Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

sky
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon sky » Do 22. Apr 2010, 20:40

hallo smilla,

"persönlichkeitsstörungen - diagnose oder werturteil" - das erste, was mir gerade dazu einfiel war, daß es doch meist die betroffenen selbst nicht nur als werturteil empfinden, sondern auch selbst diejenigen sind, die diesen - erstmal nur medizinisch neutral als diagnose bezeichneten - zustand zu einem werturteil machen, oder nicht ?
wäre man gesund und würde der nachbar sich darüber aufregen, daß man 3x nicht gegrüßt hat, käme man auch nicht auf die idee, das nun mit seiner eigenen psyche in zusammenhang zu bringen.
auch denke ich, gibt es einige menschen, die auf interessante ideen kommen (zb nachts fenster putzen), ohne daß man sie deshalb als sehr sonderbar einstufen würde.
gehen die menschen mit ihrer evtl andersartigkeit selbstverständlich um, wird es auch für andere oft selbstverständlicher.

ein werturteil ? ja, vielleicht. aber ich denke, nicht nur von außen, sondern sehr oft auch von einem selbst.
was menschen von außen beurteilen bringen sie schließlich auch nicht unbedingt mit etwas in zusammenhang, was per definition zb eine persönlichkeitsstörung ist. diesen zusammenhang kann eigentlich nur der betroffene selbst herstellen oder die, die davon wissen.
von daher vielleicht auch eine interessante frage für betroffene selbst, wie sie möglichst NICHT von einer medizinischen diagnose zu einem werturteil kommen.

viele grüße, sky
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fluuu
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon fluuu » Mo 26. Apr 2010, 11:42

Genau, die Selbststigmatisierung ist nach wie vor das Problem, sie wirkt nach außen.
Eine Stigmatisierung von außen ohne Anstoß ist heute nicht mehr der Konflikt,
kein psychisch kranker Mensch wird auf Grund der Krankheit von außen angefeindet,
natürlich manchmal wegen seinem Verhalten.
Aber das eigene innere Werturteil bei Störungen ist oft niederschmetternd.
Wer nicht funktioniert ist nichts Wert, diese Parole wirkt nur all zu kräftig.
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Telephium
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon Telephium » Mo 26. Apr 2010, 22:55

Wer bekanntermaßen eine Persönlichkeitsstörung hat wird immer
von aussen im Zusammenhang mit der Störung bewertet.

Das hat aber auch rein nichts mit einem selbst zu tun.

Das mag sich so ein Gestörter vielleicht in einem Anfall von narzisstischen Grössenwahn einbilden - das alles bei ihm anfangen würde.

Aber die Realität ist das absolut nicht.

Ich bewerte und verurteile Persönlichkeitsgestörte (meistens negativ), ob sie das nun wollen oder nicht oder sich selbst sonst wie ok befinden oder nicht.

Genauso, wie ich mir bewusst bin, dass mich Leute beurteilen und bewerten. Wobei ich Urteile von Persönlichkeitsgestörten nicht annehme, sondern der Meinung bin, dass die projezieren.

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Veganer
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon Veganer » Di 27. Apr 2010, 14:16

