Verbesserungsvorschläge aus persönlicher Sicht

azzaira
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Verbesserungsvorschläge aus persönlicher Sicht

Beitragvon azzaira » Fr 17. Aug 2018, 11:22

hallo erstmal,
ich versuche jetzt mal einen halbwegs konstruktiven beitrag hier zu schreiben.

ich persönlich finde - als traumapatientin - ja, psychiatrie/psychotherapie ist notwendig.
aber was den patienten klar gemacht werden muss - therapeuten sind keine wunderheiler. in dieser sparte muss man als patient die arbeit selber machen, die ärzte und therapeuten können einem nur den weg weisen und neue möglichkeiten aufzeigen, die man selbst nicht mehr in der lage ist zu erkennen.
der genaue gegensatz dazu wäre, wenn man sich ein bein bricht. das kann man nicht selbst eingipsen. hier arbeitet der arzt und man selbst ist gezwungen zu warten bis die behandlung das bein heilt.

ein besseres angebot von kreativen therapien - die auch von der kasse übernommen werden - wäre zumindest für mich persönlich sehr hilfreich.
ich lebe zwar in der nähe einer stadt, aber kunsttherapie wird in österreich nicht von der kasse bezahlt und ergotherapeuten, die in dieser richtung arbeiten, konnte ich in der ganzen stadt nur eine finden.

an der therapie selbst gefällt mir die hartnäckigkeit meiner therapeutin (ok, manchmal nervt das auch gewaltig, aber irgendwie hatte sie dann doch sehr oft recht). und ihr berühmter blick "liebe frau XXX sie glauben das doch selber nicht was sie da gerade sagen".
ich bin dankbar, dass sie mich nicht hängen gelassen hat, als ich mal hals über kopf die therapie abgebrochen habe und nach zwei monaten ganz klein wieder bei ihr angekrochen bin.

womit ich selbst noch etwas in der therapie kämpfe, ich aber sehr positiv finden würde:

- wenn der therapeut auch mal die meinung vom patienten akzeptiert. er muss ja damit nicht einverstanden sein, aber als patient darf man durchaus auch seine eigene meinung zu einem thema haben und diese mit standpunkten vertreten.
- wenn der therapeut auch die diagnose eines anderen psychiaters ernst nimmt und nicht sofort sagt "das ist eine dieser typischen amerikanischen diagnosen, sowas gibt es nicht", so eine aussage tut echt weh - vor allem wenn man aufgrund dieser anderen diagnose endlich mal verstanden hat, wie man funktioniert und warum das so ist. (das war ein schlag in die magengrube)
- wenn einem als patient gerade ein anderes thema wichtiger ist als das vom therapeuten, dieser vielleicht auch auch mal nachfragen würde warum einem dieses thema wichtiger erscheint und man nicht einfach über den haufen gefahren wird. (z.b. wird in meinem fall wird gerade unter anderem "massive gewichtszunahme" ignoriert, was mich derzeit psychisch verzweifeln lässt)
- das einem eine gestellte diagnose auch erklärt wird und warum der therapeut auf diese diagnose kommt. ich weiß nicht woran es liegt, aber manchmal kommt es mir so vor als hätten die therapeuten angst davor auszusprechen, dass sein patient z.b. traumafolgestörungen hat. aber unwissenheit schützt den patienten nicht, eher im gegenteil - man fängt an im internet rumzusuchen und ließt dann erst recht die ganzen "horrorgeschichten".
- endlich mal aufhören zu sagen, dass antidepressiva keine entzugserscheinungen auslösen würden. meinetwegen sollen sie absetzerscheinung sagen, aber tatsache ist, dass es welche gibt. habe ich schon ausprobiert.
- wenn der therapeut nicht immer wieder mal sagen würde "warum haben sie das nicht schon viel früher angesprochen?!"
erstens hat man man es in den meisten fällen schon mal angesprochen - es wurde allerdings ignoriert oder als nicht so wichtig erachtet und zweitens: wenn man sich nicht mehr als eine stunde die woche aus geldgründen leisten kann (und dabei verdiene ich schon etwas mehr über dem durchschnitt), dann ist man schlichtweg nicht in der lage immer alles anzusprechen. man muss selbst entscheiden was gerade wichtig ist und da kann es vorkommen, dass man die priorität des themas falsch einschätzt.
- wenn der therapeut aussagen vermeiden würde wie "wenn sie sich jetzt selbst verletzen, kann ich nicht mehr mit ihnen arbeiten". wozu geht man den zum therapeuten? man erwartet sich hilfe - in jeder psychischen notlage. rückschläge dürfen da ja wohl auch mal dabei sein..?
- das man zu sogenannten "verträgen" gezwungen wird um behandelt zu werden. ich habe nur zugestimmt um die derzeit einzige person nicht zu verlieren, an der ich mich "anhalten" darf. der vertrag hat für mich keinerlei bedeutung. hier schließe ich mich dem vorigen punkt an mit: man erwartet sich hilfe in wirklich jeder psychischen notlage. und wenn ich mich in einer absoluten notlage selbst verletzt haben sollte (rückschlag) dann hilft mir kein "sie haben den vertrag verletzt - warum?!" sondern eher ein "gemeinsam schaffen wir das auch noch!"

