die therapeutische Beziehung

Wolfskind
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Beitragvon Wolfskind » Sa 18. Mär 2006, 14:22

Sehr interessantes Thema ! Ist bei mir zur Zeit auch irgendwie Thema.
verboten ist es nur Liebe oder Freundschaft mit dem Therapeuten zu leben.
Mich würde interessieren, wo das festgelegt ist, ob es dazu eine Richtline gibt. Vielleicht hat jemand auch einen Link für mich ?

Danke
Wolfi

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Mo 10. Apr 2006, 22:32

Hallo,

gerade habe ich eine Ausstellung mit den örtlichen Künstlern in der Festhalle des Ortes, in dem ich wohne. Gestern war Vernissage und da ist mein Therapeut samt Ehefrau auch erschienen. (Nicht weil er ohnehin dahinwollte, sondern weil ich mich an der Ausstellung beteilige.) Das war schon ziemlich ungewohnt für mich, denn es war das erstemal, daß wir uns in einem privaten Kontext begegnet sind, der nun überhaupt nichts mit Psychiatrie zu tun hat. Ich hab mich etwas befangen gefühlt, aber wir sind dann durch die Bilderreihen gegangen und haben Bilder besprochen und das war wieder ganz normal. Und dann hatte er noch seinen Hund im Auto, den mußte ich mir natürlich auch ansehen, ist ein Bordermix und ich hab ja zwei Borders. Naja, da standen wir dann mit unseren jeweiligen Ehegefährten und haben noch ne Weile über die Hunde gequatscht. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann würd ich sagen, es war ganz anders, als im therapeutischen Kontext. Es hatte nicht diese Intensität, eher wie die Begegnung mit einem netten Nachbarn. Heute hatte ich wieder Therapietermin und hab ihm gesagt, daß ich die Stiuation ungewohnt, weil neu und deshalb auch etwas verunsichernd fand, aber eigentlich ok.

Gruß, Helene
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Stille
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Beitragvon Stille » Mi 19. Apr 2006, 20:00

Hallo,

ich habe mir auch noch mal darüber Gedanken gemacht. Ich kenne beide Beispiele, zum einen den total neutralen Therapeuten und dann das persönlich ansprechende ärztliche Verhältnis mit ausgleichenden Gesprächen. Ich finde beide haben ihre total Unterschiedliche Bedeutung für mich. Bei der einen Beziehung der ehr persönlichen, bringe ich mich viel mehr ein, aber ich nehme auch mehr Rücksichten. Da möchte ich nicht erschrecken oder verletzen und irgendwie habe ich auch Angst, dass irgendwie diese sehr schöne und für mich Sicherheit bringende Beziehung gefährdet werden kann.

Ganz anders ist das bei dem Therapeuten der neutral und unpersönlich mir gegenüber sitzt. Irgendwie ist er mir als Mensch vollkommen egal und ich möchte ihn gar nicht auf der Straße begegnen. Nicht, dass es mir peinlich wäre, aber da ist nichts worauf ich da aufbauen könnte. Das ist wie wenn ich hier im Ort Jemanden treffe, den ich nur vom Sehen her kenne und flüchtig einen „Guten Tag“ zurufe. Obwohl ich in den Stunden schwätze und schwätze, hätte ich dennoch keine Punkt zum anknüpfen. Vielleicht liegt das ja auch an meiner Mentalität und sicher ;-), nein unbedingt auch, an seiner. Irgendwie ist aber gerade das vielleicht die Basis für eine von mir zuzulassende Therapie. Ich hoffe es jedenfalls. Ich denke mal wir verkehren mit Menschen auf verschiedenen Ebenen und manchmal lassen sie sich nicht verknüpfen. Das hat sicher nicht immer nur mit unserem Gegenüber und seiner bewussten Distanz zutun, sondern auch mit unseren Möglichkeiten. Ich möchte diesen Therapeuten lieber als Dienstleister mir gegenüber sehen und nicht als Freund. Denn als Freunde suche ich mir andere, passendere Menschen aus, was aber nichts über die Qualität seiner Arbeit aussagt, eigentlich aussagen darf. Von der Postfrau die pünktlich und zuverlässig unsere Post abliefert, erwarten wir ja auch nicht viel mehr, als vielleicht ein freundliches Grüßen, falls wir sie mal begegnen. Ein Punkt unterscheidet sich natürlich, das Verhältnis zu dem Therapeuten ist natürlich viel intimer, aber gerade darum möchte ich es in sich abgeschlossen wissen.

