Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4111
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Remedias » Di 28. Jan 2020, 20:29

Laura hat geschrieben: Du hast mich auf den Gedanken gebracht, dass Missverständnisse und Misstrauen eng miteinander zusammenhängen. Mein Misstrauen kann bei vertrauenswürdigen Leuten auch nervig oder gar kränkend ankommen
Ich befürchte , bei mir ist das kein Misstrauen , sondern Arroganz. Ich gehe davon aus, alles drei bis viermal erklären zu müssen und bin erstaunt, wenn der Therapeut gleich begreift, was ich meine. :lol:

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4494
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Mi 29. Jan 2020, 20:16

Wenn ein Helfer es aushält, anfangs unterschätzt zu werden, dann hält er viel aus. Nach meiner Erfahrung sind das am ehesten diejenigen, die ein bisschen schüchtern wirken und die im Leben wahrscheinlich auch schon öfter unterschätzt wurden. Die haben dann auch eher einen Draht zu Patienten, für die Stigmatisierung ein großes Thema in der Krankheitsbewältigung ist. Denn alles, was ein Patient an Selbstentfaltung braucht, wird ja vor der großen dunklen Wolke der Stigmatisierung umso schwieriger. Es geht ja nicht nur darum, zu zeigen, dass man nicht gemeingefährlich ist, sondern auch darum, zu zeigen, dass man kognitiv noch ganz gut drauf sein kann, solange man nicht unter Leistungsdruck gesetzt wird.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4111
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Remedias » Fr 31. Jan 2020, 13:54

@laura, ich glaube, dass sich darin sogar der Helfer mit narzisstischer Störung von dem jenigen unterscheidet, der es nicht ist.
Wenn der Therapeut mit sich im Reinen ist, hält er es in der Tat aus, ein wenig unterschätzt zu werden.
Der narzisstisch gestörte Therapeut hat dagegen das Modell "Ich oben - du unten" internalisiert. Der hilfebedürftige Patient kann gar nicht in bestimmten Bereichen überlegen sein, weil er eben Hilfe braucht. Ein perfekter Zirkelschluss. Für diese Therapeuten ist der Therapierende entweder gemeingefährlich oder unterlegen "Du armer Mensch !".
lG Remedias

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4494
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Mo 3. Feb 2020, 16:11

Versehentlicher Dreifachpost, gelöscht
Zuletzt geändert von Laura am Di 4. Feb 2020, 16:28, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4494
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Mo 3. Feb 2020, 16:11

Versehentlicher Dreifachpost, gelöscht
Zuletzt geändert von Laura am Di 4. Feb 2020, 16:29, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4494
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Mo 3. Feb 2020, 16:11

Hi Remedias!

Ich weiß schon, welche Sorte Du meinst und stimme Dir zu. In der englischen Sprache (ausgehend von Amerika) hat sich für solche Fehlbesetzungen ja auch der Schmähausdruck "Shrink" durchgesetzt (schrumpft dem Patienten nur zusätzlich das Selbstbewusstsein, anstatt davon noch zu retten, was zu retten ist, vorzugsweise bei Patienten, die weder einen Benimmkursus noch Nachhilfestunden bezüglich der Allgemeinbildung nötig haben)

In diesem thread geht es ja um das Positive in der Therapie-Branche, für die Patienten gesprochen. Es ist natürlich allzu verlockend, gerade hier doch mal das Negative zu benennen, damit es hier nicht allzu blumig zugeht. Vielleicht starte ich mal einen Extra-thread für therapeutische faux-pas.

Weißt Du, was in diesem thread an Hilfreichem aufgezählt wurde, ist ja die Bestätigung aus Patientenseite, dass es doch noch Therapeuten/Helfer gibt, die ihre Sache gut machen. Dass da also doch die fachlich vorgegebenen Aufgaben erfüllt werden (damit meine ich nicht unbedingt eine schnelle Heilung, sondern die Geduld von Weggefährten), auch wenn sich noch so sehr der Eindruck eines großangelegten Saftladens in puncto Seelenklempnerei aufdrängt
.
Mir geht aber immer wieder durch den Kopf, dass sich durch die positiven Erfahrungen, die hier genannt werden, auch die Fehlbesetzungen fälschlicherweise bestätigt fühlen könnten. Im Erfinden von Ausreden sind sie natürlich besonderes "professionell". Und wenn einem als Patient in manchen Situationen wirklich nichts anderes übrig bleibt als sich dumm zu stellen, dann bestätigt man natürlich nolens volens deren Bild vom "dummen Patienten", dem nun mal nicht anders zu helfen sei oder bei dem man sich ruhig mal ein paar Nachlässigkeiten erlauben kann, weil der ja eh nix peilt...(oder weil doch gerade wir Schlümpfe auf der Patientenseite doch am ehesten verstehen müssen, dass die Schlümpfe auf der Behandlerseite doch auch nur Menschen sind...

