Verhasste Borderliner... (?)

Vigilantia
Beiträge: 11
Registriert: Mo 16. Aug 2004, 18:20
Wohnort: Thüringen

Verhasste Borderliner... (?)

Beitragvon Vigilantia » Do 19. Aug 2004, 21:49

Hallo,
ich selbst wurde mit der Diagnose "emotional-instabile Persönlichkeitsstörungen" versehen. Ich schreibe dies hierher, weil ich schon des Öfteren gehört habe, dass die Borderline-Patienten ein ziemliches Steckenpferd für die Psychiater sein sollen...

Das sind meine Erfahrungen:
In meiner ersten Klinik, also dort, wo man die Diagnose stellte, kam ich mir zum Ende der Behandlung so manches Mal richtig niederträchtig vor, dachte aber, das gehöre alles fein zur Therapie.
In meinem zweiten Klinikaufenthalt machte ich Beobachtungen: zuerst ging man normal mit mir um, später forderte man die Epikrise von der 1. Klinik an, und kaum war sie da, bekam ich wieder die Rechnung.
Ich wurde richtig herablassend behandelt, provoziert bis zum Gehtnichtmehr, und ob man mir das nun glaubt oder nicht: therapiert wurde ich nicht von meiner Ärztin. Diese wichtigen, seltenen Einzelgespräche (einmal die Woche) wurden damit ausgefüllt, weshalb ich mich z.B. nicht im Restaurant über mein Essen beschweren könne... Das, worüber ich wirklich sprechen wollte und auch endlich einmal musste, wurde beiseite geschoben.
Ja, man kann das nun freilich als Tiefenpsychologie oder wer weiß was bezeichnen, aber so war es wirklich nicht. Das Einzige, was für mich sinnvoll erschien waren die Gruppenstunden mit der Psychologin.

Nach solchen Einzelgesprächen hatte ich fast jedes Mal einen Nervenzusammenbruch, weil ich wieder so fertig gemacht wurde. Oft bekam ich zu hören: "Die Weißkittel haben Probleme mit dir, weil du ihnen nicht ins Schema passt!"
Schema heißt: der Arzt hat immer recht. Williger, ahnungsloser Patient, der nie wiederspricht und null medizinische / Psychiatrische / pharmazeutische Kenntnisse hat. Die habe ich, leider.
Ich habe sonst in wirklich nichts, absolut nichts Talent, aber wenn ich eins kann, dann ist es, gescheit zu artikulieren, mich (mündlich) auszudrücken. Dagegen ist sie vielleicht nicht an gekommen.

Ich bin froh, dass ich jetzt einen ambulanten Therapeuten gefunden habe, mit dem ich sehr gut klar komme und der auch keine Probleme damit hat, mal nach vermeintlichen Tabuthemen zu fragen.

Übrigens: offiziell weiß ich die Diagnose bis heute noch nicht. In den Kliniken wollte keiner damit rausrücken - die wussten schon warum. Aber natürlich habe ich die Entlassungsberichte nicht ungeöffnet gelassen :twisted:


Liebe Grüße, Vigi
Manchmal sind die wirklich Irren
...da draußen!

Vigilantia
Beiträge: 11
Registriert: Mo 16. Aug 2004, 18:20
Wohnort: Thüringen

Beitragvon Vigilantia » Mo 30. Aug 2004, 16:44

Huhu lieber Leonardo!
Danke für deine Antwort.
Nee nee, ich habe lange genug darüber nachgedacht, ich bin eigentlich schon immer fähig gewesen, die Dinge auch objektiv zu betrachten... Klar kommen erst die eigenen Gefühle und Gedanken, aber ich kann diese in wichtigen Dingen bei meinen Überlegungen auch weglassen. Zumal auch Mitpatienten teilweise frappiert waren über die Art, wie man mich "therapiert" hat.

Hmm, ich habe schon genug Erfahrungen mit Therapeuten... hm, ja, ich war nach jedem Gespräch mit jedem Therapeuten hinterher total fertig, am Boden zerstört... aber auf eine ganz andere Art und Weise, wirklich.
Selbsterkenntnisse zum Beispiel waren mit meiner Klink-Ärztin gar nicht drin, da sowas wie gesagt nicht Grundlage der Therapie war. Was ich erzählte, wurde ignoriert, sie hat es sich zwar angehört, fing dann aber gleich wieder mit "ihren" Themen an.

Okay, damit belasse ich es in diesem Posting erstmal, würde gern noch mehr schreiben aber bin gerade total verpeilt.

