Aggressionsverhalten bei Borderlinern wegen ANGST?

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Stacheldraht
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Aggressionsverhalten bei Borderlinern wegen ANGST?

Beitragvon Stacheldraht » Do 18. Okt 2007, 12:50

Hi!

Ich denke oft über Angst nach.
Ich glaube, ich wirke von Außen so, als hätte ich nie Angst vor irgendetwas. Ich tu oft Dinge, die zwar nicht gefährlich sind, aber die sich andere vielleicht nicht trauen. Und ich schreie manchmal und kann aggressiv sein. Auch da würde man denken, ich habe keine Angst.
Meine Diagnose ist Borderline.

Aber eigentlich hab ich ganz viel Angst.
Angst, vor meinen nächsten Agressionsausbrüchen, den darauffolgenden Aufenthalten in Psychiatrien, wieder ans Bett geschnallt zu werden, Med zu bekommen, ja einfach dass wer anderer über mich bestimmt. Und ich habe Angst davor, dass mein Leben genauso beschissen weitergeht, dass ich ewig ein Psychiatrie Fall bin, immer abhängig bin usw.
Ich habe Angst, dass meine Erinnerungen an früher mich wieder in Besitz nehmen, dass ich in meinen Gedanken nicht geliebt, dafür geschlagen werde.
Ich mache mir Sorgen, weil ich keine Freunde hab, ich möchte zwar gefallen, aber wenn mir wer zu nahe kommt und es unangenehm wird, erzähle ich immer von div. Dingen zb meinem Fenstersprung vor einem Jahr, dann bin ich denjenigen los :lol:

Manchmal zucke ich komplett aus, ich steuer mich dann nicht mehr selber. Ich geh auf die Menschen um mich los, brülle sie an und zerstöre Gegenstände. Ich habe einen irrsinnigen Druck in mir.
Hat das was mit Angst zu tun??
Nein, oder?
Ich hab keinen Plan. Ich weiß nur, dass ich niemanden an mich ran lassen mag und deshalb oft herschlag. Vielleicht will ich auch stark wirken.
Ich wohne übrigens in betreuten Wohnen.

Ein Mitbewohner von mir zb schlägt am Abend auf Betreuer her, weil er ins Bett geschickt werden möchte. Der Unterschied ist halt, dass er behindert ist und ich normal intelligent. Das ist fast jeden Tag dasselbe, er haut her und fragt, ob er ins Zimmer muss, dann geht er. Ich hab mal gesagt, dass sich da nix ändern wird, wenn er immer das bekommt was er will, der Betreuer meinte dann, ja ihn kann man ja nicht ins Bällchenbad (Absonderung) bringen, er hätte ja dann Angst vor ihnen!!!?
So als hätte ICH keine Angst, wenn ich dort hingebracht werde...

Also, denkt ihr, dass Angst bei Borderlinern (unbewusst) eine große Rolle spielt??

Lg
Stachel

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moni
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Beitragvon moni » Do 18. Okt 2007, 15:48

Hallo Stachel
Also, denkt ihr, dass Angst bei Borderlinern (unbewusst) eine große Rolle spielt??
Mit Borderline kenne ich mich nicht aus. Aber ich denke, dass Angst bei Aggressionen eine grosse Rolle spielt. Und Aggression ist ja für die meisten Borderliner ein Problem.

So wie es bei Hunden den Angstbeisser gibt, gibts den wohl auch bei Menschen. Manche bekämpfen an anderen auch das, was sie bei sich selber nicht aushalten. Etwas in der Art drückt auch deine Signatur aus.

Angst zu zeigen, macht verletzbar - so gibt es gerade im Reich der Pflanzen und Tiere viele Strategien, um grösser, gefährlicher etc. zu wirken, als man eigentlich ist. Der Schmetterling z.B. simuliert auf seinen Flügeln riesige Augen (eines vermeintlich gefährlichen, grossen Tieres), um Angreifer abzuschrecken - und ist doch so zart. Du tust Dinge, die sich andere nicht trauen - und hast doch so viel Angst in dir.

Manchmal lähmt Angst auch, lässt einen erstarren und/oder absolut cool wirken. Dann kann Aggression eine Befreiung aus dieser Lähmung sein.
Dieses "Coole" (das eben im Grunde genommen gar nicht cool im Sinne von überlegen ist) habe ich z.B. früh gelernt, wohl als "Überlebensstrategie" - und ich denke, dass das mit ein Grund dafür ist, dass ich heute noch z.B. auf einer Bergtour ein paar Zentimeter neben einem Abgrund gehen kann, ohne mit der Wimper zu zucken. Hochkonzentriert und mit kein bisschen schnellerem Pulsschlag.

Seit Urzeiten sind Lebewesen bei Gefahr auf Angriff oder Flucht eingerichtet. Nur kann man heute das Leben mittels Urinstinkten nicht mehr bewältigen ... Man kommt nicht drum herum, seine Ängste zu erkennen, zu verstehen und zu kontrollieren. Sich also trotzdem wieder selber steuern zu können.

