Mich würde Eure Meinung interessieren.................

jaguar1992
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Mich würde Eure Meinung interessieren.................

Beitragvon jaguar1992 » Di 10. Feb 2009, 21:55

Hallo in die Runde,

ich war vor wenigen Wochen dreimal bei einer Psychotherapeutin, es waren also probatorische Sitzungen. Ich erzählte, dass ich einen Zwillingsbruder habe, mit dem ich eine Wohngemeinschaft habe. Nun kam es tatsächlich dazu, dass die Therapeutin mich direkt in diesem Zusammenhang fragte, ob ich denn sexuell mit meinem Bruder verkehre. Ich war geschockt und sagte ziemlich energisch:"auf gar keinen Fall". Die Therapeutin sah mir wohl an, dass ich geschockt war über diese Frage nach Inzest und sagte dann:
"es gibt nichts, was es nicht gibt".
Nun meine Frage an Euch:
Würdet Ihr eine solche Frage als vertretbar im Sinne einer Anamnese einschätzen oder würdet ihr eine solche Frage schon eher als Unverschämtheit auffassen?
Es ist ja schön und gut, dass der/die Therapeut/Therapeutin ein wenig im verborgenen sucht, aber man kann es auch übertreiben, oder?
Was meint Ihr dazu?
Gruss an alle
Jaguar

Gella
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Beitragvon Gella » Di 10. Feb 2009, 22:26

Hallo,
durch so eine Frage deutet sich ja schon an, dass die Therapeutin wenig tabus kennt, und auf was Du Dich gefasst machen kannst, wenn Du ihr die Möglichkeit gibst, Dich weiter zu reizen. Sowas kannst Du verhindern, wenn Du mit der Therapeutin Themen aussuchst, die Du besprochen haben willst, und solche die Du auf keinen Fall besprechen willst. Die Grauzone ist dann noch intressant. Sollte sie die Regeln verletzen -> aufstehen, tschüss+weg.

Ich persönlich würde das als unverschämtheit werten, weil ich keine Lust hätte, mich gegen sowas zu wehren.

Die Beziehung zwischen Zwillingen ist bestimmt intressant, aber sowas ist einfach unverschämt.

mfg

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Laura
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Beitragvon Laura » Di 10. Feb 2009, 22:26

Hallo Jaguar!

Ich mag es nicht, wenn Therapeuten denken, sie müssten alles, aber auch alles über Ihre Patienten wissen. Ferner mag ich es nicht, wenn Therapeuten gleich schon zu Anfang in die Vollen gehen und Themen ansprechen, für die der Klient viel Zeit brauchen könnte, um darüber sprechen zu können. Und therapeutisch gemeinte Pauschalfragen zur Sexualität empfinde ich tendenziell als neugierig, bzw. voyeuristisch und wenn dann noch jemand eine blühende Fantasie hat wie diese Therapeutin...

Oder hier die Kurzfassung: Diese Therapeutin wäre mir zu direkt und zu voreilig. Da würde ich denken, dass da noch öfter vorschnelle Schlussfolgerungen kommen, die man als Klient dann mühsam richtig stellen muss.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Corvina
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Beitragvon Corvina » Di 10. Feb 2009, 23:01

Ich finde die Frage etwas voreilig zu dem Zeitpunkt, von der Sache her aber nachvollziehbar, dass sie gestellt wurde.

Grüße
Corvina
Mal ist man das Denkmal, mal die Taube.

jaguar1992
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Beitragvon jaguar1992 » Mi 11. Feb 2009, 10:29

Vielen Dank für Eure Einschätzung. Ich habe beschlossen, bei dieser Therapeutin keine Psychotherapie zu machen, es bleibt also bei den drei probatorischen Sitzungen.
Mein Zwillingsbrunder war mal bei einem Professor aus Heidelberg in Therapie und da hat mein Bruder erzhählt, dass ich mit einer Chinesin befreundet bin, die nur knapp 1,50m gross ist.
Da hat der Herr Professor gemeint zu meinem Bruder, dass ich möglicherweise pädophil sein könnte.
Ich habe einfach den Eindruck, dass diese Therapeuten gewisse Abartigkeiten, die es zweifellos gibt, auf andere Patienten projezieren. Es kann sehr gefährlich sein, wenn da vorschnell irgendwelche Schlüsse gezogen werden. Man muss da echt aufpassen, sonst wird man da kranker geredet, als man ist.
Die Einschätzungen von ärztlichen Psychotherapeuten haben leider kein geringes Gewicht und so kann es sehr gefährlich werden, wenn diese Leute sich mal an einem Gedanken festgefressen haben, das kriegt man dann auch nicht mehr so schnell aus denen raus.
Ich habe ein Buch über Zwillinge, das ein Hochschulprofessor geschrieben hat, er hat über 40 Jahre lang 100 Zwillingspaare beobachtet und Zwillingsforschung betrieben und es kam nicht ein einziger Fall von inzest zwischen den Zwillingsgeschwistern vor. Also ist die Frage nach Inzest zwischen meinem Bruder und mir auf totale Ahnungslosigkeit zurückzuführen.
Ich werte diese Frage auf jeden Fall als dreist und habe bereits die Konsequenzen gezogen. Man bezahlt viel Geld in der Hoffnung, dass einem geholfen wird und am Ende wird man völlig wehrlos zum Perversling abgestempelt, das spiele ich nicht mit.
Gruss
Jaguar

jaguar1992
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Beitragvon jaguar1992 » Mi 11. Feb 2009, 13:17

klar hab ich ein Intimleben, das gehört selbstverständlich auch angesprochen in der Therapie,aber Inzucht ist sicherlich nicht so weit verbreitet, als dass man es gleich in der ersten Sitzung ansprechen müsste. Vielleicht gibt es Leute, die nach Inzucht gefragt werden und halten das für professionell, ich bleib aber dabei, dass ich dieses Vorgehen dreist finde und inadäquat.
Diese Therapeutin kann ja gerne anderen Leuten solche Fragen stellen, mir jedenfalls nicht mehr.
Jaguar

jaguar1992
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Beitragvon jaguar1992 » Do 12. Feb 2009, 15:56

ich sehe nicht ein, warum jemand Geld an mir verdienen sollte, der mich dann behandelt wie einen Verbrecher. Ich sehe auch nicht ein, warum ich mich gegen derartige Unterstellungen, die vollkommen absurd sind, auch noch zur Wehr setzen muss.
Die erste Therapeutin, zu der ich ging, hat mich als Bewunderer benutzt, da ihr Ehemann jüngere Freundinnen hatte, die zweite konfrontiert mich mit absurden Phantasien.
Vielleicht gibt es tatsächlich auch fähige Psychotherapeuten, kann ja sein, aber ich persönlich habe genug gesehen.
Jaguar

jaguar1992
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Beitragvon jaguar1992 » Do 12. Feb 2009, 18:22

eigentlich wollte ich ja nur wissen, wie die Meinungen zu der Inzest-frage sind.
Vorherrschend habe ich herausgelesen, dass diese Frage unverschämt/zu voreilig gesehen wird.
So danke ich herzlich für die Antworten und fühle mich in meiner Entscheidung bestätigt, diese Therapeutin nicht mehr aufzusuchen.
Die probatorischen Sitzungen dienen ja dazu, dass sich nicht nur der Arzt vom Patienten ein Bild machen kann, sondern auch umgekehrt der Patient vom Arzt.
PSYCHOTHERAPEUTEN SIND MENSCHEN UND KEINE HEILIGEN


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