Liebe Grüße, Vigilantia
Manchmal sind die wirklich Irren
...da draußen!

lyafe.
Beiträge: 2
Registriert: Sa 21. Aug 2004, 00:10

Beitragvon lyafe. » Di 31. Aug 2004, 17:51

Ich kann nur sagen, das ich es ähnlich erlebt habe. Aber ich denke es muss nicht unbedingt an der Diagnose "Borderline Syndrom" liegen, sondern kann alle anderen Krankheiten und Störungen treffen. Wenn ein Psychiater ode ein Psychologe sich auf soetwas einlässt oder mit Menschen so schlecht umgeht, dann hätten sie sich eine andere Berufung auswählen sollen. Wie gesagt ich kann es nachempfinden.

Ich hatte das Problem oder sagen wir mal so ich habe es immer noch, das ich mich nicht ernstgenommen fühle, das ich gedemütigt, erniedrigt und systematisch zerstört werde. Das mag vielleicht einwenig paradox klingen, aber ich erlebe es so und das nicht in meiner Fantasie. Meine Betreuerin, war dabei und war recht geschockt wie mein Psychiater mit mir geredet hat. Kein Satz hat er mich ausreden lassen, keine Worte sind in seinen Kopf gedrungen. Er war hart und kalt zu mir. Ich wollte ihn nur sagen, oder ihn in die Richtung lenken, das er mich ernster nehmen soll und das mein Schmerz tiefer sitzt als er glaubt. Nun er sagte dann gleich ich hätte frei Arztwahl und soweiter. Ich kam mir wertloser vor als sonst. Er hat so reagiert wie alle anderen Menschen in meinen Umfeld, abschieben wenn es problematisch wird - bloss keine Probleme in Angriff nehmen. Er hat mich fallen gelassen, als ich dringend Hilfe brauchte. Er hat mir Dinge vorgehalten, die er letztes Jahr in einer Tagesklinik für gut befand. Wirft mir vor das es immer einen Schritt vor und zwei zurück geht. Das ist nicht selten, bei Menschen oder? Ich meine wie kann er es mir vorwerfen? Er sollte mir helfen die Schritte vor zu gehen und mich nicht dann fallen lassen, wenn es schwierig wird. Nein stattdessen kontrolliert er meine Aussagen, dabei habe ich keinen Grund oder Anlass was falsches zu sagen. Nun bin ich am Ende, und das nur weil er mein misstrauen in die Menschen wieder verstärkt hat. Dabei kann ich so schon niemanden trauen. Mehr kann ich erst mal nicht sagen, das steckt mir zu sehr in den Knochen

Vigilantia
Beiträge: 11
Registriert: Mo 16. Aug 2004, 18:20
Wohnort: Thüringen

Beitragvon Vigilantia » Mi 1. Sep 2004, 23:01

Hallo lyafe.!

Ja, es ist absolut hart und nicht nachvollziehbar, dass einen die Psychiater und Therapeuten noch mehr runterziehen können und das Vertrauen in die Menschheit eher herabsetzen als aufbauen.

Man glaubt, Therapeuten seien die einzigen Menschen, die einem noch helfen können... und wir brauchen Hilfe, sehen keinen Ausweg und stürzen uns mit aller Kraft in die Hoffnung, dass uns mit fachlicher Unterstützung geholfen wird. Und dann muss man erfahren, dass es auch so nicht läuft...
Ich hatte das Problem oder sagen wir mal so ich habe es immer noch, das ich mich nicht ernstgenommen fühle, das ich gedemütigt, erniedrigt und systematisch zerstört werde. Das mag vielleicht einwenig paradox klingen, aber ich erlebe es so und das nicht in meiner Fantasie.

Er hat mich fallen gelassen, als ich dringend Hilfe brauchte. Er hat mir Dinge vorgehalten, ...

Wirft mir vor das es immer einen Schritt vor und zwei zurück geht. Das ist nicht selten, bei Menschen oder? Ich meine wie kann er es mir vorwerfen? Er sollte mir helfen die Schritte vor zu gehen und mich nicht dann fallen lassen, wenn es schwierig wird. Nein stattdessen kontrolliert er meine Aussagen, dabei habe ich keinen Grund oder Anlass was falsches zu sagen.
Ganz genau so habe ich es auch erlebt bzw. so sind auch meine Gedanken. Ist schon hammerhart, oder?

Ich möchte an dieser Stelle jedoch deutlich erwähnen, dass ich nicht alle Therapeuten und Psychiater so verurteile. Und weiß, dass es auch nur Menschen sind. Wie du aber schon sagst - es gibt sicher einige, welche ihre Berufung schlichtweg verfehlt haben oder einfach ganz unmögliche Arten der Therapie vorziehen.

Mit diesem Gedanken versuche ich mich gerade anzufreunden - wir sind es nicht wert, so behandelt zu werden, wenn es auch anders (besser) geht.

