Borderline

Oxana
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Borderline

Beitragvon Oxana » Fr 18. Jul 2008, 23:22

Hi zusammen, hi Triangel, ich versuche mal zu erklären, was bei mir Borderline beschreibt:

Ich bin mehr als nur Menschenscheu. Ich hab mich von allen Menschen, ausser meinem Mann, abgekapselt. Ich bin vollzeit berufstätig und hab es nun 30 Jahre geschafft, nicht telefonieren zu müssen, obwohl es mehr oder weniger zu meinem Job gehört. Auch privat telefoniere ich nur, wenn es wirklich unbedingt sein muß :cry: Ich habe Angst, das die Menschen in meiner Umgebung, mich nicht mögen oder etwas von mir wollen. Mir geht es ehlendig, wenn nur das Telefon klingelt.

Im Beruf habe ich Angst vor meinen Kollegen - Angst, sie würden mich nicht leiden können, oder gar böse sein, wenn ich Fehler mache und mich anschreien. Ich gerate in Panik, wenn ich befürchte, sie könnten sauer auf mich sein. Ich habe ganz liebe Kollegen - nie ist so etwas passiert.

Ich verletze mich selbst - lasse meine Wunden einfach nicht heilen. Tagtäglich kratze ich mir meine Wunden an den Armen auf - monatelang :cry: seit meiner Kindheit. Schlimme Narben hab ich auf den Armen.
Das Ritzen kommt sogut wie gar nicht mehr vor. Zum Ritzen bin ich gekommen, als ich mich vor vier Jahren hab tätowieren lassen. Es waren 1 3/4 Stunden unerträgliche Schmerzen :shock: - ich mußte danach einfach wissen, ob schneiden die gleichen Schmerzen sind - ja, sie sind es :cry: So fing das Ritzen mit Rasierklingen an.

Gefühle kenne ich kaum. Traurigkeit, ja, die erlebe ich fast täglich. Stimmungsschwankungen sind die Regel und die furchtbare Leere, die mich seit vier Jahren begleitet. Hunger oder das Gefühl satt zu sein, kenne ich auch kaum. Ärger oder gar Wut erkenne ich erst, wenn ich unangemessen ausraste :shock: dann fliegen die Dinge durch die Gegend, ich vergesse mich und schrei die Umgebung zusammen oder ich gerate plötzlich in Atemnot und breche kurze Zeit später in Tränen aus.

Erst bin ich selbstbewußt, kommt jemand dazu, werde ich von einer zur anderen Sekunde zum verängstigten Kind. Ich wage es nicht mehr zu sprechen oder zu widersprechen. Nichts kann ich mit anderen Menschen zusammen machen; auch nicht mit meinem Mann - immer werde ich ganz klein und bin nicht mehr fähig auch nur eine lächerliche Schraube einzudrehen. Vor kuzem geriet ich fast in Panik, als ich allein in einem großen Kaufhaus einkaufen ging - es war ganz fürchterlich. Die ganzen Menschen mit ihren Einkaufswagen und der ganze Krach - ich ertrug es kaum. :cry:

Ich rede kaum. Auf Familienfeiern sterbe ich jedesmal - ich rede gar nicht und kann nicht essen. Essen kann ich in Gesellschaft fast gar nicht. Ich hab solch Angst, mich "daneben zu benehmen" zu viel zu essen, zu kleckern oder ähnliches. Weihnachten ist immer nicht zu ertragen. Schwiegereltern und Schwägerin - alles ganz liebe Menschen und doch kann ich mich in ihrer Gesellschaft kaum bewegen, nicht zum Buffet gehen, kaum essen und nicht vom Platz aufstehen; nicht einmal zum Klo kann ich gehen.

