Narzisstisch-selbstunsicher (Komb. PS)

Kaye
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Narzisstisch-selbstunsicher (Komb. PS)

Beitragvon Kaye » Mi 21. Mär 2007, 17:19

Hallo :-) ,

Hoffe Ihr verbringt alle einen positiven Tag und dass Ihr eventuell auch ein bisschen Sonnenschein habt :-) .

War letztes Jahr während 4 Monaten in einer psychosomatischen Klinik in Deutschland und habe u.a. die Diagnose der narzisstisch-selbstunsicheren K.PS bekommen. Weiss nur nicht ganz was damit gemeint ist und manchmal zieht mich das echt runter da ich nicht weiss wie ich von den Therapeuten gesehen wurde und ich auch echt nicht weiss was mit mir los ist und warum es denn "so" ist :o) .

Bin eine fast 31 Jahre alte Frau und wollte mal fragen ob "weiblicher Narzissmus" (cf. Bärbel Wardetzki) überhaupt als Diagnose gilt. Wenn man einer Frau die Diagnose von Narzissmus gibt, ist es denn automatisch "weiblicher Narzissmus"? Kann mich ziemlich klar da wiedererkennen aber vielleicht sahen die Therapeuten es anders:

Männlicher Narzißmus:
* betont die Grandiösität
* Kampf um Anerkennung und Autonomie
* männliches Rollenbild
* Kompensation der Schwäche durch Grandiosität
* distanziert, vorwiegend unempathisch
* narzißtisches Wir-Gefühl
* Stabilisierung des Selbstwertgefühls durch die Partnerin und ihre Bewunderung
* Identifizierung mit dem Idealbild, das die Partnerin von ihm macht
* sucht Mutterfigur
* offene Aggressivität, Auflehnung und Abwertung
* Verfolgerposition

Weiblicher Narzißmus:
* ist in der Minderwertigkeit, Depression und Hilflosigkeit verwurzelt
* Anerkennung durch Überanpassung
* weibliches Rollenbild
* Kompensation der Schwäche durch Überanpassung, Leistung und Atraktivität
* Aufgehen im anderen, empathisches Mitfühlen bis zur Übernahme fremder Gefühle
* depressiver >GefühlsSumpf< (Nagativität)
* Suche und Entlehnung eines idealisierten Selbst beim Partner und seinen Erfolgen
* Identifikation mit Idealsselbst des Partners; Partner ist idealisiertes Ersatzselbst
* sucht Elternfigur und Halt im Partner, bemuttert den Partner
* passive Form der Aggressivität, häufig in Form von Verweigerung, Trotz und innerer Abwertung
* Opferposition

Quelle:
Weiblicher Narzißmus
- Der Hunger nach Anerkennung -
von Bärbel Wardetzki
ISBN: 3-466-30320-6 (Kösel-Verlag)

Wie soll ich daran arbeiten? Es ist ja schon mal ein Vorteil überhaupt eine Diagnose erstellt zu bekommen und dann müsste man ja auch dem Therapeuten sagen können was andere festgestellt haben um das Tempo zu beschleunigen :o) ... habe auch noch eine Zwangsstörung und möchte echt, dass ich die ganze Therapie beschleunigen kann weil es halt 5 vor 12 ist und ich nicht weiss wie lange ich das Mich-nicht-kennen und wohin und wie ich gehen soll noch aushalten kann.

Vielen herzlichen Dank für jegliche Antwort und noch einen wunderschönen Tag :-) ,

Kaye

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Laura
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Beitragvon Laura » Do 22. Mär 2007, 21:00

Hallo Kaye!

Das Buch von Bärbel Wardetzki steht bei mir noch ungelesen im Regal. Hab ein anderes von ihr gelesen ("Ohrfeige für die Seele").

Mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung kenne ich mich nicht aus, aber mich macht stutzig, dass Du schnelle Erfolge bei der Therapie sehen möchtest. Ich glaube nicht, dass eine Therapie einen völlig neuen Menschen aus einem macht. Ich glaube auch nicht, dass man sich selbst völlig verändern kann. Allerdings besteht der erste Schritt zur Veränderung darin, sich selbst zu akzeptieren. Das ist ein Paradoxon, das meiner Meinung nach Gültigkeit hat. Egal, unter welchem psychiatrischen Etikett man herumläuft oder ob überhaupt, wenn man beständig gegen sich selbst kämpft, verstärkt man nur seinen Teufelskreis. An Deiner Stelle würde ich mich erstmal mit dieser "Macke" akzeptieren und die Zeit für sich sprechen lassen. Vielleicht kann Dich Deine Therapeutin auf gewisse Verhaltensweisen aufmerksam machen, mit denen man unangenehm auffällt und Dich ein wenig "umerziehen". Ansonsten ist Selbstakzeptanz schon die halbe Miete, gerade bei und gerade mit einer psychiatrischen Diagnose.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Kaye
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Liebe Laura :-) ,

Beitragvon Kaye » Fr 23. Mär 2007, 09:42

Vielen herzlichen Dank für Deine Antwort :-) ! Hoffe Dir geht es gut... Dein Sprichwort mag ich auch :-) .

Mit dem was Du sagst, gebe ich Dir auch total recht, dass es ideal wäre wenn man sich selbst akzeptieren könnte. Kann das aber noch nicht und weiss auch nicht ob das je kommen wird weil ich ziemlich hoffnungslos darüber bin. Weiss nicht wie ich mich ändern könnte und wo ich überhaupt anfangen sollte. Hasse mich total.

Wenn ich sage, dass die Zeit mir wegläuft, ist es weil der grösste Teil meiner Zwangsstörung mit Selbstmordgedanken zu tun hat. Es gab einen Satz den wir in der Klinik gefunden hatten, "Ich stelle mich dem Leben mit allem was mich ausmacht", der zwar wirklich positiv war aber ich denke einfach, dass ich total lebensuntüchtig bin. Mit Medikamenten (Trevilor, Seroquel resp. Effexor, Solian) hatte ich in der Klinik angefangen, habe sie mittlerweile aber zweimal wieder abgesetzt weil ich es meistens vergesse sie zu nehmen :o) . Aber sie hatten gewirkt.

Die Zwangsstörung mit den Zwangsgedanken oder Grübeln, die immer Selbstmordgedanken hervorrufen, habe ich jetzt seit 6/7 Jahren jeden Tag und dachte halt die Diagnose würde mir helfen schneller weiterzukommen. Mein neuer Therapeut scheint zwar sehr gut zu sein, aber weiss nicht wie lange ich das Ungewisse, dass noch irgendetwas bei mir Sinn macht, aushalten kann, Es ist jetzt schon recht schwierig. Würde am liebsten den Entlassungsbericht von der Klinik beantragen aber die geben den ja nicht raus :o) .

Vielen Dank, dass ich dies hier schreiben darf... echt schwierig gute und nette Foren mit diesen Themen zu finden.

Alles Liebe und Gute an Laura und alle anderen,

Kaye


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