Genau, die Selbststigmatisierung ist nach wie vor das Problem, sie wirkt nach außen.
Eine Stigmatisierung von außen ohne Anstoß ist heute nicht mehr der Konflikt,
Erster Teil stimmt, der zweite 100% nicht wahr, da leben wir noch im tiefsten Mittelalter. Die Pseudoreligösen - (und das sind nicht wenige, die kennst Du einfach nicht, die mischen sich nicht mit dem heidnischen Volk) - sehen einen nach wie vor als von Dämonen besessen und der Kleinbürger deponiert seinen psychischen Müll bei einem. Im Zweifelsfall bist du immer der Verrückte, du wirst als Betroffener dein Leben lang kaum mehr recht bekommen, so recht du auch haben magst, das sind die gesellschaftlichen Regeln in diesem Schwarzpeterspiel. Es kann noch zu regelrechter Volksverhetzung führen wie in meinem Fall in einem kleinen Dorf in der Schweiz (Kt. Zürich), wo man nicht ertrug, dass ich mein eigenes Leben führte.
Irgendwie passt auch das hierher: Mir hat mal so ein alter, ziemlich weiser Yogalehrer (ich will das nicht zu hoch werten, man soll niemandem blind folgen), der doch ziemlich viel auch sonst noch wusste, gesagt, es gäbe keine Schizophrenie. Schizophrene werden nur schockartig mit Informationen aus anderen Bewusstseinsbereichen (meine Formulierung, es liegt Jahre zurück, ich meine er hatte gesagt: "höhere Bewusstseinsebenen") überflutet, zu denen die gewöhnlichen Menschen keinen Zugang haben.
Unsere Probleme folgen offenbar auch aus dieser Situation. (In gewissen Naturvölkern wird dieser Umstand von der Gesellschaft auch respektiert und die "Verrückten" geniessen Ansehen.)
Das war etwas viel für mich, denn das, was ich tatsächlich in der Nacht meines "Überschnappens" (vor bald 30 Jahren) an Wissen erhielt, wurde in den kommenden vielen Jahren einfach von Umgebung, inkl. Therapeuten und Medikamenten unterdrückt.
Es war mir aber sofort klar, dass er recht hatte, es war aber das erste Mal, dass die Bestätigung von aussen kam. Nun war ich in der verlockenden Situation, zu erwarten, dass dieses Situation wieder eintreffen könnte oder zum Alltag gemacht werden könnte. Heute muss ich einfach lernen, dass ich mein Wissen für mich behalten muss, denn der Bewusstseinspegel zumindest des Kleinbürgertums ist bedenklich tief und sehr, sehr eingeschränkt, man darf sagen, der gewöhnliche Mensch sieht nicht über den eigenen Nasenspitz hinaus. Und in diesen sogenannt "zivilisierten" Gesellschaften lässt es das materielle Weltbild nicht zu, dass ein Nervenbelasteter mehr weiss als ein Fernsehgebildeter oder ein intellektuell Abgefahrener.
Größenwahn ist die Krankheit einzelner. Woran kranken dann ganze Völker?

Hans Horst Skupy

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fluuu
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon fluuu » Mi 28. Apr 2010, 11:14

Wenn Du diese Ansichten hast und Du Dir den Konflikt vor Augen hältst kann es Dir kaum jemand nehmen,
lebe selbst etwas anderes und es bekommt mir gut und das vermittle ich auch.
Was Du formulierst ist Selbststikmatisierung, Du redest Dir ein, dass ein psychisch Betroffener ein geächteter ist.
Wer wirklich Eigenverantwortung übernehmen will befreit sich von dieser Stikmatisierung und nimmt die Dinge
selbst in die Hand und weiß mit dem Leid umzugehen.
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon struppi » Do 14. Okt 2010, 16:00

Hmm, meine Therapeutin erzählte mir was von sozialer Phobie und schickte mich dann weiter. Was ich nicht wusste, war, dass sie aber Persönlichkeitsstörung in den Bericht geschrieben hatte. Und siehe da: Alle Theras waren im Vorgespräch total nett und engagiert, aber als die Unterlagen von Th. 1 kamen, änderte sich schlagartig alles, nur noch Doppelbindungen, ich konnte machen, was ich will, ich hätte ja eh keinen Behandlungswillen. Und dann wächst Du auch in Deine Rolle, alles was Du machst wird so interpretiert. Und das vermutlich nur, weil die noch an John Bolby (Bindungstheorie) glauben. War die Mutter früh krank/weg, dann musst Du ja unheilbar gestört sein, andere Bezugspersonen interessieren die nicht, wehe, die Sozialstatistik passt nicht ins Muster, dann kann derjenige eben nicht analytisch denken.
Als Bezeichnung würde ich "Sozialisationsschädigung" bevorzugen.

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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon 5D-Cube » Sa 21. Sep 2013, 14:41

bei mir heißt es

Verdacht auf schizotype Persönlichkeitsstörung. (Verdacht auf, also wenn die "Diagnose" auf mich zutrifft, dann eine leichte Form)

Ich habe mir von der "Störung" mehrere Beschreibungen durchgelesen.