Ganz liebe Grüße,
Vigi
Manchmal sind die wirklich Irren
...da draußen!

elke
Beiträge: 22
Registriert: Do 23. Jun 2005, 21:44
Wohnort: Heidelberg

Beitragvon elke » Di 28. Jun 2005, 17:34

Hallo,

mein Beitrag möchte ich hier in Form eines Interviews niederschreiben über den ich zufällig vor einigen Tagen im Internet gestolpert bin.
,,,und Borderline ist mittlereweile zu einer wirklich stigmatisierenden Diagnose geworden, weniger in der Öffentlichkeit als in den Kliniken!
...da schlagen die Beschäftigten die Hände über dem Kopf zusammen, wenn jemand mit dieser Diagnose kommt. In machen Fachbüchern wird schon von einem Borderline-Gefühl gesprochen-was bei genaurem Hinschauen nichts anderes ist als eine gefühlsmäßige Ablehnung der Patienten
noch etwas was ich in einem Buch gelesen hab:
Sie können jemand mit einer Persönlichkeitsstörung daran erkennen, dass Sie sie hassen werden.
Sowas ist wirklich aufbauend, was?

Elke

medina
Beiträge: 180
Registriert: Mo 24. Okt 2005, 15:49
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Beitragvon medina » So 30. Okt 2005, 20:57

Hallo,

also ich muß schon sagen...

ich war vor 12 jahren (mit23) bei einer therapeutin, die sich im klaren war das ich borderliner bin.
eines tages schimpfte sie mit mir: "also, sie müssen schon ehrlich zu mir sein. so kommen wir nicht weiter. heute sagen sie so- morgen sagen sie so !!"

Ich fühlte mich wie mit füssen getreten und erklärte ihr, dass ich ja schließlich eben deswegen bei ihr säße. das ich ja schließlich so ca. fünf leute wäre, mit unterschiedlichen ansichten. was ich heute super finde, wehre ich morgen vehement ab.

Ja, aber das ginge so nicht, man müssen schon wissen was man wollte.

das war dann auch mein letzter besuch bei ihr.

jetzt hab ich eine neue therapie bei einem diplompsychologen begonnen und ihm nichts vom BPS erzählt. ich glaube an diese diagnose nicht wirklich. ich habe irgendwie ein beziehungsproblem oder so. ich fange vieles an und bringe nichts zu ende. kann mich weder lange an einen partner noch an eine arbeitsstelle binden. finde mich heute toll und morgen scheiße. heute ist mein leben mir zu langweilig- morgen ist mir alles zu viel. ich hab einfach ien riesen chaos in mir. wenn ich in stress gerate geht garnichts mehr. dann ist mir alles zu viel- zum beispiel atmen und so. ich kratze mir die haut auf (mückenstiche,nagelhäute- nicht ritzen!!) oder kaue an den nägeln.

ob ein diplompsychologe auch eine diagnose stellt, würde mich interessieren. und wenn ja, wird er mir die kundtun oder muß ich ihn danach fragen. ich glaube mein thera lachtmich aus, wenn ich sage ich will ne diagnose. ab wann kann er diese denn überhaupt stellen. ich war jetzt 20 mal da und wir haben lange noch nicht über alles gesprochen....

ich wüßte schon endlich gern was mit mir los ist.
jedenfalls werde ich ihm vom BPS nix sagen. man wird ja behandelt als wäre man ein monster.
Man versteht das Leben rückwärts - aber leben muß man es vorwärts !

Fear
Beiträge: 9
Registriert: Sa 12. Nov 2005, 21:03
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Beitragvon Fear » Sa 12. Nov 2005, 21:14

Hallo zusammen!

Ich bin neu hier in diesem Forum und möchte gern etwas zu diesem Thema sagen!
Ich selbst bin emotional instabil bzw. habe eine Borderline Störung. Ich bin auf die unterschiedlichten Reaktionen bei Therapeuten gestoßen. Die meisten waren aber ok. Als ich aber einmal bei einem neuen Therapeuten auf einer Warteliste stand (halbes Jahr) und schließlich ein Platz für mich frei war, fiel die Frage der Diagnose. Als sie Borderline hörten wurde der Platz (das ist tatsächlich wahr) an jemand anders vergeben und ich sollte wieder warten. Von daher denk ich ist schon was dran an diesem verhassten Umgang.
Vigi, was du schreibst kann ich gut verstehen. Provokation ist bis zu einem gewissen Grad zwar ok, aber es sollte ganz gewiss nicht ins Gegenteil umschlagen!

Liebe Grüße

Fear :)
Um einen Albtraum zu erleben muß man nicht schlafen...


Zurück zu „Persönlichkeitsstörung - Psychiatrische Diagnose oder Werturteil?“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast