Unser 1. Klinikaufenthalt

isemum
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Unser 1. Klinikaufenthalt

Beitragvon isemum » Mi 28. Dez 2005, 18:20

Sorry schon mal vorab dafür, dass ich hier so einen "Roman" poste, aber ich weiß nicht wie ich die wichtigsten Fakten noch mehr komprimieren soll. :oops:

Meine Tochter ist mit ziemlicher Sicherheit Borderlinerin, wir haben aber keine Diagnose. Sie ist nun 17 Jahre & es begleitet uns schon irgendwie ihr ganzes Leben, aber vor ca. 4 Jahren begann es richtig schlimm zu werden. In den akuten Phasen schneidet sie sich sehr heftig. Bei ihr ist das nicht nur ein bisschen herumritzen & sich pubertär dickköpfig verhalten um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Narben, mit denen ihre Arme & Beine übersät sind, sind z. T. fingerbreit, das hätte alles genäht werden müssen, aber bisher war das für sie kein Thema, sie hat bislang jegliche Hilfsangebote ausgeschlagen. Vor ein paar Wochen hat sie nun das 1. Mal um fachliche Hilfe gebeten & sie möchte, um den schlimmsten Druck los zu werden, für ein paar Wochen in eine Klinik gehen, aber wer glaubt, dass das so einfach & schnell geht, der ist genauso naiv wie wir das waren.

Wir wandten uns an die Ambulanz der hiesigen Jugendpsychiatrie, aber ehe die Mühlen beginnen zu malen, verging die Zeit. Nach 5 Wochen hatten wir einen Termin in der Klinik & man empfand nun dort die Situation doch als sehr akut & wollte sie recht schnell aufnehmen. Der Haken an der Sache ist aber der, dass der Aufenthalt unter für uns furchtbaren Zuständen stattfinden soll & wir uns von der Klinik unter Druck gesetzt fühlen im Sinne von: „Jetzt oder scheinbar habt ihr keinen wirklichen Bedarf.“
Ich kenne meine Tochter genau, die Bedingungen wird sie nicht aushalten & ich habe in meiner derzeitigen Verfassung nicht die Kraft, sie zu motivieren um durchzuhalten.
Sie wollte für ca. 4 Wochen in eine Klinik um den schlimmsten Druck los zu werden & einen Einstieg in eine Therapie zu bekommen, aber das ist so in dieser Klinik nicht möglich, die stationäre Unterbringung dauert mind. ½ - 1 Jahr, darunter wird nicht angefangen. Wenn sie nur 4 Wochen bleiben will, zählt das als Therapieabbruch, auch wenn das von unserer Seite her von vornherein so klar gestellt wurde, außerdem würde sie in so kurzer Zeit nichts erreichen.
Am liebsten hätte ich ganze Sache abgeblasen, aber Therapieplätze sind rar & ihr geht es eben so schlecht, dass sie unbedingt einen Klinikaufenthalt will & ich hab ihr meine volle Unterstützung bei ihrer Entscheidung zugesichert. Ich hatte kein gutes Gefühl bei der Sache, empfand den Druck seitens der Klinik als unerträglich.

Eine andere Klinik, ca. 1-1 ½ Autostunden von uns entfernt, die Aufenthalte von ca. 6 Wochen macht, wurde ihr von der Ambulanzärztin empfohlen, jedoch bekommen wir für diese Klinik keine Überweisung, da es ein anderer Landkreis ist, zudem ist die Klinik gnadenlos überfüllt, & zuerst werden die Leute aus dem eigenen Einzugsgebiet berücksichtig, wir würden frühestens Mitte Januar einen Termin für ein ambulantes Vorgespräch bekommen, daran schließt sich dann eine mehrwöchige Wartezeit für einen Klinikplatz an. Sie soll die Therapie in der hiesigen Klinik antreten.

