SHT -> Psychiatrie -> Stigma -> und doch keine Ahnu

Diriana
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Registriert: Mo 26. Dez 2005, 16:29

SHT -> Psychiatrie -> Stigma -> und doch keine Ahnu

Beitragvon Diriana » Mo 26. Dez 2005, 16:33

Hallo und Frohes Fest, so kurz vor Schluß..

zu folgendem Ablauf bitte ich um Kommentierung, zumal in diesem Forum die Erfahrungen mit guten und weniger guten Ärzten/Kliniken wohl groß sein dürfte:
Zur Nachuntersuchung schwerer Kopf- und Hirnverletzungen brutaler Überfall vor drei Jahren) begab ich mich in ein sehr renomiertes Institut für Psychiatrie, Abteilung für Neurologie.
Untersucht werden sollten NUR die organischen Folgeschäden. Von psychiatrischen Fachleuten habe ich die Nase voll.
Nachdem der Neurologe die Psychiatrieberichte der letzten drei Jahre studiert hatte, hielt er eine Wiederaufnahme der RisperdalMedikation für angebracht aufgrund der "in der Vergangenheit mehrfach diagnostizierte paranoide Schizophrenie." Es lagen keine Symptome vor, ich war nicht psychtisch, keine vorausgegangenen Gespräche.
Bei meinem letzten Psychiatrieaufenthalt vor 1 1/2 Jahren wurde ich mit Risperdal consta 37,5 mg depot entlassen. Es mich Monate gedauert, diese Hochdosierung folgenlos auszuschleichen, obwohl es damals hieß, Ausschleichen/Absetzen sei ein "Schmarrn" und ich müsse das mein Leben lang nehmen...
Die erneute Medikation machte mir der Doc schmackhaft, weil er meinte, ich könne mich bei der anstehenden neuropsychologischen Testung besser konzentrieren... im Arztbericht hieß es dann wie oben erwähnt. Irgendwie fühle ich mich da ziemlich veräppelt.
Leider habe ich nach meinem damaligen Unfall aufgrund erheblicher psychischer Probleme auf Hilfe der "Fachleute" vertraut, heute gehts mir nur noch um die Wiederherstellung meiner Selbstachtung. Irgendwie fehlte es mir an "Krankheitseinsicht" -oha, ein Leitsymptom der Schizophrenie.
Bin auf Antworten gespannt.
Danke + Gruß
Peter

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Angelita
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Beitragvon Angelita » Di 27. Dez 2005, 18:08

Salü Peter

Herzliches Willkommen! Ich hoffe, Sie hatten auch ein frohes Fest.

Ich weiss nicht, ob ich Ihrem Anliegen gerecht werde, denn kommentieren kann ich weder Ihren Bericht noch das Verhalten der Psychiater - aber einige Fragen habe ich. Diese "müssen" Sie auf gar keinen Fall beantworten, wenn Sie nicht mögen.

Warum hat man Ihnen ein Neuroleptikum verschrieben? Warum, denken Sie, ist man auf Ihr Anliegen beim letzten Untersuch nicht eingegangen? Wie geht es Ihnen im Alltag - körperlich und seelisch? Wie haben Sie den Überfall psychisch und physisch verarbeitet?

Ich verstehe, dass Sie hilfe gesucht haben und ich kann mir vorstellen, wie enttäuscht Sie sind. Schön wäre es, wenn Sie hier im Forum den Austausch finden.

Auf jeden Fall freue ich mich, wenn Sie sich hier wieder melden.
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

Sheila
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Beitragvon Sheila » Di 27. Dez 2005, 18:57

Hallo Peter,

nun, ich habe auch Fragen an dich: Wieso hat man dir trotz fehlender Positivsymptomatik
Schizophrenie diagnostiziert?
Wirst du noch mal nach den Desaster eine neue Stelle aufsuchen?
Na ja, vielleicht wird man dich da besser einschätzen können. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie frustrierend das ist wenn man keine kompetente "Anlaufstelle" findet, leztendlich ist man auch dadurch obstruiert denn irgendwann hat man auch keine lust mehr sich auf eine weitere Suche zu begeben. Vorallem wenn man, wie in deinen Fall, bereits mit einer vorhandenen Diagnose stigmatisiert ist.

Was ich nicht verstehen kann ist, dass man dein Folgetrauma dieses Überfalles nahezu ausser acht lässt wenn ich dich da richtig verstanden habe, und sich ausschließlich auf deine angebliche Schizophrenie konzentriert. Mir scheint so als hätte man dich rationell "zusammengeflickt", dir eine Packung Neuroleptika in die Hand gedrückt und anschließend dich selbst überlassen; Oder hat man dir einen Therapeuten empfohlen?