Eigentlich weiß ich bei den Fehlbesetzungen immer weniger, wer da gerne mal wider besseren Wissens handelt und das mit Regelmäßigkeit oder wer den Mist, den er seinen Patienten aufsagt, womöglich selbst glaubt...
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4111
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Remedias » Mo 3. Feb 2020, 17:05

Hi ; Laura,
du hast Recht, hier im Thread geht es natürlich um die hilfreichen Therapeuten ,
also um die , die nicht auf der dunklen Seite stehen,
doch manchmal erklärt man einen Sachverhalt am besten durch das Konträre.

liebe Grüße Remi

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4494
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Di 4. Feb 2020, 15:24

To defend bad from worse, worst case scenarios sind in Form von Albträumen schließlich schlimm genug.

Immerhin kann man ja immer wenigstens seine Einstellung ändern, hihi, nä? Muss ich das jetzt inne Ich-Botschaft umformulieren??? "Ich habe das Gefühl, dass man eigentlich immer nur seine Einstellung verändern kann." Paranoide Gedanken oder gar nicht mal so abwegige Befürchtungen erspare ich mir an dieser Stelle. Deswegen wage ich hier auch keine Gedankenmodelle bezüglich der Umschulungsmaßnahmen für gefloppte Helfer. Heutzutage werden Arbeitsplätze allüberall schon aggressiv genug verteidigt.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4494
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Di 4. Feb 2020, 16:24

Der Zwischenschritt zwischen Deinem Beitrag, liebe Remedias, und meinem, kommt hier: Ich bin sehr besorgt darum, dass negative Erfahrungen, so sehr sie einem auch zur Reifung verhelfen können, immer noch verkraftbar bleiben müssen. Und das sage ich, gerade weil ich nicht möchte, dass mit dem Tod alles schon aus sein soll. Insofern werde ich im Moment sogar schon auf linguistischer/rhetorischer Ebene nervös, wenn es um das Hilfreiche an allem Gegensätzlichen geht. (Die warme Mahlzeit mit dem Namen "Himmel und Hölle" ist auch nicht gerade jedermanns Leibgericht) Eigentlich nutzen wir hier auf rhetorischer Ebene das Konkurrenzverhalten der Sozialkarrieristen untereinander zu unseren Gunsten. Das könnte man uns auch böse auslegen, aber bevor ich mich undankbar schimpfen lasse ("so schlecht kann doch nicht mal der schlechteste Helfer sein???"), hätte ich auch gerne, dass so einige Psychiatrie-Helfer woanders erleben dürfen, dass es stressigere Jobs gibt, als Kaffee um die Wette zu saufen und sich über Langeweile zu beklagen, wenn sich in der jeweiligen Patientengruppe auf so "langweilige Weise" manierlich benommen wird
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

mamschgerl
Beiträge: 1138
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon mamschgerl » Do 6. Feb 2020, 08:23

...ich frage mich, ob nicht auch - außer den notwendigen Voraussetzungen - die Fähigkeit, bestimmte, abhanden gekommene oder auch noch nie gefühlte Emotionen hervorzurufen, eine besondere Empathie für die Betroffenen widerspiegelt, also wirkliches Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Ursache, die für dieses Manko verantwortlich ist bzw war.
Ich vermisse unter anderem z.B. das Gefühl, stolz auf mich sein zu können oder auch, daß es Menschen in meinem Leben gäbe, für die ich soviel Vertrauen und Zuneigung aufbringen könnte, daß es mir etwas bedeuten würde, wären diese stolz auf mich.
Ist es nicht eine essentielle Antriebsfeder, wenn nicht sogar der Hauptgrund, warum man sich anstrengt?
Dieses Gefühl, etwas geschafft, ein Ziel erreicht zu haben, das man selbst und eben auch die für einen wichtige Person/en mit diesem Stolz honoriert.
Meine Therapeutin betete mir das vor, ich solle lernen, mich so wertzuschätzen, daß ich bei Erreichen eines Zieles auch diesen Stolz fühlen könne.
Leider kann ich keine Ziele setzen, da ich die Wichtigkeit nicht sehe bzw erkenne bzw die Verbindung für mich selbst nicht herstellen kann, da ich für mich selbst im eigentlichen Sinne unsichtbar bin.
Anerkennung verstehe ich nicht, weil ich nicht begreife, was zum Teufel anerkennenswert wäre von dem, was ich geleistet habe. Darüber Worte zu verlieren oder gar Leistungen hervorzuheben, widerstrebt mir zutiefst und ich kann nicht verstehen, was daran außergewöhnlich oder erwähnenswert sein sollte.