Sie wurde am 20. Dez. aufgenommen, mit einer Sonderbesuchsregelung für Weihnachten, ansonsten gilt eine 2wöchige Kontaktsperre. Bislang sind unsere Infos so, dass sie komplett weggesperrt wird, 1x in der Woche zu vorgeschriebenen Zeiten für 10 min mit uns telefonieren darf, sonntags ist Besuchstag, die Zeit & die Dauer wird von der Klinik individuell festgelegt, nach 4 Wochen darf sie vllt. das 1. Mal übers WE nach Hause, bei „guter Führung“ darf sie dann jedes 2. WE heim, Ausgang wird von der Klinik festgelegt & beginnt mit 15 min. „Gassi gehen“ mit einem Betreuer. Während dieser Ausgänge dürfte sie dann ihr Handy haben. Und das Ganze mitten in der Stadt wo ihre Freunde leben & ihre Schule ist, weggesperrt wie ein Verbrecher.
Am 24. Dez. durfte ich sie nachmittags abholen, sie hat stundenlang ununterbrochen nur geredet, die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. Es hat in diesen 4 Tagen nicht eine Therapiestunde stattgefunden! Der Druck der durch die Betreuer auf sie ausgeübt wird muss immens sein, sie hat sich dort jeden Tag geschnitten & dann verständlicher Weise Angst vor der Entdeckung, was den Druck schon wieder erhöht. Sie konnte ihre Wunden nicht versorgen, da sie ja kein Verbandzeug mitgenommen hatte, wozu auch, sie hatte sich von dem Aufenthalt dort Hilfe erhofft. Sie sagt, dass sich alle Mädchen auf der Station schneiden & ihre Verbände „offen zur Schau tragen“, es wird nur nicht darüber geredet. Das übt einen unglaublichen Druck auf sie aus & erhöht den Drang sich schneiden zu müssen. Überhaupt schweigen die anderen Mädchen & dösen desinteressiert vor sich hin, niemand redet, es ist durch die Weihnachtsferien keiner ihrer zugeteilten Betreuer da, die Stationsärztin & der Psychologe haben Urlaub.

Man hat ihr auf der Station ihren Damenrasierer, die Hautschere, eine Bastelschere & ihren Stielkamm abgenommen. Die Sachen wurden mir dann beim Abholen mit großem Tamtam übergeben, diese Maßnahme kann ich nachvollziehen, das ist notwendig, doch sie hat, so wie alle Mädchen da, irgendwo ihre Rasierklingen versteckt mit denen sie sich schneidet. Sie benutzt keine stumpfen Bastelscheren oder Sielkämme. Offenbar fragt sich das Personal nicht, woher die Mädels die neuen Schnitte haben. Ich begreife das alles nicht.

Warum haben die solch einen Druck gemacht dass sie unbedingt gleich in die Klinik geht, man konnte nicht bis nach den Weihnachtsferien warten. Gut, meine Tochter wollte auch nicht warten, hoffte auf intensive Therapiestunden, die sie in einer ambulanten Therapie nicht haben kann & nun passiert rein gar nichts. Ich halte die Bedingungen & Regeln auf den Stationen für Besuche, Heimurlaube & Ausgang für reine Willkür, die dogmatisch festgelegt & überwacht sind. Sie sind weder im Interesse der Patienten festgelegt, noch werden sie individuell an die Situation des jeweiligen Patienten angepasst. Jemanden, der freiwillig um die stationäre Aufnahme bittet, um intensiv zu arbeiten weil eine ambulante Therapie mit 1 Std. pro Woche nicht ausreichend genug ist, um zu lernen den Druck zu ertragen um sich eben nicht schneiden oder dann ersatzweise kiffen oder zu viel Alkohol trinken zu müssen, 2 Wochen lang auf einer Station zu isolieren, ohne dass auch nur eine einzige Therapiestunde stattfindet, muss zwangsläufig einen solch immensen Druck aufbauen, von dem er sich nur wiederum mit seinem bisher erlernten Verhalten, dem Schneiden, befreien kann.
Dass diese Isolation von der Familie & den Freunden & die Langeweile & das Schweigen auf der Station einen unglaublichen Druck ausüben, den es daheim im gewohnten Umfeld gar nicht gibt, ist scheinbar für jeden normalen Menschen nachvollziehbar, außer für die Ärzte & das Personal der Klinik, nein, dieses Vorgehen soll sogar noch im Interesse des Patienten sein.