Was bei mir zutrifft:

- gelockerte Assoziationen (das genieße ich, es ist eine Inspirationsquelle)
d.h. meine Assoziationen sitzen halt lockerer als im Durchschnitt, die Beurteilung ob die Assoziationen bei jemand "gelockert" sind, kann ja nur durch Vergleich mit dem Durchschnitt gezogen werden.
Man kann es auch überdurchschnittlich sprunghaftes Denken nennen. Man muß halt lernen, damit umzugehen und die Nachteile zu vermeiden, aber dann ist es ein Segen und kein Nachteil !!
(Antipsychotika wirken effektiv gegen gelockerte Assoziationen, das ist eine der Grundlagen ihrer Wirkungsweise. Und aus genau diesem Grund lehne ich sie ab, und außerdem deswegen, weil sie mir Freudlosigkeit verursachen, auch Atypika.)

- Unkonventionalität durchzieht alle Lebenslagen (ja, ich bin verschroben, na und ??)

- in Streßsitutationen fällt Schizotypen das logische Denken schwer. Ja das stimmt. Aber das ist bei jedem so, dass er unter Streß oder Hektik mehr Fehler macht. Bei Schizotypen ist es halt ausgeprägter. Das ist lästig, ja. Aber auch damit kann man lernen umzugehen, indem man es vermeidet, dass es zu Streß und Hektik kommt.

Ohne Streß und Hektik kann ich 1a logisch denken. Ich unterrichte Physik und Mathematik.

- gelegentliche Halluzinationen.
ja, wenn ich aufgewühlt bin, neige ich zum Halluzinieren. Bei aufgekratzter guter Laune zu interessanten visuellen Halluzinationen,
bei Angstzuständen zu unangenehmen taktilen Halluzinationen. (jemand reißt an der Jacke) und ich sehe Nebelschwaden durch die Wohnung ziehen.

aber ich erkenne, dass ich halluziniere, ich halte es nicht für real.

Die visuellen Halluzinationen sind interessant und nicht erschreckend,

wenn die taktilen Halluzinationen zu quälend werden, ( sich etwas so anfühlen: http://commons.wikimedia.org/wiki/File: ... onius.jpeg )
dann hilft schnelles Joggen.

Also mein Fazit: Persönlichkeitsstörung ist ein Werturteil. Klar, manche Leute sind anstrengend, ich habe eine Schwägerin mit "paranoider Persönlichkeitsstörung", die kann echt nerven mit ihren ständigen Befürchtungen. Aber ich habe nicht das Recht, bei mir eine gestörte Persönlichkeit zu verneinen und ihr gegen ihren Willen eine gestörte Persönlichkeit zu attestieren. Mit meiner Persönlichkeit sind diverse Leute nämlich nicht einverstanden und erklären mich für gestört, so verschroben, eigensinnig und frech wie ich bin.
Die Leute sind eben verschieden. Ob sie damit glücklich sind, ist eine berechtigte Frage, aber niemand hat das Recht, jemand anderem seine Persönlichkeit für krank und gestört zu erklären.

Ich persönlich habe meine Probleme dadurch gelöst, dass ich mir eine Umgebung gesucht habe, die zu mir passt. Das heißt in der einen Umgebung wäre ich als leidend und krank zu betrachten, in einer anderen führe ich ein schönes Leben.

Sollte eine Krankheitsdiagnose davon abhängen in was für einer Umgebung jemand lebt ?????
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon 5D-Cube » So 22. Sep 2013, 20:22

ich habe in einem ganz anderen Forum (ein Drogenforum !!) einen guten Beitrag dazu gefunden

>>
Anders sein sehe ich nicht als theraphiebedürftig an. Nur wenn man sich selbst im Weg steht, darunter leidet und in seiner Umgebung nicht zurecht kommt, finde ich es hilfreich zunächst ssich selbst zu reflektieren und wenn das eben zu keinem Ergebnis führt sollte man andere Wege (Psychedelika oder auch Psychotherapie) in Erwägung ziehen um eine Änderung herbeizuführen. Ich halte übrigens nicht sonderlich viel von Psychotherapie und schon gar nicht von der psychiatrischen Praxis nach Schema F wie man sie hierzulande in Kliniken beobachten kann schon einmal gar nicht. Entschuldige die Kürze und eventuelle Rechtschreibfehler - vom Handy gesendet.
<<
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon cake » So 22. Sep 2013, 20:31

Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute mit Deiner "Ansicht" der Dinge. :wink:
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon fluuu » Di 24. Sep 2013, 11:06