so jetzt fällt mir vorerst nichts mehr ein, vielleicht schreibe ich später noch etwas dazu ; )

lg azzaira

mamschgerl
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Re: Verbesserungsvorschläge aus persönlicher Sicht

Beitragvon mamschgerl » Sa 18. Aug 2018, 16:13

Hallo azzaira,
ich gebe dir in vielen Punkten recht, wenn nicht sogar in allen...witzigerweise ist bei mir gerade auch die massive Gewichtszunahme ein Thema, aber eines, das ich nach fast zwei Jahren ohne Medikamente und andere diverse Mittel in den Griff bekommen zu haben scheine. Unter Medikamenteneinfluß bin ich zwar hin und wieder etwas erschrocken über mein Äußeres, aber richtig berührt hat es mich nicht mehr und das, obwohl ich schon über 50 kg zugelegt hatte. Ohne die Medis hat sich anscheinend mein Organismus wieder normalisiert und funktioniert daher wieder, so daß ich auch wieder ein Sättigungsgefühl verspüre, ebenso wie ich auch wieder Appetit von Hunger unterscheiden kann, auch die Fressanfälle während meiner dissoziativen Phasen sind fast ganz verschwunden.

Ich denke, es ist sehr wichtig, vom Therpeuten ernst genommen zu werden hinsichtlich der gerade persönlich im Vordergrund stehenden Themen und besonders der eigenen Meinung. Geschieht dies nicht, so kann ich die Therapie nicht annehmen, denn logischerweise ist das Übergehen persönlicher Werte gleichzusetzen mit Ignoranz...und wer wird schon gerne ignoriert? Abgesehen davon kann in diesem Falle ausgeschlossen werden, daß eine individuelle Behandlung angewandt wird ( wie denn auch, wenn alles persönlich relevante beiseite geschoben wird? ).
An guten Tagen und wenn er gerade ein offenes Ohr und Herz hat, geht er auf uns ein und trifft mit den richtigen Antworten und fragen unseren Nerv und schon denken wir, der Therapeut versteht uns doch, aber letzten Endes habe ich erkennen müssen, daß es von einem wirklichen Verständnis für die seelischen Zustände sehr weit entfernt liegt.
Aber was soll's, betrachtet man die Therapie nicht als das Allheilmittel und den letzten Ausweg aus der Krise, können zumindest manche Gesprächsstunden etwas helfen, wie du schon schreibst, die Gedanken wieder etwas zu sortieren, weil man sich alleine mit sich schon wieder festgefahren hat.
Ich weiß übrigens nicht, wie es sich in Deutschland verhält, wenn man rückfällig wird...mir ist nur bekannt, daß psychosomatische Abteilungen ebenso wie die traumaspezifizierten Abteilungen in den Kliniken nur Patienten aufnehmen, die sich nicht in einer solchen Akutphase befinden, anders bei den geschlossenen Abteilungen, die wiederum auf solche Fälle eingestellt sind.
