Hilfe?

Maizekorn
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Hilfe?

Beitragvon Maizekorn » So 12. Jan 2014, 16:04

Hallo,
Mein Name ist Matthias und ich bin 18 Jahre alt. Ich habe schon seit knapp 2 Jahren Probleme oder bin einfach schlecht drauf. In der letzten Zeit habe ich kaum noch Selbstbewusstsein und ich distanziere mich von anderen obwohl ich eigentlich jemanden bräuchte der für mich da ist. Ich habe auch immer mehr das Gefühl, dass sich niemand mehr für mich interessiert obwohl ich weiß, dass das nicht stimmt. Ich rede mir dann ein das es mir schlecht geht und steigere mich da hinein bis es mir wirklich schlecht geht. Vielleicht tue ich das ganz auch nur wegen der Aufmerksamkeit, aber da ich so gut wie nie mit jemandem über mich Spreche und auch kein Mitleid will verstehe ich nicht warum ich mir selbst einrede, dass es mir schlecht geht. Mich regt es selbst auf und ich bin oft wütend auf mich selbst, da ich mir ja somit selbst alles versaue. Ich will aber irgendwie auch keine Therapie, weil ich erstmal mein Abitur machen will und danach eventuell studiere. Doch vielleicht ist das auch nur eine Ausrede und ich will einfach nicht als Versager angesehen werden. Ich habe mich in der hinsicht schon viel informiert und weiß, dass Depressionen oder ähnliches eine Krankheit ist und ich deswegen kein Versager bin aber trotzdem wird man in der heutigen Gesellschaft immernoch als schwach, hilfsbedürftig und Ausenseiter angesehen wenn man psychische Probleme öffentlich darstellt oder eine Therapie macht. Ich weiß auch nicht was das beste für mich ist und was ich eigetnlich will aber ich weiß dass ich es so wie es ist nicht mehr länger aushalte. Mich stört nur, dass das ganze bei mir ohne Grund ist. Meine Verhältnisse sind nahezu Perfekt um Glücklich zu sein. Nicht viel aber genug Geld, sicheres Zuhause, Familie, keine Todesfälle oder irgendwelche Auslöser für psychische Probleme. Vielleicht habe ich aber Beziehungsprobleme. Allgemein hatte ich schon immer komplizierte Beziehungen zu Menschen. Und besonders zu Frauen. Ich finde immer wieder neue Ängste um mich nicht auf jemanden einzulassen. Viele Möglichkeiten zum glücklich sein habe ich einfach abgelehnt. Wenn ich so darüber nachdenke bin ich dann immer wieder wütend auf mich selbst und suche im gleichen Moment die Schuld bei jemand anderem. So auch wie in dieser (ehr Aufsatz als) Frage versuche ich immer eine Erklärung für mein Handeln zu suchen. Ich rechtfertige mich immer sofort. So werden dann auch Beziehungen unnötig kompliziert. Ich könnte ein ganzes Buch füllen mit diesen blöden Problemen doch ihnen zu liebe setzte ich hier mal einen Punkt und Frage einfach mal ob Sie einen Tipp für mich haben?

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fluuu
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Re: Hilfe?

Beitragvon fluuu » Mo 13. Jan 2014, 11:42

Hallo,
da führt wohl der Weg an der Kommunikation mit einem direkten Gegenüber welcher mit menschlicher Problematik vertraut ist nicht vorbei.
Wenn es keinen vertrauten Lehrer, älteren Freund oder Onkel gibt, ein männliches Gegenüber macht Sinn, dann bleibt nur der Therapeut,
den gibt es über die Krankenkasse finanziert mit einer festgelegten Stundenzahl, Anmeldung ist reine Routine und Bürokratie.
Kannst Dich jedoch auch weiterhin in diesem Kreis drehen, Dich in diesem Strudel nach unten ziehen bis Du auf dem Boden aufschlägst,
da greifen dann mehr oder weniger automatisch die Rettungsmaßnahmen und Du kommst sozusagen zwangsläufig in therapeutische
Behandlung.
Noch könntest Du den Rettungsfallschirm selber ziehen so wie Dein Text klingt und Dir bewusst Hilfe holen, ist Dir das zu blöd weil die
Gesellschaft das Deiner Meinung nach nicht vorsieht um ein Gewinner und ein Sieger zu sein, dann warte bist Du aufschlägst,
je nach dem an welchem Ort kommt womöglich sogar der Rettungshubschrauber um Dich da raus zu holen, kenne welche die wollten
schon immer mal mit einem Helikopter fliegen. Spaß beiseite, nimm Hilfe an egal was die Umwelt sagt, es geht um Dein Leben was
emotional geordnet gehört und nicht um das Erfüllen eines gesellschaftlichen Status.
Das klügste Verhalten im seelischen Bereich wenn es Konflikte gibt ist die berechneten rationalen Erfolge sausen zu lassen und
sich mit Demut der eigenen Gefühlswelt zu widmen bis wieder völlige Stabilität erreicht ist, dafür braucht es Vertrauen zu Anderen.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