Da bei allen Menschen die seelische Konflikte haben die reale Selbsteinschätzung und Reflexion gestört ist
kann eine Unterstützung von außen hilfreich sein um die eigenen seelischen Strukturen wieder ins Lot zu bekommen.
Man kann sich natürlich auch jeder therapeutischen Maßnahme verweigern und nicht wahrnehmen wie sich die
Umstände verschlechtern bis eine völlige Betreuung im Alltag notwendig wird um die Lebensfunktionen aufrecht zu halten.
Es endet mit einem völligen Nervenzusammenbruch und nur noch der Rettungswagen kann Hilfe leisten.
Das muss nicht sein wenn man daran arbeitet trotz seelischer Konflikte die Selbsteinschätzung durch Rückmeldungen
anderer so realistisch wie möglich zu gestalten. Dann führt die Persönlichkeitsstörung zwar zu Konflikten aber sie sind
im Alltag zu überwinden und zu lösen und entwickeln sich nicht zum völligen Zusammenbruch.
Die Selbststigmatisierung Betroffener ist so ein großer negativer Aspekt in der Entwicklung ohne Rückmeldungen.
Deshalb plädiere ich für therapeutische Maßnahmen bei psychischen Störungen um den Dialog mit dem persönlichen
Thema zu suchen damit sich keine negativen Gefühle und Gedanken verkrusten die den Lebensweg erschweren.
Eine psychotherapeutische Aufarbeitet bringt sicherlich mehr Klärung ins Leben als eine Betäubung mit Drogen.
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon 5D-Cube » So 13. Okt 2013, 23:30

Man kann sich natürlich auch jeder therapeutischen Maßnahme verweigern und nicht wahrnehmen wie sich die
Umstände verschlechtern bis eine völlige Betreuung im Alltag notwendig wird um die Lebensfunktionen aufrecht zu halten.
Es endet mit einem völligen Nervenzusammenbruch und nur noch der Rettungswagen kann Hilfe leisten.
Schön den Teufel an die Wand gemalt.
Da bei allen Menschen die seelische Konflikte haben die reale Selbsteinschätzung und Reflexion gestört ist
kann eine Unterstützung von außen hilfreich sein um die eigenen seelischen Strukturen wieder ins Lot zu bekommen.
Na ja, von Beruf Psychotherapeut und Kunden gesucht. Also Teufel an die Wand malen, vielleicht kommen die Kunden ja dann.

Übrigens ist meiner Meinung nach bei den allermeisten Leuten die Selbstreflexion gestört.
Das muss nicht sein wenn man daran arbeitet trotz seelischer Konflikte die Selbsteinschätzung durch Rückmeldungen
anderer so realistisch wie möglich zu gestalten. Dann führt die Persönlichkeitsstörung zwar zu Konflikten aber sie sind
im Alltag zu überwinden und zu lösen und entwickeln sich nicht zum völligen Zusammenbruch.
Die Selbststigmatisierung Betroffener ist so ein großer negativer Aspekt in der Entwicklung ohne Rückmeldungen.
Stimmt, da ist was dran. Aber die Rückmeldungen brauchen nicht unbedingt von einem Professionellen kommen. Gute Freunde und Familienmitglieder sind mindestens gleich gut.
Eine psychotherapeutische Aufarbeitet bringt sicherlich mehr Klärung ins Leben als eine Betäubung mit Drogen.
Nur falls da was mißverstanden worden sein sollte, ich habe mit meinem letzten Beitrag keinen Drogenkonsum empfohlen. Sondern ich habe die Meinungsäußerung eines anderen weitergegeben. Mein letzter Beitrag in rot ist ein Zitat eines anderen.

Nur nebenbei, Drogen sind nicht zwangsweise Betäubung. Es gibt im Gegenteil auch Drogen, die dazu beitragen, die eigenen Gefühle intensiver wahrzunehmen. Nämlich die sog. halluzinogenen* Drogen und bei vielen Leuten auch Cannabis. (während sich andere damit "breit" kiffen, das ist bei verschiedenen Personen unterschiedlich.)

Ich glaube, meine Beiträge zum Thema Drogen sind allgemein etwas falsch aufgefasst worden. Ich wollte nicht zum Drogenkonsum auffordern. Sondern ich wollte auf die Parallelen zwischen Alkohol-/Drogenkonsum und Psychopharmakakonsum aufmerksam machen und auf diesem Weg einen kritischen Blick auf Psychopharmaka werfen.

* "halluzinogen" ist eine etwas irreführende Bezeichung für LSD, Meskalin, Psilocybin, etc. Ca. 40 % der Konsumenten haben gar keine Halluzinationen und für viele andere sind die Halluzinationen nur Beiwerk. Sondern es ist das "auf dem Trip sein", was diese Drogen ausmacht. Psychedelika oder Trip-Drogen oder Entheogene ist die bessere Bezeichung.
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon 5D-Cube » So 13. Okt 2013, 23:54

Ich mache um Psychologen/Psychotherapeuten einen großen Bogen und lehne jede Art stationärer Behandlung ab. So gesehen verweigere ich mich jeder therapeutischen Maßnahme.

Ich brauche keinerlei Betreuung im Alltag und Rettungswagen war auch nicht nötig.

Es sei denn, man sieht Schwimmen gehen, Joggen, Wandern gehen, im Kirchenchor singen, Yogakurse etc. als "Therapie". Aber dann macht jeder "Therapie", der Hobbys hat. Die meisten Leute die man in der Sporthalle trifft haben keine psychiatrische Diagnose.
Zuletzt geändert von 5D-Cube am Mo 14. Okt 2013, 01:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon 5D-Cube » Mo 14. Okt 2013, 00:57

Natürlich ist weder prinzipiell was gegen klassische Psychotherapie noch gegen Familienaufstellung oder Heilpraktiker-Psychotherapie was zu sagen.

Aber den Teufel an die Wand malen, ("völlige Betreuung im Alltag", "Rettungswagen"), wenn man sich therapeutischen Maßnahmen verweigert,
das finde ich Panikmache.
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon 5D-Cube » Mo 14. Okt 2013, 01:09

Nur nebenbei, jede "therapeutische Maßnahme" hat das Risiko, nach hinten loszugehen. Psychopharmaka haben psychische Risiken (antidepressiva-induzierte Psychosen, Antipsychotika-induzierte Depressionen, manchmal wirken Antidepressiva auch paradox und machen die Depression schlimmer, außerdem gibt es noch das Rebound-Effekte-Problem nach längerem Konsum, und es gibt Suchtentwicklung nach Benzos, und benzo-induzierte Verwirrung, etc.)

Stationäre Aufenthalte können traumatisieren, übrigens auch freiwillige.
aus einem StudiVZ-Forum:
>> ne freundin von mir ist auch wegen depressionen in ne offene gegangen und hats 2 wochen ausgehalten, danach war sie dann erstmal ironischerweise richtig reif für die klapse.
laut ihren aussagen wurde sie (wie anna auch schon sagt) behandelt wie ein minderbemitteltes kleinkind. man hat weder sie, noch ihre bedürfnisse ernst genommen. die ärzte waren unterkühlt und herablassend, die schwestern haben sich aufgespielt wie oberlehrerinnen und es war insgesamt wohl sehr entwürdigend.
wenn sie sich beschwert hat, wurde das lediglich ihrer krankheit zugeschrieben und wenn sie heulkrämpfe hatte, weil man sie nicht ernstnahm, wollte man ihr immer nur medikamente statt gespräche anbieten.
für sie wars die absolute hölle.
<<
Man sollte gut überlegen, ob und in welche Klinik man geht. Im Zweifel keine Klinik.

Es gibt auch Fälle von Leuten, bei denen es endlich aufwärts gegangen ist, nachdem sie ihren Psychotherapeuten rausgeschmissen haben. Besser kein Psychotherapeut als ein ungeeigneter
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon fluuu » Mo 14. Okt 2013, 11:05

Die meisten Menschen auf der Welt sind nicht akut psychisch krank und nehmen somit auch keine Behandlung in Anspruch
aber das Leben ist grundsätzlich gefährlich, endet immer mit dem Tod und um so mehr Sicherheit gesucht wird um so schwieriger wird es.
Die Frage ist weniger ob Psychiatrie oder nicht, ob Therapeut oder nicht sondern ob Flucht in die Krankheit notwendig ist oder nicht.
Da gibt es viele Möglichkeiten vorbeugend Einfluss zu nehmen um es nicht eskalieren zu lassen, gegen jenes Schimpfen und Wettern
was man nicht will ist eine Möglichkeit jedoch noch nicht die ausgeglichenste Variante, es einfach lassen ist gut.
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