Für mich also wäre ein guter Therapeut jemand, der es schaffte, mich mit mir in Verbindung zu bringen.
Jemand, der nicht die ewigen, verbalen Fähnchen wie "du musst dich wertschätzen", "Selbstachtung erarbeiten", "Ziele setzen" etc schwingt, sondern es wirklich versteht, daß ich all das niemals empfunden habe und einfach nicht begreifen kann, was das mit mir zu tun hat, weil ich mich eben selbst nicht so wahrnehmen kann.
Diese innere, zum Zeitpunkt des Geschehens überlebensnotwendige Abspaltung rückgängig zu machen, damit ich mich selbst fühlen kann, das wäre ein Kunststück der besonderen Art.

Jeder hat sein Päckchen zu tragen und die selbe Diagnose ist trotzdem bei jedem anders und individuell anzugehen. Das zu beherzigen, ist eine gute Voraussetzung für eine persönlichkeitsorientierte Arbeit und zeichnet für die Kompetenz des Therapeuten.
Und sollte alles nicht fruchten ( so wie bei mir ), zählt Ehrlichkeit natürlich auch dazu; man sollte offen darüber reden können, daß man mit den Symptomen künftig umzugehen lernen muß, ohne deswegen noch weiter gefrustet zu sein oder etwas hinterherzutrauern, was nie vorhanden war.

mamschgerl

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4494
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Do 6. Feb 2020, 14:00

Ich möchte nur mal kurz meinen Lapsus in meinem vorigen Beitrag korrigieren. Ich meinte die regionale Spezialität "Himmel und Erde" (Blutwurst mit irgendwas), nicht "Himmel und Hölle" (hat schon mal irgendjemand eine Speise so benannt?). Wollte eigentlich nur andeuten, dass meine Ängste leicht ausufern können, wenn ich an Gegensatzpaare denke, und dass ich in Gedanken schnell bei dem Gegensatzpaar "Himmel und Hölle" ankomme, wenn es darum geht, das Gute über das Schlechte entweder erfahrbar oder erklärbar zu machen. Gehört halt zu meinen Ängsten dazu, da kann auch kein professioneller Helfer was für. Immerhin meide ich in letzter Zeit Alles-oder-nichts-Geschichten, sogar im Fantasy-Genre!

Hab ja schon Angst, dass das hier ein schlechter Helfer liest, empört ist, endlich feststellen zu müssen, dass seine Patienten nicht nur seine Fehlleistungen durchschauen können, sondern auch seine eigene mangelnde Bereitschaft zu Klärungsgesprächen. Wäre ja schlimm, wenn er nur aufgrund des Lesens aller Kritik in diesem Forum noch mehr Fehlleistungen erbringen würde. Besser gefällt mir natürlich die Vorstellung, er passt nun besser bei der Arbeit auf. Mal sehen, wie das wird, falls ausgerechnet ich dem irgendwann im rl über den Weg laufen muss...
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4111
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Remedias » Do 6. Feb 2020, 15:36

Hallo mamschgerl und Laura,
mamschgerl hat geschrieben: Jemand, der nicht die ewigen, verbalen Fähnchen wie "du musst dich wertschätzen", "Selbstachtung erarbeiten", "Ziele setzen" etc schwingt, sondern es wirklich versteht, daß ich all das niemals empfunden habe und einfach nicht begreifen kann, was das mit mir zu tun hat, weil ich mich eben selbst nicht so wahrnehmen kann.
Diese innere, zum Zeitpunkt des Geschehens überlebensnotwendige Abspaltung rückgängig zu machen, damit ich mich selbst fühlen kann, das wäre ein Kunststück der besonderen Art.
Dazu habe ich in einem anderen Forum geschrieben:

ich lese es immer wieder, man bräuche nur mehr Selbstbewusstsein ,.....oder mit mehr Selbstbewusstsein wäre das und das anders.
Klingt ein wenig, als wäre Selbstbewusstsein eine rare, aber durchaus verfügbare Ware. ;)

Meine Reaktion ist aber eher, wenn mir jemand "vorwirft" , "Du hast halt nicht genug Selbstbewusstsein !"
(eigentlich seltsam, dass das oft wie ein Vorwurf formuliert wird.... ?( )
"Oh Gott, das haste also auch nicht." und unter den vielen tatsächlichen und gefühlten Mängeln addiert sich da nur einer noch dazu , die da wären : Zu dick, zu groß, zu unweiblich, zu wenig sportlich, zu eigenartig, zu verrückt, zu wenig selbstbewusst .....

