Bindung

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deepnight
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Bindung

Beitragvon deepnight » Sa 18. Sep 2004, 13:07

Mich würde mal interessieren, wie Therapeuten, aber auch Patienten mit der Bindung umgehen, die durch eine langjährige therapeutische Beziehung entstehen kann. Irgendwann geht ja der Arzt mal in Rente und was passiert dann?

Früher habe ich solche Bindungen als Schülerin auch mit zwei Lehrern erlebt. Nachdem ich das Abi hatte, entstand eine neue Beziehung zu ihnen, eine Freundschaft, die heute noch trägt.

Hat es schonmal jemand erlebt, daß nachdem das Therapeut/Patient-Verhältnis sein natürliches Ende fand, eine Freundschaft entstanden ist?

Fragende Grüße, Helene

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deepnight
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Beitragvon deepnight » So 19. Sep 2004, 07:55

Ich meinte eigentlich weniger, daß eine Liebesbeziehung aufgenommen wird, sondern daß etwas anderes, eine Freundschaft, entsteht. Aber auch erst dann, wenn der Arzt entweder im Ruhestand ist, oder als Arzt nicht mehr gebraucht wird. Mich würde sehr interessieren, auch mal von Seiten der Therapeuten zu hören, wie sie mit der entstandenen Bindung umgehen. Das kann ja manchmal sehr tief sein.
Helene

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Do 30. Sep 2004, 08:39

Ist das so selten, daß in einer therapeutischen Beziehung Bindung entsteht? Wie sind denn die Erfahrungen von anderen? :???: Und wie sieht das auf Seiten der Therapeuten aus? Sie lassen sich doch auch ein. :???:

Fragende Grüße, Helene
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Franz Engels
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Beitragvon Franz Engels » Mo 22. Nov 2004, 10:04

Guten Morgen deepnight,

selbstverständlich entwickelt sich im Laufe einer Therapie eine Beziehung zwischen mir und dem Patienten und genau wie im sonstigen Leben gibt es vielleicht Beziehungen darunter, die sich ähneln, aber im Grunde sind doch alle verschieden und natürlich auch einzigartig. Ausgangspunkt der Beziehung ist in der Regel das gemeinsame Interesse an der Linderung der Beschwerden, Rückbildung der Erkrankung etc.., aber natürlich wächst im Laufe der Behandlung das gegenseitige "Bild" voneinander und häufig wächst damit auch das Interesse. Man hat ja nicht nur mit einer Störung xy, sondern miteinander zu tun. Und gerade in der Psychiatrie und Psychotherapie ereignen sich Heilungen oder notwendige Korrekturen im Beziehungsraum. Ich behaupte, dass ein Therapeut, der sich nicht "einläßt", sich eines wesentlichen Teils seiner therapeutischen Kraft beraupt, weil er dann oftmals wesentliches zum tieferen Verständnis einer Störung nicht verstehen können wird. Hinschauen und verstehen heißt meist auch dabeisein. Der therapeutische Raum muß darüber hinaus ja auch gemeinsam genutzt und gestaltet werden, dabei entsteht automatisch eine Beziehung.

Es handelt sich aber bei einer therapeutischen Beziehung um eine sehr besondere professionelle Beziehung. Das ist jetzt schwierig zu erklären, was ich genau damit meine, und ich weiß nicht, ob es mir beim ersten mal gelingt: es ist eine sehr besondere Beziehung, sie unterscheidet sich auch von den meisten anderen professionellen Beziehungen, weil die Inhalte, die in therapeutischen Beziehungen betrachtet werden, ein Vielfaches persönlicher und intimer sind als die in den meisten anderen professionellen Beziehungen. Dadurch ist eine therapeutische Beziehung von Beginn an bereits viel gerichteter und ungleicher (asymmetrischer) als die meisten anderen professionellen Beziehungen und sie läßt sich deshalb auch in der Regel nicht in eine normale Beziehung überführen.