Die Klinik hat auch eine SHG für Eltern, die von Vertretern der verschiedenen Stationen & der Ambulanz unterstützt wird. Ich glaube aber nicht, dass das die richtige Anlaufstelle in der Anfangszeit für mich ist. Wenn da nur Eltern wären vllt., aber durch die Vertreter der Stationen hat es nicht viel Sinn, da fiele ich ja gleich als Querulantin auf, eine Mutter, die die Arbeit der Station nicht unterstützt & damit liefe ich Gefahr, die Bedingungen für meine Tochter noch mehr zu verschlechtern, weil sie von meinem schlechten Einfluss fernhalten werden muss. Ich traue denen doch nicht weiter als ich sie sehe & selbst da traue ich ihnen nicht. Solange man mich nicht von der Notwendigkeit der Einschränkungen überzeugen kann, die Luise & all die anderen jungen Menschen da auf den Stationen, ertragen müssen, werde ich nicht aktiv mitarbeiten können. Bisher hat noch niemand mit uns Eltern wirklich geredet, der 1. Termin für uns ist 2 Wochen nach Aufnahme, am 3. Jan. da bekommen wir dann wohl die Bedingungen, die für meine Tochter festgelegt werden, mitgeteilt. Nur frage ich mich, auf welcher Grundlage man diese Bedingungen festlegen will, wenn überhaupt keine Gespräche mit ihr stattfinden.

Sheila
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Beitragvon Sheila » Mi 28. Dez 2005, 19:07

Hallo,

Es ist doch schon mal positiv dass ihr eine Therapie angefangen habt auch wenn (noch) nicht mit den gewünschten Erfolg. Was ich nicht ganz verstehe: Du erzählst vom stationären Klinikaufenhalt deiner Tochter; Hat man dort denn bisher keine Diagnose gestellt? Das Ritzen bzw. autoagressives Verhalten muss nicht zwangsläufig ein Indiz für Borderline sein, . Es kann auch eine Kompensation für Stress sein. Bei BSL gibt es die sogenannten Negativsymptome die als Hauptkriterien für dieses Leiden gelten auch geht meist ein Trauma vorraus z.B. sexueller Missbrauch.

Ich selbst habe mir früher des öfteren meine Arme aufgeritzt. Irgendwie verlor sich dieses Verhalten als ich erwachsen wurde von selbst denn dann ist die Scham dass man die Narben auf den Arm sehen könnte grösser statt desen fand ich andere Wege mir physischen Schaden zu zu fügen. Bin noch heute zum Teil autoagressiv nur habe ich es grösstenteils durch eine andere agressive Verhaltensweise ersetzt: Tassen an die Wand schmeißen :???:

Habe einen Link zum Borderline-Selbsttest:

http://www.borderline-plattform.de/html/test.html

ansonsten google mal nach BSL. Da dürftest du genug Infos darüber erhalten.

LG

Sheila
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isemum
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Beitragvon isemum » Mi 28. Dez 2005, 21:17

Danke Sheila für deine Antwort.
Nein, in der Klinik hat man noch keine Diagnose gestellt, die behandelde Ärztin hat mit meiner Tochter nur beim Aufnahmegespräch ein paar Worte gewechselt, ansonsten hat noch kein Gespräch mit ihr stattgefunden. Die einzige Aussage, die ich bisher erhalten habe war die der Ambulanzärztin nach dem 1. Gespräch: "Ja, es geht wohl in Richtung Borderline"

Über Borderline habe ich mich in den letzten 2 Jahren viel belesen.
Die ersten Infos habe ich mir im Netzt zusammen gesucht, dann habe ich verschiedene Büchergelesen.
Dass SVV nicht automatsch Borderline heißt, ist mir bewusst. Mir ist es ja auch egal, wie die Sache heißt, die sie an einem normalen Leben hindert, wenn ihr nur geholfen werden kann. Die Ärzte & Psychologen haben es ja nicht so gern, wenn man schon mit einer "Eigendiagnose" aufkreuzt, nur irgendwo muss man doch mal ansetzen.

Im Laufe der Zeit hat sich meine Tochter auch sehr verändert, ist ja auch klar, mit 13 reagiert man noch ganz anders als mit fast 18, wenn man bereits in der Lage ist, sich intensiver mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen.

isemum
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Beitragvon isemum » Mi 28. Dez 2005, 22:02

Hallo Dussel,
:shock: Da hab ich ein richtig schlechtes Gewissen dich so zu nennen, aber das ist ja nunmal dein Nick. :sad:

Das mit den anderen Mädchen auf der Station erschreckt mich eben auch so sehr. Wir befürchten, dass die mit irgendwelchem Beruhigungsmittelchen vollgepumpt sind & deshalb so leicht apathisch wirken oder aber sie haben wirklich alle solch große Probleme mit ihrem Sozialverhalten & sind so unkommunikativ.