Ich denke einfach, daß die Therapeuten mit solchen Situationen nicht umgehen können oder wollen, da es den Rahmen der einfachen Gesprächsrunde, also der Therapiestunde, sprengen würde und meistens kann man mit Patienten, die gerade einen Rückfall erleben, auch nicht "arbeiten" und daher vermute ich, daß sich deine Therapeutin so verhält.
Alles in allem bin ich der Meinung, daß mir meine Therapeutin und meine Psychologin sowie meine Klinikaufenthalte zu Anfang geholfen haben, auch wenn diese Hilfe nur eine von Fachkräften unterstützte Überbrückung bis zur Erkenntnis und der Akzeptanz meines Zustandes darstellte.
Dadurch wurde dem ganzen der Schrecken genommen und ich möchte lernen, damit ohne Medis und Konsorten leben zu lernen. Wirklich geholfen hat mir der Umstand, daß ich nicht die einzige auf der Welt bin, die mit Traumaspätfolgen und allen begleitenden Symptomen zu kämpfen hat, es gibt so viele Betroffene mit so vielen individuellen psychischen Störungen, daß man alleine deswegen schon Depressionen bekommen könnte, wenn man sich die Ursachen und Gründe dafür vor Augen führt...es macht mich einfach nur traurig und wütend.
Das kann kein Therapeut und kein Psychologe abstellen oder ändern und daher habe ich die Therapie auch abgebrochen, denn Gespräche kann ich besser mit meiner Freundin führen, die mich und meine Gedanken auch ernst nimmt.
L.G. mamschgerl

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Laura
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Re: Verbesserungsvorschläge aus persönlicher Sicht

Beitragvon Laura » Fr 24. Aug 2018, 16:37

Hallo azzaira!
azzaira hat geschrieben:aber was den patienten klar gemacht werden muss - therapeuten sind keine wunderheiler.
Es gibt auch Therapeuten, die sich das erst noch klarmachen müssen! Die sind frustriert und reagieren teilweise biestig, wenn ein Patient das sowieso schon längst gemerkt hat und daher eher eine Begegnung auf der menschlichen Ebene sucht! Aber für manche Therapeuten ist und bleibt man halt stets der Schmock und der Dummi. Wenn man das nicht von vorneherein ist, wird man halt in diese Ecke hineinmanövriert und man kann zusehen, dass man demjenigen noch gerade rechtzeitig abspringen kann.
Ist Deine Therapeutin eigentlich diese Ergotherapeutin, nach der Du so lange gesucht hast? Wenn ja, dann ist das etwas Anderes. Ich komme mit anderen Berufsgruppen in dieser Branche auch oftmals besser aus!

In Deutschland wird Kunsttherapie übrigens auch nicht von den Krankenkassen finanziert. Man kann Glück haben und über eine psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle kostenlos an eine Art Kunsttherapie kommen, dann allerdings als Gruppenveranstaltung. Kostenlose Ergotherapie ist normalerweise auch nur als Gruppenveranstaltung kostenlos in verschiedenen Institutionen der Psychiatrie, auch wenn sie ambulant stattfinden soll.