Also vielleicht erst einmal soweit meine Sicht der Dinge:
ja, als Therapeut lasse ich mich selbstvertständlich ein und natürlich entsteht im Laufe einer Therapie eine Beziehung zwischen mir und dem Patient. Diese Beziehung ist eine "echte" Beziehung, was in ihr möglich ist hängt von meiner und des Patienten/der Patientin Beziehungsfähigkeit, ferner von Sympathie und Antipathie und von der vorliegenden Problematik ab. Die Beziehung ist aber zugleich eine professionelle Beziehung der besonderen Art, die in der Regel nicht zu einer normalen Beziehung werden kann, weil von Beginn an eine Asymmetrie vorhanden war, die die Entstehungsbedingung der Beziehung war und die sich durch den therapeutischen Prozess festschreibt (weil ja die Probleme des Therapeuten nie im gleichen Maße Thema werden wie die des Patienten). Aber warum sollte es nicht möglich sein, daß sich unter bestimmten Bedingungen (Sie hatten ja ein paar bereits genannt) eben doch eine Freundschaft i. S. einer normalen Beziehung entwickeln können sollte. Schön wär's jedenfalls, wenn menschliche Regungen nicht aus prinzipiellen Gründen behindert werden.

Herzliche Grüße

Franz Engels (Webmaster)
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.

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Laura
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Beitragvon Laura » Mo 22. Nov 2004, 18:16

Hallo,

ich fühle mich von Psychoprofis, wenn die Beziehung beendet ist, schnell abgeheftet und anonymisiert. Ich hatte mal eine BW-Betreuerin, die von sich aus die asymmetrischen Distanzregeln verletzte, mir das Du anbot und mich mit Sympathiebekundungen geradezu überschüttete. Als ich aus organisatorischen Gründen einen neuen Betreuer bekam, wurd mir bald klar, dass ich für sie letztendlich doch nur eine Klientin von vielen war und all ihr freundschaftliches Getue nur ins Blaue hineingesprochen war. Mein jetziger Betreuer ist reifer und erfahrener und mit dem sieze ich mich. Dennoch kann auch er sich Distanzverletzungen nicht verkneifen. Aber ich kann mir an den zehn Fingern ausrechnen, dass wenn auch diese Beziehung beendet ist, ich ihm ziemlich schnuppe sein werde.

Meine Klinik ist gleich um die Ecke von meiner Wohung. Ich treffe oft Personal auf der Straße. Da konnte man sich während des Aufenthalts noch so gut mit vielen verstanden haben, die meisten grüßen einen privat eher reserviert und haben es ziemlich eiliig an einem vorbeizukommen. In der Therapie bekommt man eingetrichtert, dass man als psychisch Kranker immer noch ein wertvoller Mensch ist, außerhalb der Pforte ist man es nicht mehr wert, dass man mal ein paar Worte miteinander tauscht. Jedenfalls muss ich in dieser Hinsicht immer von mir aus auf die Angestellten zugehen. Mich verletzt das immer wieder. Was sehen Psychoprofis in einem? Nur das bedauernswerte Problemkind mit dem man nicht auch mal über etwas anderes sprechen kann, wenn es außerhalb der Dienstzeit ist?

Ich schreibe immer wieder Grußkarten an einige Klinikangestellte, aber es kommt selten etwas zurück, also selten mal Post oder ein Anruf von denen.

Ich verstehe, dass es ein professionelles Verhältnis ist und die Distanz dem gegenseitigen Schutz dient. Aber man kann's ja auch übertreiben. Oder die Psychoprofis sollten in ihrer Haltung eben konsequent sein und einen während der Betreuung nicht mit ihren Sympathiebekundungen förmlich überfallen und nach der Betreuung einen wie Luft behandeln. Und so asymmetrisch läuft das in der Praxis ja oft auch nicht ab. Ich merke sehr wohl, dass so manche Profis von mir ihre "Streicheleinheiten" wollen und ich gebe ihnen auf zwischenmenschlicher Basis gerne mal etwas zurück, indem ich sie behutsam auch mal aufmuntere, wenn ich spüre, dass sie gerade nicht so gut drauf sind oder einfach öfter mal einen Joke mache, damit sie nicht nur den ganzen Tag Klagen über sich ergehen lassen müssen.