In diesem Sinne
Stille
Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, daß sie nicht hinter dir her sind ;-)

Houdini
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Re: die therapeutische Beziehung

Beitragvon Houdini » Fr 5. Mai 2006, 21:08

Hallo Helene und alle anderen,

auch für mich braucht eine therapeutische Beziehung sowohl Nähe, als auch Distanz. Das richtige Maß von beidem.

Gemeinsamkeiten geben mir das Gefühl, dass ich gar nicht so schrecklich anders bin und dass der Therapeut mich zumindest in Teilbereichen versteht. Ich kann unbefangener über meine Schwächen und Probleme reden, wenn ich weiß, dass auch mein Therapeut welche hat. Ich möchte einfach mal drauflosreden können, wie mir der Schnabel gewachsen ist, das kann ich nicht, wenn der Therapeut ein „Fremder“ für mich ist.

Es wäre bestimmt lustig, meinen Psychologen auf dem Weihnachtsmarkt zu treffen und einen Kaffee zusammen zu trinken. Aber auf keinen Fall möchte ich einen Therapeuten haben, der den selben Bekanntenkreis hat wie ich. Da ist irgendwo eine Grenze.

Gruß

Houdini

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Beitragvon Houdini » Sa 27. Mai 2006, 18:46

Hallo,

ich möchte noch etwas ergänzen.

Ich sehe im Therapeuten einen Ratgeber und Lehrer. Er hat ein großes Wissen über Psychologie, er kann aber auch Erfahrung und Reife haben. Oder er hat mir in einem anderen Bereich etwas voraus. So kann ich zu ihm aufschauen und mich geborgen fühlen.

Oder ich sehe im Therapeuten einen gleichberechtigten Partner. Wir haben beide ein gewisses Maß an Wissen, Erfahrung und Reife und ergänzen uns darin. So fühle ich mich wertgeschätzt und gleichberechtigt. Das wäre das Ideal.

Ganz und gar nicht vorstellen, kann ich mir einen Therapeuten, auf den ich herabschaue, dem ich mich überlegen fühle, der unter meiner Last zusammenbricht, der keine Ahnung hat.

Gruß

Houdini

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Beitragvon cyber-grrrrl » Mi 23. Aug 2006, 23:03

Hmm,
interessant, was ihr so über die Therapeuten-Klienten-Beziehung schreibt.. Habe selber erst vor einigen Wochen mit einer Therapie angefangen, meine erste (und hoffentlich einzige) im Leben.
Wußte bis eben gar nicht, daß die Beziehung zum Therapeuten eine Rolle spielt.. aber wenn ich so darüber nachdenke, wünsche ich mir auch, daß sich irgendeine Art von "Beziehung" einpendelt, bis jetzt war ich ja höchstens sechs mal zum reden da und weiß noch nicht so recht, wie diese Beziehung mit der Therapeutin aussehen könnte.
Eines weiß ich nur, mir ist wichtig, egal ob gemeinsame Interessen bestehen oder nicht, daß sie mich ernst nimmt, und mich nicht merken läßt, daß sie mich als "Patientin" sieht (obwohl sie das zweifelsohne tut, davon gehe ich aus).
Aber mal was anderes, wie kann denn diese "Beziehung" aussehne, wenn der Altersunterschied recht groß ist, also ich meine, ich bin Mitte zwanzig, sie -schätz ich mal- so um die fünfzig. Werden da nicht eher Mutter-Tochter- oder Lehrer-Schüler- oder sonst eine asymmtrische Beziehung aufgebaut? Obwohl ich es mir anders wünschen würde, so auf gleicher Ebene?
Am meisten Angst habe ich davor, daß ich da irgendwas vermischen werde, daß ich mich z.B. in sie verlieben könnte (was gar nicht so abwegig ist, ich war immer in ältere Frauen verliebt, schon in der Schule in die Lehrerin, etc., hier ist die Konstellation ja ähnlich..). Was solte man z.B. in so einem Fall tun, Therapie dort abbrechen, oder was?
Ähh, etwas verwirrt.. :roll:
Gruß,
cyber-grrrrl

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Angelita
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Beitragvon Angelita » Do 24. Aug 2006, 19:54

Hallo Wolfi

Eigentlich möchte ich Ihnen noch Ihre Frage beantworten:
Sehr interessantes Thema ! Ist bei mir zur Zeit auch irgendwie Thema.
verboten ist es nur Liebe oder Freundschaft mit dem Therapeuten zu leben.
Mich würde interessieren, wo das festgelegt ist, ob es dazu eine Richtline gibt. Vielleicht hat jemand auch einen Link für mich ?