Daher interessiert es mich : Was kann man dafür tun, mehr Selbstbewusstsein zu bekommen?
Und : Kann man anderen Menschen als Vater, Mutter, Freund(in), Ehefrau oder Mann, Schwester, Bruder, Cousine, Schwager etc. denn zu besserem Selbstbewusstsein verhelfen?
Wie sieht solch eine Hilfe aus ?

Ich lese immer wieder, wie Eltern die Persönlichkeit eines Kindes formen, allerdings eher im Negativen. Was könnte man Eltern .... raten, wie sie das Selbstbewusstsein ihrer Kleinen aufbauen?

Und last not least : Wie definiert ihr Selbstbewußtsein überhaupt?

( das Deutsche hat nur ein Wort dafür, oder? Im Spanischen gibt es zwei Begriffe , auto- conciencia = Selbstbewusstsein ,aber eher philosophisch, sich selbst bewusst sein und auto- estimo = Selbst- Wertschätzung )

Laura hat geschrieben: Hab ja schon Angst, dass das hier ein schlechter Helfer liest, empört ist, festzustellen, dass er durchaus durchschaut wird und irgendwann falle ich dem dann doch in die Hände, er macht mich als die "Laura" aus dem Internetforum ausfindig und will mir nur umso aggressiver Vertrauen und Respekt einbrüllen. Natürlich gefällt mir die Vorstellung besser, dass hier auch schlechte Helfer mitlesen und bei denen ein positiver Aha-Effekt rausspringt ("Ach so, deswegen mögen mich die Patienten nicht und werden durch meine Mitwirkung eher kranker als gesünder und ich hatte gedacht, gerade in diesem Bereich würde mir Unbeliebtheit nichts ausmachen können...)
Ich glaube nicht, an den positiven Effekt, leider , es ist eine Katze, die sich in den Schwanz beißt.
Gute Helfer werden dazu nicken, die von der dunklen Seite glauben per Defintion nicht, dass man irgendwie recht haben könnte, da man als "verrückt" diagnostiziert ist , was ja ausschließt, dass man Recht hat :mrgreen:



liebe Grüße Remedias

PS : Laura, Mamschgerl
mamschgerl hat geschrieben: Ich vermisse unter anderem z.B. das Gefühl, stolz auf mich sein zu können
ganz offen, ihr seid meiner Meinung nach ziemlich clever. Dazu mitfühlend und freundlich . Da ist also sehr viel, auf was ihr stolz sein könntet.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4494
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Do 6. Feb 2020, 15:55

Danke, Remi, das bist Du natürlich auch, aber schon klar, warum Du Dich selbst von dem Kompliment ausgenommen hast. Man lobt sich ja nicht so mir nichts dir nichts selber, auch nicht in der "wir"-Form!

Im Moment genieße ich es, wenigstens in diesem Forum ein bisschen Tacheles reden zu dürfen. Es mag ja sein, dass in meinem Fall Therapie usw. tatsächlich gar nicht so viel bringen kann. Ich finde es nur schwer auszuhalten, dass da immer noch Vorwürfe lauern, es hätte ja nur an meiner mangelnden Compliance und sonst was gelegen, dass ich auch jetzt noch nicht wirklich über den Berg bin. Diese rhetorische Keule der Eigenverschuldung oder als ob eine psychische Erkrankung heimlich immer noch stets als Schicksalsstrafe zu bewerten sei (Stigma also) bildet nicht nur ein Faszinosum, sondern macht es schlechten Helfern natürlich bequem.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

mamschgerl
Beiträge: 1138
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon mamschgerl » Do 6. Feb 2020, 19:30