Diffiziles Thema, das. Und das, obwohl ich schon angehende und frischgebackene Psychologen in meinem näheren Bekanntenkreis hatte und die auch aus dem Nähkästchen geplaudert haben, dass sie einem Patienten am liebsten auch mal gerne Nähe und Solidarität vermittelt hätten, indem sie ihm gesagt hätten: "Das geht mir genauso!" Aber da gibt es halt strikte Regeln und es ist ein kniffliges Balancieren für beide Seiten, das Nähe-Distanz-Verhältnis richtig auszuloten. Ich möchte nicht unbedingt mit den schlimmsten Nöten eines Psychoprofis belastet werden, er ist ja in erster Linie für mich da und ich nicht für ihn. Aber dass er mal etwas Banaleres von sich preisgibt, schätze ich durchaus. Und leider gibt es auch die Psychoprofis, die nicht aufrichtig engagiert sind, sondern stur und besserwisserisch an einem herumdoktern und die dann die meiste Selbstbestätigung und die meisten Streicheleinheiten von den Patienten und Klienten brauchen, leider nur manchmal in einer Form, bei der sie sich groß fühlen, indem sie die Patienten klein machen ("armes Hascherl" die häufigste Variante). Die kapieren nie, warum sie häufig auf Widerstand von mehreren Patienten stoßen und schieben es wohl eher auf das angeblich gestörte Denkvermögen der Patienten als auf ihre eigene Inkompetenz. Wir Hilfesuchenden wollen ja keine phrasendreschenden Psycho-Verwalter, sondern auch mit Herzlichkeit und aufrichtigem Respekt als Menschen und nicht nur als Psychos behandelt werden. Tja, und da wären wir schon wieder am diffizilen Punkt der professionellen Distanz, für die ich auch keine Idealvorstellung habe.

Herzliche Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Kratz
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Beitragvon Kratz » Mo 22. Nov 2004, 19:14

Grüß Dich Helene,
ist sicherlich eine interessante Fragestellung.
Ich bin seit nunmehr sechzehn Jahren beim gleichen Psychiater/Neurologen in Behandlung, wobei ich sagen muß, dass ich in den letzten Jahren kaum noch in die Sprechstunde gehe. Das war sicherlich in den ersten Jahren häufiger.
Natürlich entwickelt sich dabei auch eine andere Ebene, trotzdem wird daraus keine Freundschaft im normalen Sinne, auch wenn sicherlich gegenseitige Wertschätzung vorhanden ist.
Meine Frau habe ich auf einer Geschlossenen Station kennengelernt. Sie arbeitete dort als Pflegerin. Im Laufe der Jahre hat sich das weiterentwickelt und kurz bevor Sie dort aufhörte zu arbeiten entwickelte sich unsere Liebesbeziehung. Trotz aller Schwierigkeiten sind wir jetzt über zwölf Jahre zusammen. Natürlich ist es auch schon vorgekommen, dass Sie mich einweisen mußte. Aber das funktioniert gut, weil Sie sich da eben professionell abgrenzen kann.
Meine Aufenthaltspflegschaft liegt in Händen eines älteren Freundes, der auch weiß was gegebenenfalls zu tun ist.

Ich denke genauso wie im normalen leben lernt man sich kennen und genauso kann sich daraus mehr entwickeln.
Normalerweise bleibt die Beziehung natürlich im gesteckten, professionell vorgegebenen Rahmen. Ich halte die angesprochene Sympathie allerdings für sehr wichtig für die Behandlung. Wenn ich spüre ich komme mit jemandem nicht klar möchte ich auch nicht von Ihn/Ihr behandelt werden.
Ich habe im Laufe der Jahre natürlich zwangsläufig mit vielen Ärzten Therapeuten und Pflegepersonal zu tun gehabt. Genausogroß ist die Bandbreite der Beziehungen.
In der Nachbarschaft wohnt ein Pfleger den ich seit fasi zwanzig Jahren kenn - trotzdem ist er eifrig bemüht mich zu übersehen, sollten wir uns durch Zufall begegnen.
Andere freuen sich wenn man sich durch Zufall trifft und alles in Ordnung ist.

Aber es entwickelt sich ja auch nicht zu jedem den ich im normalen Leben kennenlerne ein innige Freundschaft - auch wenn ich durchaus als freundlicher Zeitgenosse gelte.

Gruß
Detlev

Grenzenlos
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Beitragvon Grenzenlos » Di 23. Nov 2004, 23:01

Liebe Helene,

Ihre Frage hat mich angesprochen. Nach längerem Überlegen stelle ich meine Gedanken dazu hier ins Forum.

Bei uns in der Selbsterfahrungsgruppe ist das gerade ein Thema. Was passiert, wenn ich in der Gruppe aufhöre. Löst sich das asymmetrische Verhältnis dann auf – löst es sich vielleicht nur auf wenn ich weit genug gekommen bin? Gibt es danach überhaupt noch eine Beziehung (ich bin immerhin auch schon 14 Jahre dort). Was wird sein, wenn es mir doch einmal wieder schlecht gehen sollte. Eine Überlegung ist auch, dass bei der Ablösung von den Eltern das Gleiche passiert. Wenn die Ablösung gelingt entsteht aus der asymmetrischen eine symmetrische Beziehung. Dazu ist aber eine Phase des „Auseinander“ notwendig. Es muss wohl der Wunsch da sein, die Beziehung zu beenden (meinen Vater halte ich nicht mehr aus). Erst danach ist etwas Neues möglich. Wenn ich aber schon von vorneherein auf die Beziehung danach schiele wird es wohl schwierig. Ablösung heißt eben auch selbständig werden und eine Beziehung kann nur symmetrisch werden wenn ich "auch alleine kann".