Danke
Wolfi
Sexuelle Kontakte sind daher verboten, weil das einen Missbrauch des Vertrauens- u. Therapieverhältnisses darstellt. Diese Verbote sind in den Ethikrichtlinien gegeben und auch im Gesetzbuch verankert. Als Kunst- u. Maltherapeutin bin ich an jene ethischen Richtlinien gebunden welche Sie unter

http://www.gpk.ch/mediawiki/index.php/Q ... ichtlinien

nach lesen können. Die Ärzte, Psychiater und Psychologen haben ihre eigenen Standesregeln, welche in etwa gleich lauten.

Im Therapieverhältnis ein sexuelles Verhältnis zu "pflegen" stellt einen schweren Verstoss dar gegenüber dem Hilfesuchenden. Weil der Klient/die Klientin in einem Abhängigkeitsverhältnis ist - eben weil er/sie Hilfe sucht - ist er/sie eher manipulierbar, fragiel, orientlierungslos usw. und könnte unter Umständen für Handlungen "einverstanden" sein, welche er/sie in einer gefestigten Lebenssituation niemals Hand reichen würde.

Das selbe gilt für Eltern, Lehrer, Pfarrer usw.

Bin mir nicht ganz sicher, ob ichs richtig rüber gebracht habe, wenn da noch Klärung von Nöten ist, dann fragen Sie!
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Do 24. Aug 2006, 21:47

@cyber-grrrrl,

wenn Liebesgefühle in der Therapie auftauchen, wäre es ideal, wenn man deshalb die Therapie nicht abbrechen muss, sondern es schafft, diese Gefühle innerhalb der geschützen Therapiesituation gemeinsam mit dem Therapeuten anzuschauen. Möglicherweise wird dann die Therapie zu einem Ort, an dem man "nachreifen" kann, um fähig für eine andere Art von Liebe zu werden, als man bisher kannte.

Gruß, Helene
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Wolfskind
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Beitragvon Wolfskind » Sa 26. Aug 2006, 15:28

@ Angelika: DANKE für den Link !

Wenn ich richtig gelesen habe, bist Du Kunsttherapeutin ?

Hast Du schon die Erfahrung gemacht, das Du mit einem Patienten "voll auf einer Wellenlänge" warst ? Sich mehr oder weniger stillschweigend eine Freundschaft entwickelt hat ? Wie bist Du damit umgeganen ? Würde mich sehr interessieren. Eine Antwort per PN / mail ist auch möglich, wenn es hier zu öffentlich sein sollte.

Zu einigen Punkten aus dem link möchte ich meine Gedanken notieren, wer mag kann gerne dazu etwas schreiben.
Sie klärt die Rollen und Erwartungen und zeigt die Grenzen des Therapieprozesses auf.
hm, das hat mein Kunsttherapeut nicht gemacht, im Gegenteil: er vermischt ständig die rollen. ist nicht immer NUR therapeut. Ich habe ihn darauf mehrfach - auch im beisein meines psychotherapeuten darauf hingewiesen. Wirkliche Antworten bekam ich nie. Meist sagte er, er sei spontan gewesen...
Die Therapeutin missbraucht das in der therapeutischen Beziehung entstehende Abhängigkeitsverhältnis nicht. Missbrauch beginnt dort, wo die Therapeutin ihrer Aufgabe untreu wird und an der Klientin ihre persönlichen, z.B. sexuellen, geschäftlichen oder sozialen Interessen befriedigt - selbst wenn das von der Klientin gewünscht wird. Die Verantwortung dafür, dass Ambivalenzen und Rollen jederzeit geklärt werden, liegt ausschliesslich bei der Therapeutin
Hm, was heißt soziale Interessen ? Ist damit z.b. gemeint, das man Bücher, CD's, Filme usw. untereinander austaucht, verleiht ? Das ist bei uns irgendwie "normal". oder auch das ich ihm aus dem Urlaub etwas mitgebracht habe, was es nur da zu kaufen gibt. Natürlich hat er mir das geld dafür gegeben.
Die Therapeutin ist sich ihres grossen Einflusses auf die Klientin jederzeit bewusst und hält sich entsprechend zurück mit persönlichen Meinungen und Empfehlungen.
das tut er nicht, er sagt meist was er denkt, aber was ich denke "hört" er manchmal irgendwie nicht.
Kunsttherapeutinnen nehmen für ihre persönlichen Probleme oder Konflikte, die sich in der beruflichen Tätigkeit auswirken können, professionelle Hilfe in Anspruch.
Bedeutet das auch, das der Therapeut mit dem Patienten nicht über private Probleme, Dinge reden sollte ? Also das Therapeuten-Privatleben quasi tabu sein sollte ?
das ist nämlich auch nicht der fall...