Eins der Mädchen hatte innerhalb der ersten 4 Tage, in denen meine Tochter da war Ausgang & kam mit einer zerschnittenen Wange zurück. Sie wusste genau, dass ihr nun der Ausgang gestrichen wird, aber das hat sie trotzdem nicht vom Schneiden abgehalten. Im Mittelalter hat man Dieben eine Hand oder ein Ohr abgehauen als Strafe, das hat aber die Menschen nicht vom Stehlen abgehalten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man es schafft mit dem Schneiden aufzuhören, um nicht mehr da hin zu müssen.

Für mich ist jetzt das Schlimmste, dass ich keinen Ansprechpartner in der Klinik habe & überhaupt sind diese 2 Wochen Kontaksperre total schlimm. Wenn meine Tochter denen dort nicht sagen kann dass sie sich da tgl. schneidet, wie soll das ganze überhaupt funktionieren? Sie leidet unter der Hilflosigkeit mit der sie den Betreuern ausgeliefert ist & ich empfinde das genauso. Sollte nicht eigentlich angestrebt werden ein Vertrauensverhältnis zwischen den Betreuern & den Patienten herzustellen, gerade in den ersten Tagen?

Das mit dem Behandlungsplan muss ich unbedingt ansprechen, auch nach der Ausbildung der Pflegekräfte zu fragen & sich mit der KK in Verbindung zu setzten sind gute Tipps, danke dafür.

Ja, ich denke auch, dass die Jugensstation gar nicht so der richtige Ort für sie ist. Sie ist in ihrem Denken recht erwachsen, hat fast ausnahmslos einen Freundeskreis, der aus Leuten um die 20 besteht, nur wenige ihrer Freunde sind in ihrem Alter & hätte sie ihre Entscheidung nur ein ein paar Monate später getroffen, wäre sie in der Erwachsenenpsychiatrie.

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Do 29. Dez 2005, 00:24

Hallo isemum,

es ist schon richtig, daß deine Tochter in der Jugendpsychiatrie ist, ich halte die Erwachsenenpsychiatrie nicht für eine geeignete Alternative. Leider sind viele Kinder- und Jugendpsychiatrieen die reinsten Katastrophen - weiß ich, weil mein Sohn und damit auch wir verschiedene kennengelernt haben. Kontaktsperre ist üblich. Dazu mußt du wissen, daß man in deutschen Kinder- und Jugendpsychiatrieen häufig davon ausgeht, daß die Familien die Ursache für psychische Krankheiten der Kinder sind. Logischerweise erwartet man dann, daß sich alles bessert, wenn man den Kontakt unterbricht. Der nächste Schritt ist dann, daß man den Kindern und Jugendlichen erzählt, sie können nur gesund werden, wenn sie in eine Wohngruppe ziehen. Wenn die Eltern bei kleineren Kindern dem nicht zustimmen wollen, wird mit Sorgerechtsentzug gedroht. Wenn dann wie bei uns alles nur noch schlimmer wird und sich die Hoffnung, daß die Trennung von der Familie die Lösung ist nicht bestätigt, wird der Familie dann ein schwerst krankes "austherapiertes" Kind wieder zurückgegeben.

In der Erwachsenenpsychiatrie geht ein junger Mensch von 18 - 25 Jahren total unter. Weiß ich, weil mein Sohn und damit auch wir auch dies mitgemacht haben.

Es soll aber auch bessere Jugendpsychiatrieen geben. Mir genannt wurde öfter die Jugenpsychiatrie in Ulm, ich kenne sie aber nicht persönlich. Ich würde die Tochter sofort aus dieser Anstalt rausholen, allerdings vorher mich nach einer geeigneten Alternative umschauen, denn sie braucht ja unbedingt Hilfe. In den Hilfeprozess muß bei einem jungen Menschen die Familie eng miteinbezogen werden.

Gruß, Helene
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Beitragvon Jonas » Fr 30. Dez 2005, 06:12

Ein Zwang ist selbstverletzendes Verhalten in der Regel nicht. Es ist eine Methode, unerträgliche innere Spannungen abzubauen, und sie funktioniert auch, wenn auch nicht auf Dauer. Es entspricht zwar nicht gerade den Anstandsregeln unserer Gesellschaft, mit zerschnippelten Armen herumzulaufen, ist unter dem Strich aber harmloser als die meisten Psychopharmaka.

