Borderline? emotional instabil?

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Kratz
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Beitragvon Kratz » Fr 28. Jan 2005, 16:29

Grüß Sie mum,

Ihre Situation ist ungeheuer schwierig und nicht einfach zu bewältigen, keiner kann Ihnen eine Entscheidung abnehmen und guter Rat fast unmöglich.
Seine Tochter im Drogensumpf versinken zu sehen nicht erträglich, das verzehrt eine Mutter sicherlich. Untätig zu sein ein schier unmögliches verlangen. Die Tochter anzuzeigen - kann auch den Verlust bedeuten.
Aber der exzessive Drogenkonsum gerade von harten Drogen führt unweigerlich ins verderben, deshalb scheint eine Anzeige geboten, damit der Kreislauf erstmal unterbrochen wird. Auch wenn die Folgen in mancherlei Hinsicht bedrohlich sein mögen.

Ich hoffe Sie finden die nötige Kraft und Unterstützung um die Situation zu bewältigen.
Detlev

faust
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Beitragvon faust » Fr 28. Jan 2005, 21:49

hallo mum,

ich bin fausts freundin.
Auch mich hat sehr betroffen was Du zu berichten hast, auch wenn Dir das in Deiner Situation letztendlich nicht viel helfen wird.

Auch wenn es auf den ersten Blick hart erscheint, ist vielleicht die einzige Lösung, dass Du Deiner Tochter wirklich eine gewisse Zeit die kalte Schulter zeigst und auch nicht selbst anrufst.
Bis jetzt schien sie sich immer darauf verlassen zu können, dass Du da bist wenn sie Dich "braucht". Zeige ihr, dass Du auch Dein eigenes Leben genießen möchtest und Du nicht bereit bist, ihre Fehltritte zu tolerieren.
Ich weiß, dass es Dir widerstrebt, aber nimm Dir Urlaub und spanne aus. Sorg für einen Tapetenwechsel. Wie Du selber schmerzlich erkennen mußt, kannst Du von hier zur Zeit eh wenig ausrichten. Sie ist auf dem Ohr der Vernunft taub und will Deinen Rat nicht hören, aber ich denke, dass gerade bei der dortigen Gesetzeslage der Tag kommen wird, an dem auch der Dealer erwischt wird, oder an dem sie die Nase von ihm voll haben wird (Schläge usw. hattest Du ja bereits angedeutet) und sich trennt.
Spätestens dann kannst Du ihr wieder effektiv helfen, aber wie die anderen schon sagten hilft der Druck durch Dich nicht, bewirkt wirklich eher, dass sie sich weiter von Dir entfernen wird, als Dir lieb ist.

Suche Dir psychologischen Rat, auch wenn Du schon sagtest, dass Du nicht wüßtest was Du fragen solltest und Dir wahrscheinlich fehl am Platze vorkommst.

Schildere ihm Deine Situation, lass Dir Tips geben, wie Du Deiner Tochter am besten beikommen kannst, ohne Dein eigenes Leben zu ruinieren. Hier kannst Du Hilfe bekommen, um Deine emotionale Kraft und Dein Selbstvertrauen wieder zu stärken, denn diese wirst Du brauchen, wenn Du durchhalten und einen Weg finden willst.

Ich drücke Dir von ganzem Herzen die Daumen und wünsche Dir Glück und Kraft, damit Du diese Zeit meistern kannst und das sich alles zum Guten wenden wird.

Herzlichst...Jessy

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Angelita
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Beitragvon Angelita » Fr 28. Jan 2005, 22:13

Grüezi Mum

Ihre Situation ist wirklich dramatisch u. auch traumatisierend. Ich denke, dass Sie schon ganz viel unternommen haben u. Sie haben sich informiert. Was Sie tun konnten, haben Sie getan. Und jetzt?

Als Mutter weiss ich, wie schwierig es ist zuzuschauen u. nicht mehr tun zu können, ob wohl Not am Kinde ist...

Meine Vorschreiber haben schon einiges gesagt; das eine o. andere hat Ihnen vielleicht gut getan - oder eben auch verletzt. Verletzt sind Sie - Verletzungen zugefügt von der Tochter, deren Freund, dem System, den Menschen, die voreilig ein Urteil über Sie u. Ihre Tochter fällten usw.

Und genau da sehe ich die Hilfe, die ein Fachmann o. eine Fachfrau leisten kann. Ihre Nöte, die Selbstvorwürfe, die Ängste anzuhören, zuzuhören, wenn Sie über schlaflose Nächte, Tränen, Verzweiflung berichten. Therapie ist wichtig in so traumatischen Zeiten, damit Sie nicht in der Verzeiflung versinken u. in Tränen ertrinken.

Als Mutter kommen oft u. schnell (vielleicht ist es bei Ihnen anders, aber ich kenne es von mir u. vielen anderen Müttern) die Zweifel: Hab ichs recht gemacht? Wo habe ichs falsch gemacht? War ich eine gute Mutter? Warum konnte das passieren? Vielleicht hätte ich...usw. Und mit all diesen Gedanken ist man nachts alleine u. sie rauben einem den Schlaf, zehren an den psychischen u. physischen Kräften. Die Therapeutin kann helfen ordnen, verstehen, abgrenzen.

Es geht nicht um Schuld o. Unschuld! Es geht um Ihr Überleben, um Ihre Seele, um Verständnis für sich selbst, um gehen lassen u. offen sein, um Sprache finden für sich u. für Ihre Tochter. Lernen mit dem Geschehenen umzugehen, lernen sich der Tochter mitzuteilen, lernen das Unausweichliche zu akzeptieren u. dem allem Worte zu geben.

Ist es nicht so, das Geschilderte macht (mich) fassungslos u. auch einwenig sprachlos?!

Als Maltherapeutin finde ich natürlich das Malen ein wichtiges Medium um Sprachlosigkeit, Fassungslosigkeit u. Trauma ein Bild zu geben.

Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht, möglichst ohne quälende Gedanken u. Träume.
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

mum
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quaelende Gedanken....

Beitragvon mum » Sa 29. Jan 2005, 09:43

Hallo,
vielen Danke fuer die lieben Worte. Die helfen wirklich. Obwohl ich jetzt hier sitze und heule wie ein Schlosshund.
Ich fuehle mich so hilflos, habe ich wirklich alles getan was ich tun konnte? Alles was mir bleibt sind Selbstzweifel und meine Traenen. Das schlimmste ist: ich zerfliesse in Selbstmitleid, das ist, meiner Ansicht nach, total egoistisch. Ich kanns einfach nicht aufhalten. Ich kann nicht mehr logisch denken.
Ich habe sie gestern nicht angerufen. Hat mich einiges an Ueberwindung gekostet. Ich will ihr nicht die kalte Schulter zeigen, weil ich Angst habe was daraus resultiert. Denkt sie dann ich lieb sie nicht mehr? Zieht sie sich dann noch mehr zurueck?
Ich hab von einer Freundin den gleichen Rat erhalten, sie sagt: lass sie gehn', schick ihr um Himmels willen kein Geld, das setzt sie nur in Drogen um. Lass sie auf die Schnautze fallen. Sie weiss sie kann immer nach Hause kommen, sie weiss das ich sie unendlich liebe.
In mir nagt der Gedanke, das ich es haette aufhalten koennen. Was hab' ich falsch gemacht, welche Hinweise hab' ich uebersehen? Wo hab' ich versagt?

Darueber schreiben und mich austauschen hilft ungemein. In meinem Umfeld weiss fast keiner davon, ausser meiner Freunding (die lebt in USA) und meinen Eltern. Ich ziehe mich zurueck und will mit keinem reden, war schon seit einer Woche nicht mehr vor der Tuer.
Ich muss mich da jetzt durcharbeiten. Muss Abstand gewinnen, weil ich merke das es mich auf Dauer zerstoeren kann.

kayo
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Beitragvon kayo » Sa 29. Jan 2005, 10:36

Hi,

ich denke es war gut nicht anzurufen. Wenn man einem Menschen hinterherläuft, ist das nicht gut. Die Frage, was hast du falsch gemacht, ist die falsche Frage. Die richtige Frage ist: wie gewinnst du Abstand.