Das ist alles ein bisschen durcheinander und ich bin nicht sicher, ob solche Beiträge hier sinnvoll sind oder doch mehr allein meinem Verständnis dienen.

Ich würde gerne noch beim „Sie“ bleiben und wäre froh, wenn Sie (und die anderen im Forum) mich auch "Siezen" könnten.

Herzliche Grüße
Claudia

cyber-grrrrl
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Beitragvon cyber-grrrrl » So 27. Aug 2006, 05:51

Mmh, bin neu im Forum, deswegen vielleicht komische Frage, aber was sollte der/die Therapeut/in denn als Bindung beibehalten? Ich meine, das hört sich jetzt krass an, aber im Endeffekt sind wir doch nur Klienten, die mehr oder weniger "geheilt" werden, und das sehen die meisten doch rein professionell, oder irre ich da?? Kann mir (leider) nicht vorstellen, daß der/dem Psycholog/in etwas daran liegen könnte, mit dem (ehemaligen) "Klienten" eine Beziehung -welcher Art auch immer- aufrechtzuerhalten; natürlich würde ich mir das auch gerne vorstellen, nur denke ich, das dem nicht so ist..
Denkt mal an eure Berufe... habt ihr da noch Kontakte zu den Kunden außerhalb der Arbeitsstelle?? Trotzdem... die Hoffnung stirbt zuletzt.. :lol:

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Kratz
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Beitragvon Kratz » So 27. Aug 2006, 10:58

Hallo cyber-grrrl,

das ist sicherso wie Du sagst zuerst einmal ein Dienstleistungsverhältniss. Gut, warum sollte es anders sein. Find ich auch völlig in Ordnung.
Trotzdem kann auch daraus weiteres entstehen, einfach wie im normalen Leben, wo auch nicht aus jedem Kontakt eine intensive Beziehung entsteht.

Was mich angeht habe ich sicherlich zu meinen Kunden erstmal eine geschäftliche Beziehung, trotzdem pflegt man auch dort Beziehungen die über Jahre sich weiter entwickeln.
Einige meiner langjährigen Kunden kennen durchaus meine Erkrankung und haben mich auch schon besucht, wenn ich krank war. Mit anderen komme ich ins Gespräch und es ist schon interessant festzustellen, dass viele in der Familie oder Bekanntenkreis mit psychischen Problemen konfrontiert werden. Und sich auch gerne darüber auseinendersetzuen um ein besseres Verständniss zu bekommen.

Gruss
Detlev
Des deutschen Bürgers ehrliches Sicherheitshirn vermag nicht den scheinbaren Sinn einer ausschließlich von der Nützlichkeit der Dinge bestimmten Wertung als Unsinn zu begreifen.

Marion
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Beitragvon Marion » So 27. Aug 2006, 15:34

Hallo an alle!
Ich mag meine Therapeutin sehr. Sie hat mir auch schon einige private Dinge erzählt. Erst hab ich mich gewundert dann fand ich es aber toll
Ich wußte dadurch das sie mich versteht weil sie ähnliches erlebt hat. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, daß wir auf dauer ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen könnten. Ich versuch ihr ja auch so gut es geht zu vertrauen, sonst könnte ich ja einiges nicht erzählen.
Ohne Vertrauen geht sowieso nichts, ich muß ihr ja auch ne Möglichkeit geben zu mit durchzudringen und das erfordert sich zu öffnen. Das macht man ja nicht bei der Arbeit. Therapeuten arbeit ist da was anderes.
Mit einer Therapeutin bin ich eh sehr gut befreundet und es tut mir sehr gut, da brauch ich mich nicht zu verstellen.
Liebe Grüße, Marion

Wolfskind
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Beitragvon Wolfskind » So 27. Aug 2006, 17:45

Aber warum sollte es nicht möglich sein, daß sich unter bestimmten Bedingungen (Sie hatten ja ein paar bereits genannt) eben doch eine Freundschaft i. S. einer normalen Beziehung entwickeln können sollte. Schön wär's jedenfalls, wenn menschliche Regungen nicht aus prinzipiellen Gründen behindert werden.
Hallo Herr Engels,

wenn das was Sie in obigem Zitat schreiben so funktionieren dürfte, warum haben dann so viele Menschen ein Problem damit ?

