Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Llyllewin
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Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Beitragvon Llyllewin » Do 14. Jun 2018, 17:46

Hallo,

ich überlege schon lange, ob ich darüber schreiben soll und dachte ich tus einfach mal: Ich habe ja schon im Betreff geschrieben, dass ich es furchtbar finde, wenn Psychiater in der Psychiatrie mit Diagnosen um sich werfen und die Patienten anfangen zu etikettieren.
Ich finde, es gibt nicht die Schizophrenie oder die Paranoia. Man hat Symptome, die zu dem Krankheitsbild dazu gezählt werden und niemand hat wohl jemals das gesamte Spektrum aller Symptome einer Schizophrenie gehabt.
Außerdem konnte ich immer eher mit der Diagnose Psychose umgehen oder Stimmenhörerin als mit der Diagnose Schizophrenie.
Eine Psychose klingt noch nach einer einmaligen Sache, aber Schizophrenie, so denken die meisten Leute, hat man ein Leben lang, was überhaupt nicht sein muss.
Ja, man wird etikettiert in Arztbriefen oder Amtsgerichtschreiben und verantwortlich sind dafür die Ärzte in den Psychiatrien.

mamschgerl
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Re: Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Beitragvon mamschgerl » Do 14. Jun 2018, 18:58

...1979, als ich 14 Jahre alt war, hatte ich einen Freund, dessen Mutter Schizophrenie diagnostiziert wurde. Ich hatte damals null Ahnung von psychischen Erkrankungen, obwohl ich selbst mitten in meiner steckte. Diese Mutter ging eines Tages mit einem großen Küchenmesser auf meinen Freund los und der Vater konnte sie gerade noch zurückhalten, was aber vielmehr daran lag, daß sie ihm rein körperlich nichts entgegenzusetzen hatte. Sie wurde im Anschluss zwangseingewiesen und ich habe sie nie wieder gesehen.
Zu dieser Zeit war es noch gang und gäbe, daß Schizophrenie allgemein als eine Krankheit betrachtet wurde, die den Betroffenen zu einer für die Allgemeinheit gefährlichen Person erklärte und ergo eine Einweisung in die Irrenanstalt nach sich zog.
Alles psychisch kranke und auffällige wurde hinter vorgehaltener Hand weitergetuschelt und genauer wusste es sowieso keiner, daher wurde es naturgemäß von mal zu mal haarsträubender.
Sowie man von einem wusste, daß er psychisch angeschlagen war, wurde er mit anderen Augen angesehen und alles, was derjenige von sich gab, wurde ausnahmslos der jeweiligen Krankheit zugeschrieben.
Heute weiß ich, daß die meisten "Normalos" ganz schön einen an der Klatsche haben und, obwohl mittlerweile Burnouts / Depressionen / Psychosen etc etc schon fast etabliert sind, das oberflächliche Hörensagen immer noch vorrangig der Aufgeklärtheit steht.
Was die Diagnosen betrifft, so habe ich schon mal an anderer Stelle die Meinung geäußert, daß sich alle bei näherer Betrachtung miteinander vermischen und jeder bei sogenannten Psychotests bestimmt die erforderliche Anzahl an Antworten hat, um sich in der vorgegebenen Störung wiederzufinden.
Aber das führt hier jetzt wieder zu weit...zumindest ist es ein Glücksfall, da einen seriösen Therapeuten zu finden, der die Behandlung nicht aufgrund einer Diagnose allein und einer darauf basierenden, vorgefassten Meinung durchführen will, sondern trotzdem individuell und ohne Scheuklappen auf den Patienten eingeht.
L.G. mamschgerl

Llyllewin
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Re: Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Beitragvon Llyllewin » Fr 15. Jun 2018, 10:02

Viel habe wir auch den Medien zu verdanken. Wenn irgendwo irgendwer eine Gewalttat begeht ist, er sie gleich psychisch krank und die Bevölkerung bekommt allmählich Angst vor psychisch Kranken und denkt, alle sind Gewalttäter.
Und dann kommen noch die Medikamente dazu. Wenn man Psychopharmaka nehmen muss, hat man echt die Arschkarte gezogen. Entweder man ist wegen der Erkrankung aggressiv oder die Medikamente machen aggressiv.
Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass eine hohe Dosis Antipsychotika erst recht psychotisch macht und Symptome hervorruft.

mamschgerl
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Re: Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Beitragvon mamschgerl » Sa 16. Jun 2018, 15:09

...das steht außer Frage. Psychopharmaka machen erst richtig krank.
L.G. mamschgerl

Llyllewin
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Re: Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Beitragvon Llyllewin » Sa 16. Jun 2018, 15:36

Ich bin jahrelang von Psychiatern belogen und mit hohen Dosen Antipsychotika abgespeist worden, so lange bis ich Symptome entwickelt habe und tatsächlich krank geworden bin. Das ging nun 20 Jahre so und ich habe mit der Psychiatrie noch so einige Rechnungen offen.

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Laura
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Re: Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Beitragvon Laura » Di 19. Jun 2018, 15:06

Hallo Llylewin!

Über die Etikettierung mache ich mir nicht so viele Gedanken. Allerdings stört es mich, wenn Psychiater meinen, sie könnten nach der Diagnostizierung die Füße auf den Tisch legen und alles erledigt sein lassen. Den Hinweis auf meine Diagnose und ein paar Pillen zum Schlucken empfinde ich jedenfalls nicht schon als Behandlung und zu dieser würde für mich eine gewisse Warmherzigkeit und eine Offenheit für kranke Wesen gehören. Im Moment bin ich bei einem Psychiater, dessen Praxis ziemlich überlaufen ist, aber er macht einen wirklich netten Eindruck und ist eben nicht so von oben herab und "Ich-bin-nett-zu-Spastis"-mäßig. Was da in PIAs an Psychiatern rumläuft, ist zu 70 % die Anti-Crème de la Anti-Crème unter Psychiatern. Hauptsache ein garantiertes, gehobenes Einkommen und viel Zeit zum Kaffeetrinken.


Ich finde auch nicht, dass man 08/15-Psychiatern für alle Ewigkeiten das As im Ärmel zugestehen sollte, dass sie nunmal nicht so viel für Zeit für einen haben wie ein Psychiater, der gleichzeitig Psychotherapeut ist und bei dem man gleich eine ganze Psychotherapie macht. Die Nur-Psychiater haben in ihren Kurzterminen immer noch genügend Zeit, um ihre Patienten respektvoll zu behandeln. Aber das sind ja auch genau die, die sowieso nicht an sich zweifeln. Sie sind ja "nett zu Spastis", was sollte da einer der "Spastis" zu beanstanden haben?
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Beitragvon Laura » Do 12. Jul 2018, 15:40

Q. E. D.: fluuu braucht dieses Forum genauso dringend wie er eigentlich eine erneute Arztbehandlung und z. B. ein Lithiumpräparat bräuchte! Der läuft schon viel zu lange unbehandelt durch die Gegend und durchs Web. Aber Manie oder auch Hypomanie bedeutet ja ironischerweise, dass es dem Betroffenen zu gut geht.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Beitragvon mamschgerl » Do 12. Jul 2018, 17:41

@Laura
...ja, es ist einfach zu offensichtlich. Ich habe den Text freigeschaltet, weil ich alle Beiträge auf "ignorieren" gesetzt habe und wider besseren Wissens gelesen. Ich werde mich dennoch dazu nicht äußern, weil die Vergangenheit bewiesen hat, wie sinnlos, kräftezehrend und aussichtslos das ist und am Ende nur einem selbst schadet.
Nach Hirn und Verstand zu suchen, wo nichts davon vorhanden, ist noch schlimmer als die Nadel im Heuhaufen finden zu wollen, denn die ist ja tatsächlich irgendwo und man hat zumindest Chancen.
L.G. mamschgerl

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Re: Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Beitragvon mamschgerl » So 15. Jul 2018, 12:49

Hallo fluu,
ich habe dich schon vom ersten Beitrag an hinter dem Pseudonym "Uta" vermutet, du kannst eben nicht aus deiner Haut. Du wurdest aus guten Gründen gesperrt und jetzt werde ich wohl wieder deine Sperrung beantragen müssen; wen glaubst du, täuschen zu können?
...und ab jetzt landest du wieder unter den ignorierten und nicht wahrgenommenen und vor allem: nicht gelesenen Textern.
mamschgerl

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Re: Ich finde die Etikettierung in der Psychiatrie furchtbar!

Beitragvon mamschgerl » So 15. Jul 2018, 15:32

...feige wäre es, sich gegen Individuen wie deinesgleichen nicht zur Wehr zu setzen und von dem anderen, das du so bildhaft zu beschreiben verstehst, scheinst du ja wirklich Ahnung zu haben...und das war's, Tschüss.


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