Meine Eltern waren sehr lieblos, auch wenn sie uns wohl liebten. Gefühle gab es nicht; dafür wurden wir von ihnen ständig angeschriehen. Nur wenn wir wirklich krank waren, oder uns ganz schlimm verletzten, waren sie für uns liebevoll da. Ich denke, das ist es auch, was meinem Bruder und mich immer wieder dazu bringen, uns selber zu verletzen. Ich staune über die ganzen Parallelen zu meinem Bruder.
Liebe Grüße - Oxana

nicht die Norm
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Beitragvon nicht die Norm » Sa 19. Jul 2008, 09:56

Hallo Oxana,
ist denn B unheilbar?
Was hast Du in der Therapie für fortschritte gemacht?
Woher Hoffnung nehmen?

nicht die Norm
der Vogel,der hinter Gittern sitzt,fliegt fast bis zur Sonne.........

auch wenns nur in seinen Träumen ist

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Lilith
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Beitragvon Lilith » Sa 19. Jul 2008, 16:02

[edit]
Zuletzt geändert von Lilith am Sa 6. Mär 2010, 19:14, insgesamt 1-mal geändert.
Bin nur sporadisch hier, schau aber etwa zwei mal im Monat rein- geht aus Zeitgründen leider nicht anders.

"Coming back to where you started is not the same as never leaving."
A Hat Full of Sky- Terry Pratchett

Oxana
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Beitragvon Oxana » Mo 21. Jul 2008, 13:02

Hi Ihr zwei, nein, soweit ich weiß, ist Borderline nicht zu heilen. Sicher kann man vieles tun um sich sein Leben angenehmer zu gestalten.

Dank der langen Therapie habe ich viele Kleinigkeiten entdeckt, die mir Spaß machen, mich erfreuen, mich entspannen. Und ist meine Stimmung soweit in Ordnung, dann gelingt es mir auch etwas zu tun, was mir in diesem Moment gefällt. Lach, zum Beispiel hab ich mir lauter grünleuchtende Lampen für die Fensterbretter gekauft, die abends an sind. Ihr glaubt nicht, was das für ein gemütliches Licht ist - nur ein Blick darauf und ich freu mich darüber; jeden Tag.

Oder ich kaufe mir selber einen Strauß Blumen. Im Frühjahr / Sommer nehme ich mir viele Blumen aus unserem Garten mit und gibt es in der kalten Jahreszeit keine mehr - kauf ich sie; jede Woche. Ich erfreu mich also jeden Tag an den Blumen, die in der Küche auf dem Tisch stehen.

Das sind so Kleinigkeiten, die mir helfen bei Laune zu bleiben oder mich einfach nur erfreuen.

Vor vier Jahren kam ich auf die Idee, dass mein Mann mich nicht mehr mögen würde. Einfach so; von jetzt auf gleich. Für mich wurden diese Gedanken so real, das ich sehr schwere Depressionen bekam und nicht mehr auf der Welt sein wollte. Mein Mann hat mich dann überzeugt, eine Therapie zu machen - gut das er das tat.

Ja, das tätowieren war einfach nur unerträglich. Deine Frage, Forhelpsophie, ist sehr interessant und nie dachte ich darüber nach. Ich wüßte nicht, das ich da mehr empfunden habe, als die furchtbaren Schmerzen. Eigentlich sollte mein Mann nachkommen um mir Händchen zu halten; er schaffte es aber nicht. Zu Hause brach ich Tränen aus und erzählte, wie sehr ich gelitten hatte und wie sehr ich ihn gebraucht hätte.

Aber ich war in den 1 3/4 Stunden stark - sehr stark; ohne Tränen, ohne zu jammern, ohne ein Gefühl der Schmerzen zu zeigen. Ist es nicht das, was ich mein ganzes Leben schon mache? Ich zeige nie Gefühle; keine Schmerzen - weder seelisch noch körperlich. Ich war auch so stark als meine Mutter starb :evil: bis heute hab ich nicht trauern können und weinen tu ich höchstens allein.

Ich weiß es nicht, ich kann es nicht beantworten, was der wirkliche Auslöser zum Ritzen war; ich weiß nur, das ich dem furchtbaren Zwang einfach nicht widerstehen konnte. :shock:

Hm, ich weiß gar nicht, was ich für eine Therapie mache. Wir reden über mein heutiges Leben und Schwierigkeiten und hin und wieder über meine Vergangenheit. Leider kann ich mich an so furchtbar wenig erinnern - es ist, als würde mir die meiste Zeit meiner Kindheit und auch das meiste meiner Jugendzeit fehlen.
Liebe Grüße - Oxana

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Beitragvon paine 22 » Di 22. Jul 2008, 12:05

der drang mich zu spüren ist einfach total unerträglich und dieser drang entsteht dadurch, daß ich früher nie beachtet wurde, außer wenn ich böse war ( schlagen) oder krank ( oberflächliches pflegen, alles unter den teppich kehren). ich breche gerade durch..