LG

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Bipolar030
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Re: Verbesserungsvorschläge aus persönlicher Sicht

Beitragvon Bipolar030 » Mo 16. Dez 2019, 22:46

Hi ihr lieben,
Ich finde es erstaunlich das die Psychologen die ich so hatte mehr oder weniger einfach nur mit Tabletten gegen die Krankheit vorgehen wollen.
Ich bin bipolar und mir ging es letztes Jahr echt schlecht.
bevor ich in die tagesklinik ging, lag ich zwei Monate einfach mehr oder weniger nur im Bett mit laufendem Fernseher, trotz damaliger Medikation.
Ich habe halt viel über Achtsamkeit und Frühwarnzeichen gelernt und zwar ein paar Monate später, in diesem Jahr die Tabletten abgesetzt und auch die Pia nicht mehr besucht,
Aber es geht mir seid fast einem Jahr echt mehr oder weniger gut.
Im letzten halben Jahr eigentlich super.
Dennoch habe ich vorsichtshalber wieder den Kontakt zum Psychologen in der Pia gesucht und auch wieder mit abilify angefangen.
Dort angekommen in der Pia hieß es sofort ich sei wahrscheinlich hypomanisch und ich selbst weiß das das nicht der Fall ist sondern das ich endlich mal wieder ich bin.
Aber um weiter acht auf mich zu geben habe ich halt selbst nach abilify gefragt um mich weiterhin zu stabilisieren.
Aber von einer Therapie redet auch keiner.
Keiner verweist darauf es geht lediglich um Tabletten und alle vier bis 6 Wochen soll ich zum Gespräch in der pia zur Kontrolle quasi.
Ich weiß nicht ob es der richtige Weg ist und werde demnächst auch die nahegelegene Selbsthilfe Gruppe aufsuchen und den bipolariis ev. Liebe Grüße

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Re: Verbesserungsvorschläge aus persönlicher Sicht

Beitragvon mamschgerl » Di 17. Dez 2019, 18:42

...ich denke auch, daß sich Gespräche mit Betroffenen besser eignen, um Erfahrungen und Mechanismen auszutauschen, als eine Therapie.
Ich habe mehr gelernt und mehr Unterstützung und Verständnis in der Raucherecke der Klinik erfahren, als jede unter Aufsicht stehende Gruppensitzung oder Einzelgespräche mir hätten vermitteln können.
Sicher war es in der Anfangsphase wichtig und richtig, daß ich erstmal mit einer Therapeutin und einer Psychiaterin geredet habe, allein schon aus dem Grund heraus, nicht in vollständiger Dunkelheit zu verschwinden und nicht mehr herauszufinden, doch nach und nach erwiesen sich die Therapie wie auch die Klinikaufenthalte als eher kontraproduktiv. Obwohl, vielleicht war es ja der Sinn der Sache, daß ich mich aus dieser Obhut befreie? Wie auch immer, für alle, die sich austauschen müssen, weil es ihnen einfach nur gut tut, darüber zu reden und nicht alleine zu sein, sind Selbsthilfegruppen bestimmt förderlich.
Und ja, mit Medikamenten sind die Weißkittel schnell dabei, was mich im Nachhinein wirklich nur noch ärgert, aber über dieses Thema will ich mich eigentlich nicht mehr auslassen.
Nur noch soviel, daß ein Erleben des Umfelds oder der Realität oder seiner selbst unter Medikamenteneinfluß nicht wirklich möglich ist.
Grüße
mamschgerl

Bipolar030
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Re: Verbesserungsvorschläge aus persönlicher Sicht

Beitragvon Bipolar030 » Mi 25. Dez 2019, 15:16

Frohe Weihnachten erstmal ich hoffe euch geht es gut.
Ich bin zumindest glücklich aber habe trotz der Tabletten zu wenig Schlaf gehabt.
Fühle mich echt ko und wache jede Nacht um 3:30 auf und bleibe dann auch wach. Jetzt werde ich nachhause und heute wohl im Bett bleiben. Schon früh s gekocht und jetzt bei einem Freund kurz den Flur etwas gestrichen.
Das quetiapin wirkt eher schlecht zum Schlafen in letzter Zeit.
Naja genug gejammert morgen geht's wieder zur Familie und ich freu. Ich schon darauf.

Liebe Grüße aus Berlin und einen guten Rutsch


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