Ich halte es immer noch für wichtig, dass du mit einem Psychologen sprichst. Meines Wissens besitzt der auch Schweigepflicht. Wichtig ist es darüber zu reden. Das Forum hier ist zwar ein geeigneter Weg, aber ein persönliches Gespräch ist befreiender.

Wenn du dich dazu noch nicht durchringen kannst, dann versuche doch deine Gedanken aufzuschreiben und dich dadurch zu befreien.

Viele Grüße Kay
Das Bedürfnis nach Glauben ist der grösste Hemmschuh der Wahrhaftigkeit

(Friedrich Nietzsche)

faust
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Beitragvon faust » Sa 29. Jan 2005, 11:32

hallo nochmal,

nimm Dir nicht selbst das letzte bißchen Kraft. Vertrau Dich bitte den Menschen an die Dir nahe stehen und geh wieder vor die Tür.

Du brauchst jede Unterstützung, die Dir Freunde und Verwandte geben können! Es ist so schwer aber eben auch genauso wichtig, dass Du Dein Leben so normal weiterführst wie nur irgend möglich, denn sonst kannst Du bald auch Deiner Tochter nicht mehr helfen.
Mein Freund hat sich so aufgeopfert, dass er die Konsequenzen an seiner Psyche jetzt mit fielen Tränen und Medikamenten büßen muß. Lass Dich nicht fallen, rauf Dich auf und geh mal wieder weg, damit Du wieder klare Gedanken fassen kannst.

Ruf eine liebe Freundin an, die Du schon lange nicht mehr gesehen hast und unternimm was mit ihr. Du brauchst ganz dringend einen Tapetenwechsel!!!

Liebe Grüße Jessy

Lillyone
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Beitragvon Lillyone » So 30. Jan 2005, 21:52

Hallo mum, kann Deine Ohnmacht sehr gut verstehen- Bin Angehörige einer Alk-Abhängigen und wenn nix Alk, dann THC.
Nun zum Vers-rechtlichen: Du bezahlt doch sicher von hier aus die Kankenversicherung für USA oder? Geht die Versicherung mit Krankenhaus in Vorlage oder Du? Abrechnung nach Vorlage der Rechnung durch die Auslands-KV? Sie besitzt doch für den USA-Aufenhtalt den Studentenstatus als Deutsche. Es wird nicht lange dauern, da könnte sie von dort abgeschoben werden. Sollte sie dazu noch dealen, ist mit Amis nicht zu spaßen, Knast inbegriffen, sollte sie auch psychisch krank sein, egal. Dann kann die Ausweisung aus den USA nund Einreiseverbot für lange Zeit sein. Wende Dich doch mal an die US-Botschaft. Am besten wärs, die Amis würden sie rausschmeissen, sie dürfte nicht mehr einreisen, müßte hier leben und alles andere ergibt sich dann von hier aus, inkl. Psychiatrie, Entzug, Entwöhnungsbehandlung etc., sollte sie aber dahinterstehen.

Wo Du Dich nun hinwenden kannst, hier an die Botschaft, dort an die Drogenbehörde, weiß ich nicht. Die Hauptsache, sie fliegt aus den USA raus, von hier aus kann sie dann was unternehmen oder nicht gegen ihre Sucht. Inwiefern Du sie durch Deine Aktionen gefährdest? Sie ist so und so gefährdet, also spielt es keine Geige mehr. Bezahlst Du ihr den Studienaufenthalt und die Wohnung oder bekommt sie das als Stipendium von hier aus?

IEine andere Tochter habe ich jahrelang in USA unterstützt als Studentin. Daher kenn ich mich mit der Krankenversicherung Deutschland-USA gut aus. Gott sei Dank blieb mir bei ihr der Horror erspart.