Ziel einer Therapie sollte es sein, andere Wege zu finden, mit dieser extremen inneren Anspannung umzugehen, und diese Anspannung selber langfristig etwas abzubauen, damit sie einen nicht mehr Tag für Tag quält.
http://www.eigener-planet.de/

isemum
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Beitragvon isemum » Fr 30. Dez 2005, 19:09

Danke Jonas, da hast du mir aus der Seele gesprochen. Genau das ist es was meine Tochter sich von einer Therapie erhofft & ich empfinde das auch so. Nur habe ich den Eindruck, dass die Leute in der Klinik das irgendwie anders sehen.
Heute hab ich die Stationsärztin angerufen & um mich nach dem Stand der Dinge zu erkunden.
Nun, wenigstens sagt sie nicht mehr meiner Tochter würde es gut gehen, das hätte ich ihr ohnehin nicht geglaubt & nachgehakt.
Sie meinte nur, dass meine Tochter zu viel fordere, dass ihr alles entschieden zu langsam ginge. Ich habe daraufhin gesagt, dass es MIR auch zu langsam geht, denn es passiert ja rein gar nichts. Das hat sie abgestritten & dann meinte sie, schließlich seien Weihnachtsferien & da habe man eben nur eine Notversorgung. Darauf entgegnete ich, dass doch in diesem Falle, wo man das ja vorher weiß, die Weihnachtsferien doch wohl nicht der geeignete Zeitpunkt sind, um eine stationäre Therapie zu beginnen. Da wirkte sie etwas beleidigt & meinte nur, dass meine Tochter doch schließlich unbedingt vor Weihnachten in die Klinik wollte & sie seien uns da sehr entgegengekommen, dass sie eine Platz auf ihrer Station zur Verfügung gestellt habe wo sie doch eigentlich auf die andere Station sollte.
Kein Wort zu den Bemerkungen der Ambulanzärztin & des Psychologen der anderen Station: „Ach wegen Weihnachten ist es nun doch nicht so dringend? Das wundert mich nun schon!“

Ich habe ihr dann wieder erzählt, was ich jedem Arzt dort, auch ihr schon, gesagt habe, nämlich, dass meine Tochter sich ganz bewusst für eine stationären Aufenthalt entschieden hat, weil eine Therapiestunde pro Woche in ihrer derzeitigen akuten Situation zu wenig sind.
Da fragte sie mich, was meine Tochter sich denn so vorstellen würde, ob sie denn glaube, dass sie 5 Therapiestunden am Tag bekäme? Schließlich sei man ja nicht nur für sie da & die anderen Mädchen seien zudem viel schwerer krank & bekämen starke Medikamente. Außerdem würde sie sich ja so zurückziehen & nicht mitmachen & sie habe sich auch geschnitten.
Ich habe gefragt, ob sie inzwischen mit ihr gearbeitet hat, aber das hat sie verneint. Sie habe meine Tochter untersucht, was immer das heißt.
Meine Tochter würde 3 Termine pro Woche haben, einen mit der Ärztin & dann jeweils einen mit den 2 Betreuern. Der 1. Betreuertermin war heut Nachmittag, der Arzttermin wird am Montag sein.
Meine Tochter hat wohl auch gesagt, dass sie unter den derzeitigen Bedingungen nicht bleiben möchte & die Ärztin hat mir auch schon nahe gelegt, mich nach einer andern Klinik umzuschauen. Meine Tochter ist offensichtlich zu unbequem.
So eine Dreistigkeit aber auch, sich hier Therapiestunden einzufordern, na wo kommen wir denn da hin? Wo man sie in solch unendlicher Güte doch aufgenommen hat & dann will sie sich nicht mit einem stupiden Grinsen im Gesicht fügen, ja eine Dreistigkeit ohnegleichen.
Sorry, ich weiß, das war jetzt nicht konstruktiv, aber ich bin so wütend. Da hat sie sich nun endlich entschieden eine Therapie zu machen & dann geht das ganze so nach hinten los.
Am 3. Jan. haben wir den Elterntermin, da werde ich sehen wie es weiter geht.