ähm ja, also mehr möchte ich dazu jetzt nicht schreiben, wird mir zu heikel...

mir scheint nur, das wir (mein kunstthera und ich) absolut keine normale Thera-Patienten-Beziehung haben. Hat ja mein Psychothera schon gesagt. ach ja auch die kollegin von meinem kunstthera. naja und sexuell will ich ja auch absolut nichts von ihm !

aber irgendwie frage ich mich trotzdem "warum nicht" ? warum etwas kaputt machen das anscheinend für beide seiten gut ist ? mit ihm kann ich z.b. auch sachen ausprobieren, die ich mit anderen nicht könnte, weil ich ihm vertraue. ich glaube, wenn wir nicht so eine vertrautheit, verbundenheit hätten, würde ich ihm auch nicht so vertrauen. finde das schon therapieförderlich.

cyber-grrrrl
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Beitragvon cyber-grrrrl » So 27. Aug 2006, 05:43

@cyber-grrrrl,

wenn Liebesgefühle in der Therapie auftauchen, wäre es ideal, wenn man deshalb die Therapie nicht abbrechen muss, sondern es schafft, diese Gefühle innerhalb der geschützen Therapiesituation gemeinsam mit dem Therapeuten anzuschauen. Möglicherweise wird dann die Therapie zu einem Ort, an dem man "nachreifen" kann, um fähig für eine andere Art von Liebe zu werden, als man bisher kannte.

Gruß, Helene
Mmmh, aber ich glaube, ich könnte ihr das nicht sagen, wenn ich etwas für sie empfinden würde, oder so.. ich glaube, das würde auch die Therapie beeinflussen, nämlich so, daß ich nicht mehr alles ganz normal erzählen könnte.. egal, wird so hoffentlich nicht passieren.

Fähig für eine andere Art von Liebe? Was meinst du denn damit? Also, ich habe schon eine Beziehung seit 3 Jahren, das ist nicht das Problem, ich habe eben nur die Befürchtung, daß ES passieren könnte, weil wie gesagt, schon oft vorgekommen, daß ich mich in ältere Frauen verliebt habe, aber bis jetzt ist alles ok, hoffe das bleibt so..
mmh, bin etwas verwirrt halt deswegen, weil ich normalerweise Leuten nciht so viel Einblick in mein Gefühlsleben gebe, und in der Therapie ist das ja schon der Fall, deswegen eben die Befürchung, daß ich da etwas durcheinander bringe.. naja..
Gruß,
cyber-grrrrl

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Angelita
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Beitragvon Angelita » Mo 28. Aug 2006, 18:54

Salü Wolfskind

Wenn ich richtig gelesen habe, bist Du Kunsttherapeutin ?

Hast Du schon die Erfahrung gemacht, das Du mit einem Patienten "voll auf einer Wellenlänge" warst ? Sich mehr oder weniger stillschweigend eine Freundschaft entwickelt hat ? Wie bist Du damit umgeganen ? Würde mich sehr interessieren. Eine Antwort per PN / mail ist auch möglich, wenn es hier zu öffentlich sein sollte.

>Dazu werde ich später mal was schreiben.

Zu einigen Punkten aus dem link möchte ich meine Gedanken notieren, wer mag kann gerne dazu etwas schreiben.
Sie klärt die Rollen und Erwartungen und zeigt die Grenzen des Therapieprozesses auf.
hm, das hat mein Kunsttherapeut nicht gemacht, im Gegenteil: er vermischt ständig die rollen. ist nicht immer NUR therapeut. Ich habe ihn darauf mehrfach - auch im beisein meines psychotherapeuten darauf hingewiesen. Wirkliche Antworten bekam ich nie. Meist sagte er, er sei spontan gewesen...