LG

Sheila
Normal ist anders und ich bin anders normal.

Diriana
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Registriert: Mo 26. Dez 2005, 16:29

Hoffnung auf Differentialdiagnostik

Beitragvon Diriana » Fr 30. Dez 2005, 07:20

Guten Morgen,
danke für Eure Antworten.
Ich würde mal wagen zu behaupten, die Diagnose Schizophrenie ist eine Arbeitsdiagnose. Nach dem Überfall gings mir ziemlich schlecht, von den Verletzungsfolgen her sowieso, 6 Monate Gesichtslähmung, Schulabbruch kurz vor Abi, Zukunftsplanung dahin. Es folgte Rückzug, Schlaflosigkeit, Angst- und Panikzustände bis hin zu Zwangseinweisung mit psychotischer Symptomatik (leider damals auch Amphetaminkonsum). Nie eine Frage oder Berücksichtigung des Traumas.
Erst nach drei Jahren wurde hirnorganische Verletzungen aufgrund erheblicher Vernarbung nachgewiesen. Bis dato hieß es immer "keine intrazerebralen Verletzungen nachweisbar". Früherer Drogenkonsum erklärten die psychischen Veränderungen leichter als eine differenziertere Diagnostik bezügl. des Traumas. Arztberichte, wo einer die Diagnose des anderen übernimmt, Gutachten zur Rente machen einen zum Dödel, Zwangsbetreuung auf Antrag einer DorfPsychologin, weil man die Nase voll hat von rein medikamentöser Ruhigstellung und somit "fehlende Krankheitseinsicht" als Leitsymptom gedeutet wird. Gerichtsgutachter auch ein Dorf-Neurologe, der "schon hunderte Fälle wie den Ihren gesehen hat und weiß, wie die enden.."

Und wenn man sich dann selbst informiert, u.a. herausfindet, daß die Diagnose Schizophrenie ausgeschlossen ist bei organischen Ursachen bzw. Intoxikation, darf man doch hinterfragen. Ist schon fast komisch, daß man als schizophren Diagnostizierter nicht mehr kritisch sein darf, weil jeder geäußerte Zweifel "symptomatisch" für paraoia ist. Wie auch zuletzt in der Klinik, wo nach "Aktenlage" die Medikation mit Risperdal wieder aufgenommen wurde....

Ist doch so, als wäre man vor 8 Monaten mit einem Armbruch in einer Kinik gewesen und kommt mit Bauchschmerzen wieder. Dann schauen die in die Akte, sehen die vorherige Diagnose und gipsen einem zunächst mal wieder "vorsorglich" den Arm ein. Erscheint fast komisch.

Ja, nachdem scheinbar inzwischen das Gegenteil bisheriger organischer Diagnostik nachgewiesen werden konnte, werde ich nach vorsichtiger vorheriger Abklärung eine Klinik mit Fachabteilung für PTBS aufsuchen. Unsicher bin ich schon, hoffe aber mal auf kritische und genaue Nachschau der Fachleute.

Welche Erfahrungen hast Du? Gibts hier im Forum bereits eine Schilderung?
Danke + Gruß
Peter

Sheila
Beiträge: 42
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Beitragvon Sheila » Fr 30. Dez 2005, 11:26

Hallo Peter,

Na ja, mir wurde früher nicht näher diffeniert eine Neurose diagnostiziert aufgrund meiner Kognitiv-Störungen (so mag ich es nicht nennen) und den daraus resultierenden Overloads.
Mit dieser Fernprognose war ich jedoch nicht einverstanden und suchte erstmals das Autistenzentrum auf da ich mich vorher intensiv mit den autistischen Spektrum auseinander gesetzt habe. Habe da auch meine AS-Diagnose erhalten und später eine rechtsgültige Diagnose vom Psychiater zwecks betreutes Wohnen.

Ich würde dir dringend raten dich nicht so behandeln zu lassen wenn du davon überzeugt bist keine Schizophrenie zu haben dann wird es auch wahrscheinlich so sein. Wehr dich dagegen. Konsultiere einen anderen Psychiater ohne ihm auf deine vorige Diagnose an zu sprechen. Nur so wird ein neutrales "Urteil" möglich sein.

LG

Sheila
Normal ist anders und ich bin anders normal.


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