Forum läuft leider auf Sparflamme

bee
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Forum läuft leider auf Sparflamme

Beitragvon bee » Mo 5. Mär 2018, 19:22

Hallo Ihr Lieben,

hab vor einiger Zeit ab und zu mal hier im Forum geschrieben. Über einen alten e-mail account hab ich die Zugangsdaten wieder gefunden. Mir ging es leider im letzten Jahr nicht so gut. Meine 1. Zwangseinweisung in fast 40 Jahren als Psychiatrieerfahrene. Das lief auf ein halbes Jahr Klinikaufenthalt raus. (Manie). Danach noch 3 Monate Depression in denen ich kaum die Wohnung verlassen habe. Jetzt ist alles wieder einigermaßen im Lot. Trotzdem fühle ich mich durch die Medis ziemlich gedämpft und merke, dass meine Konzentration sehr zu wünschen übrig lässt.

Ich nehme Orfiril, Amisulprid, Fluanxol, Neurocil und damit die Nebenwirkungen nicht so schlimm sind Akineton.

Wie sieht es mit Eurer Erhaltungsdosis aus - ist damit im Alltag gut leben?

Vielleicht schaut doch der eine oder andere ab und zu mal hier herein?!

Viele Grüße
Bine

mamschgerl
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Re: Forum läuft leider auf Sparflamme

Beitragvon mamschgerl » Di 6. Mär 2018, 09:16

Hallo Bine,
ja, das ist wahr, das Forum wirkt etwas eingeschlafen...ich vermute, daß am Ende keiner mehr Lust hatte, sich zu beteiligen, weil ein Quertreiber es geschafft hat, daß fast alle Unterhaltungen in völlig andere und dazu zerstrittene Richtungen geführt haben. Sich da wieder einzufinden, dauert wohl etwas...
Ich finde es schlimm, wenn die psychische Störung zu einer Zwangseinweisung führt und nur noch Medikamente helfen, den Alltag zu überstehen. Wenigstens konntest du wieder nachhause zurück und ich hoffe für dich, daß deine Gedanken dich nicht zu sehr niederdrücken.
Ich hatte als Erhaltungsdosis am Ende ( nach Venlafaxin ) Bupropion.
Ich habe kalt entzogen, weil ich nicht mehr unter dem Einfluß von nicht einzuschätzenden und nicht absehbaren Wirkungen stehen wollte. Sogesehen nehme ich also nichts mehr ein und erlebe alle Symptome der PTBS mit Depressionen und sonstigen Störungen ganz bewusst, kann aber dadurch jetzt besser damit umgehen, weil meine eigene Persönlichkeit ohne Medikamente stärker und kämpferischer ist.
Freilich hilft's nichts insofern, wenn es um die Ausübung irgendeiner beruflichen Tätigkeit geht, das ginge mit Medikamenten ebensowenig, aber in den seltenen Phasen, in denen mich die Symptome in Ruhe lassen, will ich einfach ich selbst sein.
Das klingt irgendwie echt gut, habe ich doch bis zum Absetzen der Medikamente als Schlußpunkt nach jahrzehntelangem Konsum psychisch beeinträchtigender Mittelchen gar nicht gewusst, wer ich bin ( weiß ich immer noch nicht wirklich ), aber so langsam kommt zumindest eine Ahnung...das wäre mir mit Pillen nicht gelungen.
Was mich gerade den Tag überstehen lässt: unwichtige Dinge wie abstauben, Fernsehen, putzen, lesen, alte Möbel aufpeppen, mit meinen Katzen schmusen, manchmal mit meinem Roller in der Gegend rumfahren...am liebsten bin ich zuhause, Kontakte pflege ich keine mehr, nur meine einzige Freundin und einer meiner Brüder hat Zugang, doch ich habe in meinem Leben fast alles ausprobiert und so fehlt mir nichts. Ich bin gerne allein, einsam bin ich nicht, abgesehen davon lebt mein Sohn noch bei mir, aber ganz ehrlich, ich wäre glücklicher, wenn er sein eigenes Leben führen würde, denn meine Störungen belasten ihn und das will ich ganz und gar nicht.
Ich weiß nur, daß ich ohne Medikamente besser dran bin und ich alle belastenden Symptome bewusster und besser in den Griff bekomme, auch kann ich die Abwärtsspirale bei schweren Schüben irgendwie kontrollierter abmildern, unter Medikamenteneinfluß hatte ich überhaupt kein Gespür bzw keine Kraft dazu.
So, ich denke, diese Antwort war lange genug ( ich schreibe schon wieder ganze Romane... :oops: )...
Bis dann
L.G. mamschgerl

bee
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Re: Forum läuft leider auf Sparflamme

Beitragvon bee » Di 6. Mär 2018, 09:51

Hallo Mamschgerl,
vielen Dank für deine lange Antwort. Leider habe ich nicht den Mut, es ohne Medis zu versuchen. Bei meiner letzten Manie war es so schlimm, dass ich soviel kaputt gemacht habe, dass ich das nicht nochmal erleben will.
Ich bin knapp an einer gesetzlichen Betreuung vorbeigeschrammt - und da hört für mich wirklich der Spaß auf.
Als ich 1987 meinen späteren Mann in der Psychiatrie kennen gelernt hatte sind wir beide ohne Entlassung aus dieser abgehauen und ich habe jahrelang ohne Tabletten gelebt. Damals ging das noch...
Ich bewundere jeden, dem es gelingt, sein Leben ohne Psychopharmaka auch wirklich auf die Reihe zu kriegen.
Lg
Bine

mamschgerl
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Re: Forum läuft leider auf Sparflamme

Beitragvon mamschgerl » Di 6. Mär 2018, 10:57

Hallo Bine,
naja, ich bin weit davon entfernt, mein Leben auf die Reihe zu bringen, aber wenigstens habe ich alles sortiert ( finanziell ) und zusätzlich Belastendes ( darunter auch meine letzte Beziehung ) beendet. Das ist schon eine ganze Menge, was mich betrifft, doch alles andere, was man gemein hin als normal bezeichnet, ist nicht mehr möglich, aber wie gesagt, es gibt immer noch schlimmeres, oder?
Das klingt ja ziemlich abenteuerlich, was du erzählst, irgendwie romantisch. Ist dir auch schon aufgefallen, daß anscheinend nur Menschen, die ( von Ärzten diagnostizierte und die nicht erkannten ) sogenannte psychische Störungen haben, sich trauen, etwas außergewöhnliches zu tun?
Am Ende zählt doch nur der Moment, in dem man dazu imstande war...ich finde im Nachhinein, daß ich zwar eine Menge Blödsinn veranstaltet habe, doch als ich ihn veranstaltet habe, war es das Hochgefühl alleine schon wert.
Leider gibt es auch die Phasen, in denen man andere verletzt und sich selbst ebenso, eben die Phasen, in denen man seelisch ganz tief unten ist und die man nicht kontrollieren kann, da die Krankheit einen fest im Griff hat.
Ich denke, daß es für einige überlebenswichtig ist, Medikamente zu nehmen, um da wieder heraus zu kommen und ich will nicht bestreiten, daß sie mir bei meinem Zusammenbruch zu Anfang geholfen haben, doch mir ist in meinem Leben schon zuviel unter Alkohol- und Drogeneinfluß passiert, als daß ich es weiter ertragen könnte, fremdbestimmt zu sein, also ohne Kontrolle über das, was dieses Zeug am Ende auslöst. Das wiederum hat bei mir ganz eigene Ursachen und gilt daher auch nur für mich.
Ich verstehe deine Angst vollkommen, eine gesetzliche Betreuung wäre das Allerletzte, mit dem ich leben wollte, denn dann wäre der Selbstbestimmung jede Möglichkeit entzogen, für mich der absolute Horror.
Doch du schreibst, daß es langsam wieder in geordneten Bahnen verläuft, ob mit oder ohne Medikamente spielt daher momentan keine Rolle, wichtig ist, daß erstmal Ruhe einkehrt, danach kannst du dir immer noch Gedanken darüber machen, ob das ein oder andere Medikament nicht ganz langsam ausgeschlichen werden könnte, allein schon wegen der Nebenwirkungen...und wenn du damit besser leben kannst als ohne, dann ist es eben so.
L.G. mamschgerl

bee
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Re: Forum läuft leider auf Sparflamme

Beitragvon bee » Di 6. Mär 2018, 17:56

Hallo Mamschgerl,

vielen Dank für deine lange Antwort - ich kann jeden Satz nur unterschreiben! Ich denke auch, dass ich das eine oder andere Medikament irgendwann mal ausschleichen kann. Zum Glück habe ich eine Ärztin gefunden, die nicht immer gleich mit Tabletten kommt - die hohe Dosierung kommt noch aus der Klinikzeit, wo sie mich erstmal aus der Manie holen mussten. Was hab ich mich gut gefühlt in der Zeit - vieles ist mir jetzt einfach nur noch peinlich...
Meine Finanzen hab ich mittlerweile auch wieder im Griff und sogar das Rauchen hab ich wieder aufgegeben - was schwierig genug war.
Sogar meine Tochter hatte sich auf die Seite derer geschlagen, die mir eine gesetzliche Betreuung aufhängen wollten. Aber das habe ich ganz alleine abwenden können.
Nur allzu oft darf sich das ganze nicht mehr wiederholen! Daher wohl auch mein ängstliches Kleben an den Medis.
Zum Glück habe ich nicht so die großen Nebenwirkungen außer den eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten, was aber nur noch besser werden kann.
Ich wünsche dir einen schönen Abend
Lg
bine


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