>wenn es Sie verletzt, dann sollten Sie das klar ansprechen!
Die Therapeutin missbraucht das in der therapeutischen Beziehung entstehende Abhängigkeitsverhältnis nicht. Missbrauch beginnt dort, wo die Therapeutin ihrer Aufgabe untreu wird und an der Klientin ihre persönlichen, z.B. sexuellen, geschäftlichen oder sozialen Interessen befriedigt - selbst wenn das von der Klientin gewünscht wird. Die Verantwortung dafür, dass Ambivalenzen und Rollen jederzeit geklärt werden, liegt ausschliesslich bei der Therapeutin
Hm, was heißt soziale Interessen ? Ist damit z.b. gemeint, das man Bücher, CD's, Filme usw. untereinander austaucht, verleiht ? Das ist bei uns irgendwie "normal". oder auch das ich ihm aus dem Urlaub etwas mitgebracht habe, was es nur da zu kaufen gibt. Natürlich hat er mir das geld dafür gegeben.

>ich denke solches ist "harmlos". Achten Sie immer gut auf Ihre Gefühle bei solchen Aktionen
Die Therapeutin ist sich ihres grossen Einflusses auf die Klientin jederzeit bewusst und hält sich entsprechend zurück mit persönlichen Meinungen und Empfehlungen.
das tut er nicht, er sagt meist was er denkt, aber was ich denke "hört" er manchmal irgendwie nicht.

>genau wie oben, wenn es Sie stört, sollten Sie das klar zum Ausdruck bringen
Kunsttherapeutinnen nehmen für ihre persönlichen Probleme oder Konflikte, die sich in der beruflichen Tätigkeit auswirken können, professionelle Hilfe in Anspruch.
Bedeutet das auch, das der Therapeut mit dem Patienten nicht über private Probleme, Dinge reden sollte ? Also das Therapeuten-Privatleben quasi tabu sein sollte ?
das ist nämlich auch nicht der fall...

>das Hand habt jeder/jede anders. Es gibt Kolleginnen und Kollegen bei denen ist das eigene Privatleben tabu, ich lass es höchst selten einfliessen und auch nur dann wenn es für den Klienten hilfreich sein könnte.

ähm ja, also mehr möchte ich dazu jetzt nicht schreiben, wird mir zu heikel...

mir scheint nur, das wir (mein kunstthera und ich) absolut keine normale Thera-Patienten-Beziehung haben. Hat ja mein Psychothera schon gesagt. ach ja auch die kollegin von meinem kunstthera. naja und sexuell will ich ja auch absolut nichts von ihm !

aber irgendwie frage ich mich trotzdem "warum nicht" ? warum etwas kaputt machen das anscheinend für beide seiten gut ist ? mit ihm kann ich z.b. auch sachen ausprobieren, die ich mit anderen nicht könnte, weil ich ihm vertraue. ich glaube, wenn wir nicht so eine vertrautheit, verbundenheit hätten, würde ich ihm auch nicht so vertrauen. finde das schon therapieförderlich.

Natürlich ist Vertrauen gut u. auch unabdingbar u. trotzdem darf der Therapeut die Grenzen zwischen ihm u. dem Klienten nicht verwischen. Es ist und bleibt ein Arbeitsverhältnis. Der Klient beansprucht seine professionelle Hilfe und er sollte sie liefern und nimmt Geld dafür.Dann möchte ich auch hier noch den LInk hineinstellen wie schon in einem anderen Votum:

http://psychotherapie.de/psychotherapie ... 01020.html

Die Sache ist zu ernst um mit dem Feuer zu spielen.
Gruss Angelita

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Beitragvon Wolfskind » Mo 28. Aug 2006, 19:20

Hallo Angelita !

Entschuldigung, habe eben gesehen, das ich Ihren Namen falsch geschrieben habe ! Dies lag nicht in meiner Absicht !

Vielen Dank auch für die Antwort auf meine Fragen !
hm, das hat mein Kunsttherapeut nicht gemacht, im Gegenteil: er vermischt ständig die rollen. ist nicht immer NUR therapeut. Ich habe ihn darauf mehrfach - auch im beisein meines psychotherapeuten darauf hingewiesen. Wirkliche Antworten bekam ich nie. Meist sagte er, er sei spontan gewesen...

>wenn es Sie verletzt, dann sollten Sie das klar ansprechen!
ja, da haben Sie natürlich Recht ! Aber nein, es verletzt mich nicht, sondern verunsichert mich vielmehr. Denn in manchen Situationen lehnt er dann Dinge ab unter dem Vorwand er sei mein Therapeut oder reagiert total anders.
Ich habe das ihm gegenüber schon mehrfach angsprochen und auch während eines Dreier-Gespräches mit meinem Psychothera, weil ich Klarheit in unserer Beziehung wollte. Aber irgendwie hat er immer gleich abgeblockt.