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Laura
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Re: Hilfe?

Beitragvon Laura » Di 14. Jan 2014, 13:58

Hallo Matthias!


Ergänzend zu dem Hinweis auf Therapie von fluuu könntest Du mal nach einem Psychosozialen Dienst bei Dir in der Nähe googeln und in Erfahrung bringen, was der so für Angebote hat. Normalerweise kann man bei solch einem Dienst zu bestimmten Zeiten in der Woche ganz unverbindlich vorbeikommen und ein persönliches Gespräch führen, sofern man sich mit dem zuständigen Sozialarbeiter gut versteht. Es gibt heutzutage von diesen Diensten auch ein wachsendes Angebot, das sich speziell an junge Leute mit psychischen Problemen richtet, z. B. Gruppenangebote. Das kostet normalerweise nichts und verpflichtet auch nicht unbedingt zu regelmäßiger Teilnahme.

Das geht den meisten Leuten so, dass sie sich am Anfang scheuen, professionelle Hilfe für psychische Probleme in Anspruch zu nehmen. Man fürchtet das Stigma und einen eventuellen sozialen Abstieg. Aber wenn Du selber schreibst, dass Du es nicht länger aushältst, dann scheint doch dringender Handlungsbedarf bei Dir zu bestehen. "Wegwünschen" lässt sich solch ein Zustand jedenfalls leider nicht und irgendwohin musst Du ja mit Deinen Problemen und Deinem Bedürfnis nach Zuwendung. Dass man das nicht unbedingt bei seinen "Peers" findet, schon gar nicht in der Schulzeit, ist bekannt.

Vielleicht würde es Dir ja schon helfen, wenn Du andere Leute in Deinem Alter kennen lernst, die ähnliche Probleme haben wie Du und genau wie Du im Alltag alles überspielen, aber sich an einem Ort versammeln können, wo man die Maske mal fallen lassen darf.

Ums mal ganz platt auf den Punkt zu bringen: Ich nehme an, Du sehnst Dich nach Liebe (und zwar nach anderer Liebe als die Liebe im Elternhaus) und Dir erscheint Dein Alltag leer und monoton. Du fragst nach "Tipps". Nun ja, Gespräche über die persönlichen Probleme führen und sich immer wieder etwas Gutes tun sind die "Tipps" schlechthin. Das kann viel verändern oder auch wenig. Oft stellt sich einfach nur die Frage, was man trotz seines anhaltenden labilen Zustands noch aus seinem Leben machen kann. Da ist ja bei Dir noch alles offen. Wann sind denn Deine Abitursprüfungen? Dieses Jahr oder nächstes? Auf jeden Fall wird nach dem Abitur schon von ganz alleine ein neuer Lebensabschnitt für Dich beginnen und dann werden sich neue Dinge ergeben, die Deinem Leben wieder Schwung geben können.

Liebe Grüße

Laura

P. S.: Kennst Du die Filmkomödie "Und täglich grüßt das Murmeltier" (aus den 90ern)? Da wird die Monotonie des Alltags auf die Spitze getrieben dargestellt und findet schließlich doch einen Ausweg. Dies so als kleinen Tipp, der in Form eines Films auch einfach nur zum Schmunzeln bringen und allein dadurch schon ein wenig aufheitern kann.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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