Ich denke es ist Therapeuten verboten eine persönliche Beziehung mit einem Patienten, auch nach Ende einer Therapie, einzugehen.
Ehrlich gesagt verwirrt mich Ihre Aussage jetzt etwas.

Ja, sicher ist die Beziehung entstanden, weil ich Hilfe gesucht habe, also mit einem bestimmten Anliegen zu ihm gegangen bin.
An anderer Stelle habe ich ja schon etwas zu meinem Verhältnis zu meinem Therapeuten (nicht Psychotherapeut !) geschrieben und es ist nicht so, das ich nichts über seine Probleme weis, zugegeben wir reden nicht so viel über seine Probleme, weil ich mich einfach auch nicht traue nachzufragen. Bei ihm geht es im Moment auch um ein relativ hekiles Thema. Er hat von sich aus den Wunsch geäußert keine "psychologischen" Gespräche mehr zu führen. Dazu habe ich ihm dann auch gesagt, das ich nicht glaube das wir das schaffen. Und es zeichnet sich immer mehr ab, das ich Recht habe.

Aber wie geht man denn nun damit um, wenn sich doch eine Freundschaft entwickelt hat ? Darf man das zulassen ?

Bin im Augenblick ziemlich verwirrt !

Viele Grüße
Wolfi

Houdini
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Beitragvon Houdini » So 27. Aug 2006, 18:31

Hallo Wolfskind

Ich denke es ist Therapeuten (ob nun Psycho- oder Kunsttherpeuten) verboten eine persönliche Beziehung mit einem Patienten, auch nach Ende einer Therapie, einzugehen.
Verboten ist der sexuelle Kontakt und nicht eine persönliche Beziehung generell.

Gruß

Houdini

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deepnight
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Beitragvon deepnight » So 27. Aug 2006, 18:34

Hallo Wolfskind,

für mich wäre wichtig, daß ich mich darauf verlassen kann - auch wenn es private Berührungspunkte gibt - daß mein Arzt (Therapeut) Vollprofi ist, wenn ich in einer Krise bin und ihn als Arzt brauche. Die privaten Berührungspunkte sollten - zumindest solange ein Arbeitsverhältnis besteht - nicht im Vordergrund stehen. Freunde kann ich viele haben, dazu muß ich nicht meinen Arzt hernehmen. Wenn der Kontakt so ist, daß auch eine freundschaftliche Ebene da ist (gemeinsame Interessen...) ist das nett und kann der therapeutischen Beziehung durchaus dienlich sein. Aber wenn ich im Arzt den Freund suche, sollte mir das doch zu Denken geben. Bin ich so einsam, daß ich in der professionellen Beziehung private Bedürfnisse befriedigen muss? Wenn das so ist, sollte es Thema in der Therapie werden.

Wenn die therapeutische Beziehung endet und die freundschaftliche Ebene interessant bleibt, spricht für mich nichts dagegen, sie auch zu pflegen.

Gruß, Helene
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cyber-grrrrl
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Beitragvon cyber-grrrrl » So 27. Aug 2006, 23:43

Hallo Wolfskind


Verboten ist der sexuelle Kontakt und nicht eine persönliche Beziehung generell.

Gruß

Houdini
Hihi,
hier passend zum Thema:

Frau: Küssen sie mich.
Therapeut: Nach der strengen analytischen Regel dürfte ich eigentlich nicht mal neben Ihnen liegen.


... ;-)

Wolfskind
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Registriert: Sa 18. Mär 2006, 14:08

Beitragvon Wolfskind » Mo 28. Aug 2006, 19:32

Danke für Eure Antworten !

Auch wenn ich jetzt das Gefühl habe, jemanden das Thema entführt zu haben. Sorry !
Verboten ist der sexuelle Kontakt und nicht eine persönliche Beziehung generell.

Gruß

Houdini
da bin ich aber beruhigt ! denn sexuell möchte ich von ihm nichts. obwohl mir gerade einfällt, das wir über das thema sexuelle orientierung schon gesprochen haben und die initiative dazu von ihm aus ging.

Hm, dieses Thema ist in einer Kunsttherapie sicher nicht normal oder ? zumal es kein bild oder ähnliches dazu als anlass gegeben hätte.

Aber nun wieder zum ursprünglichen Thema !

Gruß Wolfi

Nochmals entschuldigung für den unfreiwilligen exkurs von mir !


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