Ansonsten bin ich auch Angehörige einer BL und Alk-abhängigen Tochter, deren Diagnose jetzt Psychose aus dem schizophr. Formenkreis lauten soll. Jahrelang THC, Alk-Missbrauch. Zur Zeit in Langzeittherapie. Ich verbat mir jegliche telefonische Konaktaufnahme von der Therapie aus mehr zu mir, da sie dies nur von der Therapie abhält, da ich dermaßen beschimpft werde und für ihren Zustand verantwortlich wäre . "wann stirbst du endlich" war das letzte Telefonat . Therapeuten dort sollen dies auffangen, ich bin nicht geschult dafür. Mehrere Hundert km weg und ich bin berufstätig, also nicht möglich, einer Therapie beizuwohnen. Manchmal sollten sich Angehörige lieber aus solchen Dingen raushalten.

Ich bin genauso hilflos wie Du, nur Dur eben um paartausend km weiter, viel Glück bei Deinen Bemühungen, Lulemie - und bleibe doch hier im Forum und berichte weiter, wenn Du magst.

mum
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Registriert: Do 27. Jan 2005, 15:20

USA Insurance

Beitragvon mum » So 30. Jan 2005, 23:08

Hallo und Danke!!
Das mit dem versicherungstechnischen Kram ist so eine Sache. Sie hat die doppelte Staatsbuergerschaft (USA + DE). Krankenversicherung hat sie keine mehr, da sie die Schule, ueber die sie versichert war, geschmissen hat. Sie ist praktisch total mittellos in die USA abgehauen. Ausweisung auch kein Thema, wegen dem USA Pass.
Sie war, soweit ich das nachvollziehen kann, ca 5 Monate auf Crack und Kokain und Meth., und die letzten 2 Monate clean.
Sie hat Medikamente bekommen, die sie eigenmaechtig nach ca 4 Wochen abgesetzt hat (Effexor XR und Trazadone/Remeron). Danach hatte sie teilweise aggressive Ausraster, immer abends bis in die fruehen morgenstunden. Das hat sich aber innerhalb der lezten 3 Wochen normalisiert.
Ueber die Polizei kann ich nichts erreichen. Ich habs versucht. Ist auch alles relativ kompliziert. Ich habe auch Angst um ihre Sicherheit.

Ach je, ich bin mit meinem Latein am Ende.
Ich wuensche mir, dass die lieben Ratschlaege die sich so einfach und logisch in meinen Verstand hineinlesen auch genauso einfach und logisch in mein Herz setzen und mir eine innere Ruhe verschaffen.(Seltsamer Satz, vielleicht verstehts ja jemand :oops: )....

Ich bewundere Deine Einstellung. Ich habe mich sehr oft in der letzten Zeit ueberfordert gefuehlt. Sehr oft wo ich merkte ich kann ihr nicht helfen, hier muss jemand geschultes ran.
Ich hoffe alles laeuft ok mit deiner Tochter und ihr koennt irgendwann ein offenes GEspraech fuehren. Sie bewirft dich mit all den schlimmen Vorwuerfen und wuenscht dir den Tod, aber ich bin sicher sie meint das nicht so. Sie laesst ihren Frust an dir aus und sucht einen Schuldigen fuer Ihre Fehler.

Lillyone
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Registriert: Mo 21. Jun 2004, 00:44

Beitragvon Lillyone » Di 1. Feb 2005, 23:14

Ach mom, mit dieser doppelten Staatsbürgerschaft sieht das ja jetzt völlig anders aus. Ich weiß auch keinen Rat. Sie so weit weg und Du im Ungewissen, was dort abläuft. Muss einfach ganz schrecklich sein. Sie in den Fängen des Kriminellen, abhängig, Strich, die ganze Palette. Und dann noch ohne Krankenversicherung! Forum Base Vanner mal antippen oder psychische Selbsthilfe.de (nennt sich auch psh-forum). Drogenprobleme werden doch behandelt.. Vielleicht gibt es dort Tipps. Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du all dies noch einigermaßen überstehst, liebe Grüsse Lillyone :mad:


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