel Doktor geht der ganz
doll aua macht, sondern da ist raffinierte Überzeugung und Überredung gefragt den psychisch abdriftenden
Bruder zu einer ärztlichen Untersuchung zu bringen und Schwanz einziehen geht dann nicht mehr, Punkt.

Hast Du Dich nicht als Schwester bezeichnet, habe auch eine und die ist weiblich.

Befürchte, bei so einer Familie auf dem Bauernhof ist die Skepsis gegenüber Behörden und Institutionen
generell groß und so auch zu Ärzten, nicht ganz unberechtigt, aber in dem Fall steht die Behandlung des
Bruders die dringend notwendig ist und erfolgreich sein kann gegen die Abneigung allgemein.
Herrscht nur der kleinste Zweifel in der Familie spürt das der Kranke und er kommt mit Schwanz einziehen durch,
ihm wird nicht geholfen, die Krankheit verschlimmert sich und kann chronisch werden, zurück bleibt ein
psychisch behinderter Bruder der nur noch mit intensiver Betreuung leben kann.
Zum Abmildern der akuten Symptome sind Psychopharmaka nützlich, jedoch sollte die gesamte Familie davon
überzeugt sein und die Medikamente mit positiver Einstellung begleiten, damit dann bei relativ klarem
Verstand eine Psychotherapie möglich wird die an die Ursachen der Störung geht, am besten eine
systemische Therapie, da werden alle Familienmitglieder mit einbezogen, entweder theoretisch oder
sogar mit in die Sitzung eingeladen, für die Familie wäre das ein Seegen. So eine Therapie bei einem
systemischen Familientherapeuten lässt sich über die Krankenkasse abrechnen.
Natürlich spielen die Eltern für die Entwicklung in der Familie eine wesentlich Rolle, auch der Vater,
all das gilt es systematisch in geordneten Bahnen anzuschauen und aufzuarbeiten.
gruß fluuu

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Re: Mein Bruder hat sich verändert :(

Beitragvon Laura » Fr 21. Mär 2014, 13:39

Hallo Hilfe!

Für mich sieht das Ganze zunächst so aus, als könne man Deinem Bruder nur mit Druck oder Zwangsmaßnahmen aus seiner Lage rauskatapultieren. Kraft- und mutlos mag er ja sein, solch einen Zustand kennt beinahe jeder psychisch Kranke und das kann auch schon im Jugendalter vorkommen. Also, zum "Schaffe gehe" ist er im Moment zu schwach, aber sich die Blöße zu geben, dass er nun einer "von diesen komischen Leuten" ist, bei denen "komische Methoden" angewandt werden, soweit ist er auch noch nicht. Das Doofe bei Druckmacherei oder Zwangsmaßnahmen ist, dass die Leute, die sie in guter Absicht anwenden, sich erstmal ziemlich unbeliebt bei dem Betroffenen machen und diese harschen Erstmaßnahmen noch nicht einmal eine Garantie für Besserung sind, wenn der Betroffene darin eben stets nur einen böswilligen Akt sieht und er sich hinterher nur umso mehr in sein Mauseloch verkriechen will.

Mein vorläufiger "theoretischer" Vorschlag: Er braucht nicht nur fachmännische Hilfe von einem Erwachsenen, da er ja zur Zeit sowieso nur gegen die Erwachsenen rebelliert, sondern auch Kontakt zu anderen Betroffenen, möglichst in seinem Alter. Als ich mit 16 zum ersten Mal in die Psychiatrie kam, war es eine Kinder- und Jugendpsychiatrie und bei aller guter Behandlung, die ich durch die Mitarbeiter auf der Station erfuhr, so war doch vor allem der Kontakt zu anderen Betroffenen das, was mich wieder "ins Leben" gebracht hat. Mit aller Solidarität und auch allem Zoff, den ich da erlebt habe.

Heutzutage gibt es aber auch softere Hilfsangebote für Jugendliche mit psychischen Problemen. Muss nicht gleich "Klappse" sein. Auf dem Land und in Kleinstädten sieht es da aber wohl immer noch mau aus. Aber für Austausch über psychische Probleme könnte er ja auch selber das Internet als ersten Einstieg benutzen.

Bei mir hat mich, als ich mit 15 von mir aus einen Kinder- und Jugendpsychiater aufsuchte und dann doch wieder einen Rückzieher machen wollte, der Psychiater damit geschockt, dass ich bald im Suizid enden würde, wenn ich mich nicht zu einer Behandlung entschließen würde. Die nonverbale Andeutung war dabei, dass es nach dem Suizid noch viel schlimmer für mich kommen könnte.

Ist irgendwie logisch: Je bedrohlicher einem die Welt vorkommt, desto mehr will man sich vor ihr verkriechen. Da ist dann die übliche Durchhalteparole von außen, dass man dann doch wenigstens anderen so wenig wie möglich zur Last fallen soll. Diese Parole ist einfach immer wieder missverständlich und wird auch immer wieder missverstanden. Sie beinhaltet ja nicht, dass ein Toter am wenigstens zur Last fällt, kommt aber immer wieder so rüber.

Wenn Dein Bruder sich jetzt nicht behandeln lässt, dann wird eine Behandlung zehn Jahre später auch nicht angenehmer sein, eher im Gegenteil. Das kannst Du ihm ruhig sagen.

Liebe Grüße und alles Gute für Euch

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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