Was sein Privatleben an betrift, habe ich heute wieder festgestellt, das er auch Sachen erzählt, die mir nicht hilfreich sind bzw. mich nicht betreffen, z.B. über seine Frau.
Aber es ist mittlerweile o.k. für mich, denn ich glaube mittlerweile aus irgend einem Grund sollten wir uns kennenlernen und wenn eine Freundschaft entstehen soll, dann ist es für mich auch o.k. Es wird schon seinen Sinn haben !
Ich möchte mich so verhalten, wie es für mich passend erscheind und mir nicht ständig Gedanken darüber machen, darf ich jetzt mit ihm über das reden oder über dies oder doch nicht und was darf ich überhaupt, wie verhalte ich mich richtig. Denn das blockiert denke ich letztendlich die Therapei mehr, als es eine freundschaftliche Beziehung würde.

Nochmals Danke !
Viele Grüße
Wolfi

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Beitragvon Angelita » Di 29. Aug 2006, 11:05

Salü Wolfi

Ich kann mir vorstellen, wie es Ihnen geht; einerseits ist da die vertrauensvolle, experimentierfreudige Therapiebeziehung, andererseits sind da Verunsicherungen, Dinge, Reaktionsweisen die Sie nicht einordnen o. verstehen können.

Ich möchte mich so verhalten, wie es für mich passend erscheind und mir nicht ständig Gedanken darüber machen, darf ich jetzt mit ihm über das reden oder über dies oder doch nicht und was darf ich überhaupt, wie verhalte ich mich richtig.
Nein, natürlich sollte das nicht sein, denn das würde bedeuten, dass das Vertrauen dahin ist.

Ob wohl Sie sagen, dass Sie ihm vertrauen, haben scheinbar seine Reaktionsweisen auf Sie so verunsichernd gewirkt, dass ein dreier Gespräch statt fand...

Ich wünsche Ihnen ein gesundes Gespür für Veränderungen in der Therapiebeziehung, wenn es für Sie nicht mehr stimmt, dass Sie sich verabschieden.
Gruss Angelita

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Beitragvon cyber-grrrrl » Mi 30. Aug 2006, 20:25

Wie ist das eigentlich mit der therapeut. Beziehung, wird das in einer Therapie immer diskutiert/thematisiert, oder nur wenn es Probleme zwischen Th. und Klienten gibt? Oder wenn eine Seite meint, das müsste jetzt so sein?
Bis jetzt (war erst sechsmal bei "Sitzung") war das noch kein Thema, also wir haben uns nicht darüber unterhalten, hier im Forum ja anscheinend schon viele, deswegen die Frage.. ob das irgendwann mal ein Thema ist/sein sollte... bin halt noch "therapieunerfahren" :lol:
Grüßlis
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Beitragvon deepnight » Mi 30. Aug 2006, 22:52

@Angelita: die links von dir sind wirklich erschütternd. Und ich fand die Aussage, daß die Patientin sich nicht Liebe und Wärme in der Therapie holen soll, sondern in der Therapie befähigt werden soll, diese Qualitäten in der Ehe zu bekommen sehr sehr wichtig.

Wenn man dem Therapeuten dann sagt, man sei in ihn verliebt und er guckt einen groß an und fragt, womit er einen denn verführt, so ist es genau das. Arrgh, Leute (Mädels), guckt euch Bollywoodfilme mit Sharukh Khan an. Das ist das beste Rezept, um unempfindlich für Verführungen aller Art zu werden und nur noch innerlich zu grinsen, wenn mal wieder ganz viel Liebe und Wärme rüberkommt.

Man lernt dann wieder das "klein gehackte Tier, daß einem der Mann zu Hause serviert" (Zitat frei nach Sybille Berg) zu schätzen.

Es gab mal eine Zeit, da war ich so einsam, daß ich mir meinen Therapeuten als Freund gewünscht hätte (wenn der Hunger so groß ist, bzw der Tümpel in der Wüste ist interessanter, als das Glas Sekt beim Opernball). Inzwischen hab ich Freunde, die mir ehrlich gesagt auch interessanter vorkommen, als gerade mein Therapeut.

Grüßle, Helene
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