Deine Ängste, die du hier (und auch in früheren Posts mehr oder weniger direkt) beschreibst, sowie die daraus folgenden Aggressionen gegen dich selber und andere sind mir schon sehr verständlich. Die Frage ist, was du nun damit oder daraus machst. Wirst du denn da, wo du jetzt lebst, auch therapeutisch begleitet?

Liebe Grüsse

moni
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
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Stacheldraht
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Beitragvon Stacheldraht » Do 18. Okt 2007, 17:00

Hi Moni!

Danke für deine Antwort!! :)
Dein Post hilft mir echt weiter.

Nein, ich werde nicht therapeutisch betreut. Gesprächstherapie hab ich abgebrochen, weil es einfach nicht das Passende war. Hatte aus Kostengründen auch nur 2x/Monat, da kann ich keine "Beziehung" aufbauen. Und wie soll man jemanden sonst so Persönliches erzählen?
Ich wohne in einer betreuten Einrichtung mit lauter Minderbegabten und Behinderten. Deshalb kennen sich die Betreuer mit mir auch nicht wirklich aus und ich bin oft in der Psychiatrie.

Mein Leben haben großteils andere verbockt, Hilfe brauch ich mir aber nicht erwarten. Oder nennt man es Hilfe, mich nach dem Schneiden - also der Strategie, ohne die ich nicht hätte überleben können - ans Bett zu binden und mich stundenlang in einen dunklen Raum abzuschieben oder ruhigzustellen? Das kanns auch nicht sein!

Und so lebe ich dahin, mit der Angst vor dem nächsten Rappel.

Lg

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moni
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Beitragvon moni » Do 18. Okt 2007, 18:58

Noch mal hallo Stachel
Oder nennt man es Hilfe, mich nach dem Schneiden - also der Strategie, ohne die ich nicht hätte überleben können - ans Bett zu binden und mich stundenlang in einen dunklen Raum abzuschieben oder ruhigzustellen? Das kanns auch nicht sein!
Nein, da kann auch ich nichts Hilfreiches dran sehen.
Nein, ich werde nicht therapeutisch betreut. Gesprächstherapie hab ich abgebrochen, weil es einfach nicht das Passende war. Hatte aus Kostengründen auch nur 2x/Monat, da kann ich keine "Beziehung" aufbauen. Und wie soll man jemanden sonst so Persönliches erzählen?
Ich wohne in einer betreuten Einrichtung mit lauter Minderbegabten und Behinderten. Deshalb kennen sich die Betreuer mit mir auch nicht wirklich aus und ich bin oft in der Psychiatrie. (...) Und so lebe ich dahin, mit der Angst vor dem nächsten Rappel.
Auch das kanns nicht sein ... warum bist du denn gerade in diese Einrichtung gekommen? Ich weiss ja nun nicht, wie alt du bist, und ich komme auch nicht aus Deutschland und kenne deshalb die dortigen Möglichkeiten nicht - aber es muss doch für dich eine bessere, passendere Lösung geben. Eine andere Art betreutes Wohnen z.B.; wenn du noch sehr jung bist, vielleicht eine entsprechend ausgebildete Grossfamilie; eine auf deine Problematik spezialisierte Station in einer Klinik (nicht Psychiatrie); Tagesklinik o.ä. Auf mich wirkst du hier reflektiert und mehr als "normal" intelligent - das sind Ressourcen, die du für dich und die Arbeit an deinen Problemen nutzen kannst! :) Hast du Ansprechpersonen, mit denen du über solche Dinge reden kannst?

LG moni
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Beitragvon Stacheldraht » Do 18. Okt 2007, 22:47

Hi Moni!

Ich wollte hier noch mal kurz nachschaun und werd dann den Computer abdrehen.

Ich komme aus Österreich :wink:
und bin 18, also erwachsen (auch wenn ich mich selten so fühle)

Es gibt ganz bestimmt passendere Einrichtungen für mich. Die Sozialarbeiter haben mir diese WG gesucht, weil sie meinten, eine andere nimmt mich nicht wegen meinen Aggressionen anderen gegenüber und dem Schneiden :?: (das klingt so, als wäre ich ein Monster, dabei halten sich meine Wutausbrüche wirklich in Grenzen)
Muss aber dazu sagen, dass die Einrichtung hier sich gaaaanz anders vorstellt (im Net/Infoblatt) als sie ist.
Wenn sie so wäre, wie beschrieben, wäre sie wahrscheinlich perfekt.

Das Blöde ist halt, dass ich nicht ständig umziehen will, mich an andere Leute gewöhnen möchte usw. Möchte zwar so bald wie möglich ausziehen, aber dann doch in was nicht bzw ganz wenig Betreutes.

Lg
Stachel

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nicht ich selber sein wollen

Beitragvon paine 22 » Fr 19. Okt 2007, 12:49

ja, also ich bin aus einer großen angst heraus nicht ich selber, weil ich damit viele negative erfahrungen verbinde und dadurch, dass ich nicht ich selber bin; werde ich aggressiv, weil ich angst habe, dass natürlich mich jemand emotional erfassen könnte.

:cry:


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