Hallo ihr zwei,
danke für das Kompliment, remedias, ich muß Laura natürlich beipflichten, was dich betrifft. :razz:
Aber genau das ist der Knackpunkt, denn das, was wir als selbstverständlich empfinden im Menschendasein und dem Miteinanderumgehen, ist in meinem eigenen Erleben nicht erwähnenswert, wird aber als eine Eigenart hervorgehoben, auf die man stolz sein kann.
Sagen wir mal so: ich bin erstaunt und auch etwas froh darüber, daß ich mich trotz allem nicht totgesoffen oder mir mit anderen Drogen ins Jenseits verholfen habe, ganz zu schweigen von anderen Folgeschäden oder Selbstschädigungen.
Ich wundere mich sogar oft darüber, daß ich fremdfühlen kann, wo ich doch für mich selbst keine Emotionen wahrnehme und mir nur vorstellen kann, wie ein Gefühl auszusehen hat ( Stichwort "Geborgenheit", die ich einmal in meiner jetzigen Wohnung beim Heimkommen kurz aufflackern fühlte und mir dachte, daß es sich genau so anfühlen müsste ).
Ich finde es schön, wenn andere sich über etwas freuen, Glück haben, Liebe spüren, Spaß empfinden, genauso wie ich es unerträglich finde, wenn jemand anderes leiden muß.
Doch stolz auf mich selbst zu sein, käme mir gar nicht in den Sinn, denn alles, was ich erlebt und durchgemacht, überlebt und überstanden habe ( wie meine Therapeutin es so gerne ausdrückte ), habe ich nie in diesem Bewusstsein gesehen oder hinterfragt.
Ich habe oft gesagt, ich lebe nicht das Leben, das Leben lebt mich...ich denke, das drückt alles aus.
Ein guter Therapeut sollte da sagen können: " Okay, dann schauen wir mal, wie du damit umgehen kannst, damit du deswegen nicht ständig negative Gefühle oder Minderwertigskeitskomplexe bekommst...".
Es ist, wie es ist und das akzeptieren zu können, darin liegt die Kunst, die ein Therapeut einem nahebringen können sollte.
L.G.
mamschgerl

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4494
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Di 11. Feb 2020, 11:24

Hallole!

Erstmal möchte ich bekunden, dass das, was Du von mir zitiert hast, liebe Remi, aus dem Beitrag von mir stammt, den ich zwar schon abgeschickt hatte, dann aber doch ein bisschen editiert habe, damit er weniger giftig klingt. Und da haben sich meine Editierung und Deine Antwort samt dem Zitat wohl gerade so überschnitten, dass mein editierter Beitrag nur kurz vor Deiner Antwort erschien. Sinngemäß passt es ja immer noch, nur dass ich mich manchmal doch bemühe, weniger grimmig (weniger verrückt) zu klingen.

Und ansonsten werfe ich hier mal den vermutlich altbekannten Gedanken auf, dass man mit Worten (so auch professionellen Psycho-Aufbaugesprächen) schon einiges bewirken kann, dann aber halt auch nicht alles und schon gar nicht auf die Schnelle. "Auf die Schnelle" kann auch einen Zeitraum von fünf Jahren bedeuten. Mich kann man eigentlich nur noch begleiten und mir dabei helfen, meinen Kopf über Wasser zu halten. Ein paar (jüngere ) Gutmeiner würden gerne viel für mich morsches altes Wrack bewirken und können schwer akzeptieren, dass das "psychiatrische Einmaleins" einen alten Hasen wie mich eigentlich nur noch nerven kann. Habe ich denn schon dieses ausprobiert, habe ich denn schon jenes ausprobiert, was sagt denn mein Arzt dazu, was hat mir denn bisher ganz gut geholfen, was könnte ich mir denn heute noch Gutes tun. Soll ich denn da herunterleiern, was ich in all den Jahren schon alles ausprobiert und angestrebt habe und dass ich nun dennoch da hänge, wo ich hänge?

Vor etwa zwanzig Jahren muss ich tatsächlich niedlicher gewesen sein und besser ins Kindchen- und Weibchen-Schema gepasst haben. Damals haben mich einige Situationen allenfalls stutzig gemacht, im Rückblick bewerte ich sogar solche Situationen, die noch aus meiner "niedlichen Patientenphase" stammen, grolliger. Man kann ja aber auch nicht so dermaßen apriorisch abblockend durchs Leben gehen, dass man am besten mit niemandem persönliche Dinge besprechen sollte. Der eigene Leidensausdruck sorgt schon dafür, dass man weiterhin mal hier, mal da angedackelt kommt.

Das wirklich Hilfreiche an professionellen Helfern betrifft zum großen Teil Dinge, die man eigentlich im Familien- und Freundeskreis finden sollte. Es heißt, denen ginge das zu nahe, sie sehen einen nicht gerne leiden und werden dadurch handlungsunfähig und irgendwie kennen sie sich nicht so damit aus und wollen einem daher nichts Falsches sagen. Man muss zu Spezialisten und darf aufgrund der notwendigen professionellen Distanz gar nicht so viel von all dem erwarten, was man schon nicht im privaten Umfeld bekommen hat. Was'n Pech aber auch!
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


Zurück zu „Gedanken zu einer neuen, anderen, besseren Psychiatrie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste