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Meine Freundin leidet an Depressionen

Verfasst: Do 10. Dez 2009, 00:24
von theboy1
Hi,

erstmal möchte ich mich für den ungeschickten Threadtitel entschuldigen. Ich bin zwar neu hier und es ist der erste Thread den ich öffne, doch kann ich mir vorstellen, dass in diesem Forum bereits mehrere Threads diesen Titel besitzen.
Ich weiß leider nicht weiter und dachte mir, dass mir anonym das Internet weiter helfen kann.

Ich bin seit gut 2 Jahren mit meiner Freundin zusammen. Sie ist jetzt 20 und ich bin 19.
Seit einigen Monaten geht es jedoch steil bergab. Sie leidet an einer Zwangsstörung, an Depressionen und unter Angstzuständen, Nervosität und Panikattacken.
Mir ist es wichtig, dass Ihr nicht denkt, dass es sich hierbei um die oberflächliche "Teenie-Herzschmerz-Depressione" handelt.

Als ich sie kennengelernt hatte, war sie ein offenes Mädchen, dass recht lustig und munter drauf war. Doch wie gesagt hat sich das in den letzten Monaten drastisch geändert.
Erst fing es damit an, dass sie kaum mehr raus ging.
Dann beschränkte sie die Leute die sie sehen mochte auf eine handvoll Menschen.
Sie wurde sich unsicher und der Gedanke, dass sie hässlich sei belastete sie so stark, dass sie oft einfach nur geweint hat.
In meinen Augen ist sie natürlich nicht hässlich: tatsächlich galt sie auf der Schule als eines der hübschesten Mädchen. Es kam sogar schon mehr als einmal vor, dass sie in der Stadt von Scouts angesprochen wurde, zu modeln oder als Statistin bei TATORT mitzuspielen. Dinge die einen doch freuen sollten, und dem Selbstbewusstsein doch sicher nicht schaden würden. Sie sieht das alles leider anders. Den Gedanken, dass sie angeblich hässlich sei kann man ihr leider nicht ausschlagen.
Es ist oft so, dass wenn ich mit ihr bin sie einen heiteren Eindruck macht, nur um mir hinterher zu sagen, dass es schwer war für sie, ihre Traurigkeit zu verbergen und das es ihr alles andere als gut geht.
Sie wirft mir oft vor, dass ich "etwas nicht merken würde". Dass es etwas offensichtliches sei.
Das einzige was sie mir dazu sagte war, dass sie an einer Zwangsstörung leide und oft "etwas" machen müsse, wenn sie nervös wär. Ich weiß leider nicht was und sie verrät es mir auch nicht. Nur könnte es jeder sehen und sei sie deswegen auch so unsicher wegen ihrem Auftreten. Ich habe ihr bereits oft genug gesagt, dass sie mit mir über alles reden kann etc aber es hilft nicht.
Sie leidet sehr unter ihrer Nervosität. Letztes Jahr als wir unser Abitur machten, konnte sie nicht an den mündlichen Prüfungen teilnehmen, weil der Stress und die Nervosität sich in Panik umgewandelt hatten. Sie redet sich andauernd ein, wie schlecht sie doch in der Schule wäre, dabei hatten sogar die Lehrer gesagt, dass viele Schüler für ihren Schnitt töten würden.
Sie ist auch wirklich sehr intelligent, doch stapelt sie oft so tief, dass es für Mitmenschen schwer ist, ihr nur zuzuhören (mich eingeschlossen). Verständlich, ich meine...Wenn Cristiano Ronaldo einem immer wieder erzählen würde, dass er nicht Fußball spielen könnte und man dabei selbst mit dem Ball nicht mal gerade auslaufen kann, dann kann man ja mit der Zeit nur genervt sein.
Es fällt mir gerade wirklich schwer, die Situation genau zu schildern, da diese so kompliziert ist.
Ich hoffe, dass dieses Beispiel euch vielleicht besser helfen kann, die Lage zu verstehen:
Erst gestern ist sie in der Schule umgekippt. Der Grund: Die Nacht zu vor versuchte sie für eine Klausur zu lernen, doch die Nervosität hinderte sie daran. Sie war so verzweifelt, dass sie zuviele Schlaftabletten einnahm, die ihr Hausarzt ihr verschrieb. Um sich zu beruhigen...
Folgedessen musste sie ins Krankenhaus eingeliefert werden und eine Nacht da bleiben.

Bestimmt habe ich viele wichtige Sachen und Details vergessen, weil ich diesen Beitrag in purer Verzweiflung schreibe.
Ich weiß wirklich nicht wie ich ihr helfen soll. Ich möchte ihr ja auch helfen und für sie da sein, doch nach all den Monaten fällt es mir wirklich schwer.
Mir fehlt langsam die Kraft dazu. So hart es auch klingt: Wenn wir wieder mal stundenlang telefonieren und sie wieder anfangt zu weinen, dann bin ich oft eher genervt als traurig. Und es tut mir auch leid.
Oft werde ich wütend, wenn sie weint.
Ich kann mir das selbst nicht erklären, warum ich so drauf bin. Vielleicht ist es der Gedanke, dass ich die ganze Zeit versuche ihr zu helfen und sie sich nicht helfen lässt? Ich weiß es nicht.

Der Umgang mit ihrer, ja kranken, Art belastet mich schwer.

Letzte Woche hatte sie ihre erste Sitzung bei einem Therapeuten, doch das gefiel ihr gar nicht. Sie sagt, dass die Therapeutin ihr oft ins Wort fällt und sie sich bei ihr nicht wohl fühlt.

Desweiteren ist es vielleicht gut zu wissen, dass Antidepressiva bei ihr nicht wirken. Sie nimmt diese seit einige Wochen, doch sagt sie selbst, dass sie keine Wirkung merkt.