Oxana
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Beitragvon Oxana » Di 22. Jul 2008, 12:58

:shock: Hi Triangel, wieso können Eltern Kinder nicht erziehen, wenn sie sich keine Zeit für sie nehmen? Das geht vollkommen einfach - Ist man nicht artig, wird herumgeschriehen; in anderen Familien wird vielleicht geschlagen. Bei uns war es das angeschriehen werden.

Nein, es wurde bei uns nicht gekuschelt, nicht gespielt, es wurde auch nicht unterhalten; jedenfalls nicht so, was man unter einer Unterhaltung verstehen würde. Nicht ohne Grund spreche ich kaum. Meine Mutter trank ganz schlimm und mein Vater hatte dadurch natürlich keine gute Laune - kann ich verstehen.

Ja, wir sind auch Eis essen gegangen, hatten einen schönen Garten und sind auch sonst an Wochenenden immer unterwegs gewesen. Weihnachten war bei uns sogar immer sehr, sehr schön. Aber da fehlt eben eine große Kleinigkeit - das Interesse an uns, Liebe, Hilfe wenn wir Probleme hatten - eigentlich all das, was Du aufgezählt hast.

Tja, bei der SV denke ich auch, dass es damit zu tun haben könnte, dass wenn mein Bruder und ich uns wirklich verletzt haben und bluteten, dann waren unsere Eltern für uns da und haben sich um uns lieb gekümmert.
Liebe Grüße - Oxana

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Beitragvon Oxana » Di 22. Jul 2008, 15:42

Hi Triangel, damals gab es noch keine Hilfen. Später, als es Selbsthilfegruppen gab, haben meine Eltern daran teil genommen und nach einigen Jahren wurde meine Mutter endlich trocken. Da war ich dann aber schon erwachsen.
Liebe Grüße - Oxana

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Beitragvon Oxana » Di 22. Jul 2008, 16:20

Hi Triangel, ich habe 10 Jahre an solch Gruppen teil genommen. Naja, vielleicht waren es keine Gruppen für Mitbetroffene oder Ko´s Und so lange keine Therapeuten oder ähnliches dabei sind, kann ich den Sinn leider nicht mehr erkennen - Nur betroffe, das kann leider auch daneben gehen. :???:

Um das zu erklären müßte ich aber vielleicht weiter ausholen.

Meine Mutter starb vor ~15 Jahren :cry: Die beiden hätten noch so eine schöne Zeit haben können.

Lach, einfach mit dem schneiden aufhören, wenn das so einfach wäre. Allerdings schneide ich mich schon länger nicht mehr; ich kann aber Wunden nicht heilen lassen und knibble sie Tag für Tag wieder auf. Ist an den Armen nix zu finden, fange ich an den Fingern an :cry:
Liebe Grüße - Oxana

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Beitragvon paine 22 » Di 22. Jul 2008, 20:38

ich hatte auch ähnliche probleme mit meinen e***tern. ich habe erlebt, wie sie sich haben gehen lassen in ihrer sucht. die frage war eigentlich immer : ,, wo bleibe ich?`` es gibt in der frage sucht kein warum.

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Beitragvon paine 22 » Mi 23. Jul 2008, 00:39

nicht einfach. ich arbeite gerade massiv auf.

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Beitragvon paine 22 » Mi 23. Jul 2008, 23:10

dann erkundige dich einmal im internet meine liebe. wie geht es dir eigentlich?

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Beitragvon paine 22 » Do 24. Jul 2008, 09:01

erzähle mir mehr darüber..

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Beitragvon paine 22 » Do 24. Jul 2008, 18:49

mir geht es auch nicht so gut. habe aber keine mps,sondern nach wie vor die diagnose ptbs komplexer ausprägung. nun, warum klinik. wahn,nicht unbekannt.


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