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Beitragvon Psi » So 1. Jan 2006, 19:35

Hallo,

wenn ich sowas schon wieder lese....ich könnte echt platzen!!!

Sowas kanns doch gar nicht geben, da möchte ein junges Mädchen ( was wohl bemerkt nicht sehr viel jünger ist als ich... bin 20 ) freiwillig die Hilfe anderer annehmen und bekommt diese dann einfach nicht! Ich kann sowas einfach nicht verstehen.

Ich denke es ist schon der erste Schritt zur Besserung getan, nämlich der, dass deine Tochter freiwillig um Hilfe gebeten hat. Schlimmer ist es, wenn ein Mensch uneinsichtig ist. Ich denke sie ist auf dem richtigen Weg. Sie spürt, dass sie es ohne fremde Hilfe nicht schafft und so schlimm dieser Gedanke auch für sie sein mag, er hilft! Jetzt müssen nur noch die Ärzte und das Pflegepersonal richtig handeln und ich denke das ist das Problem.

Ich sehe , wie es in unserer Klinik ( wo ich arbeite ) manchmal abläuft. Da werden Menschen, die wirklich dringenst Hilfe brauchen einfach wieder nach Hause geschickt, weil einfach kein Platz vorhanden ist. Unvorstellbar !

Wie ich das verstanden habe, haben die Ärzte noch keine genaue Diagnose gestellt
( nur so zwischen Tür und Angel ), richtig? Mich würde interessieren, was bis jetzt daraus geworden ist.

Liebe Grüße und bleib Stark !

Psi

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Beitragvon isemum » Mo 2. Jan 2006, 13:15

Hallo Psi,
nein wir haben noch keine Diagnose. Außer der Ambulanzärztin hat sich ja noch kein Arzt oder Psychologe mit ihr beschäftigt, von ihr haben wir keine Diagnose bekommen & in der Klinik wurde meine Tochter in diesen 2 Wochen nur"geparkt".
Heute findet oder fand der 1. Gesprächstermin mit der Stationsärztin statt & morgen Nachmittag haben wir den Elterntermin.
Durch die Kontaksperre weiß ich ja auch gar nicht wie meine Tochter sich inzwischen da in der Klinik sieht oder ob sie es trotz allem weiter dort versuchen will.

Ich hatte beim Aufnahmevorgespräch auf der anderen Station dem Psychologen gesagt, dass ich es nicht verstehen kann was es bringen soll, wenn man durch Isolation vom gewohnten Umfeld nur die Reize ausschaltet die bisher einen solchen Druck erzeugten der nur mit Schneiden oder Drogen- & Alkoholkonsum abzubauen ist & diese Isolationaber dann aber wiederum einen neuen Reiz darstellt, der denselben Druck erzeugt.
Ich denke immer wieder darüber nach & halte das einfach für keine geeignete Methode. Es geht doch darum, zu lernen den Druck anders abzubauen. Ich glaube fast, das ist nur ambulant möglich. :cry:

LG Isemum

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Beitragvon Psi » Di 3. Jan 2006, 18:48

Huhu,

ich denke das die Isulation für eine gewisse Zeit ok ist ( wahrscheinlich hat das schon irgendeinen Sinn, wenn ich ihn jedoch auch nicht so ganz verstehe ), aber ich finde es nicht ok, dass man dich so in Ungewissheit lässt! Immerhin ist es deine Tochter und ich finde du hast ein Recht darauf zu erfahren wie es ihr geht, was sie macht und was überhaupt Sache ist!

Ich weiß du versuchst Stark für deine Tochter zu sein und ich denke deine Tochter versucht auch für dich und sich selbst stark zu sein.

Warte erst mal das Gespräch morgen ab und schau was dabei rauskommt.

Und noch etwas: Versuche deiner Tochter nicht zu sehr zu zeigen das es dir schlecht geht, wenn du wieder mit ihr reden darfst. Versuch sie ein bischen zu beruhigen. Sag ihr z.B. das zu Hause alles ok ist und das alle ganz fest an sie glauben und hinter ihr stehen. Mach ihr Mut ! Zeig ihr das sie das alles nicht alleine durchstehen muss !
Und was noch ganz wichtig ist: Mach dich nicht selbst fertig! ( leichter gesagt als getan, ich weiß :sad: )

Wenn du willst erzähl nach dem Gespräch, wie es gelaufen ist.

Liebe Grüße

Psi


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