Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

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fluuu
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Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon fluuu » Mi 22. Feb 2017, 09:58

Das mit den fremden Problemen ist relativ denn die menschlichen Probleme der Psyche hat jeder,
nur wenn dabei eine massive und akute Störung vorliegt werden die Konflikte individuell.
Dann liegt es am guten Therapeuten sich empathisch hineinversetzen zu können um so ein
Gespür zu haben für den genau passenden Lösungsweg. Der kann manchmal gut Zureden
bedeuten und manchmal mit List die Daumenschrauben ansetzen so, dass der Klient es nicht
bewusst mitbekommt und den richtigen Lösungsweg trotzdem erkennt. Die therapeutische
Beziehung hat eine starke suggestive Kraft, dafür sollte das Bewusstsein eine klare Haltung haben.
gruß fluuu

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Remedias
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Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Remedias » Mi 22. Feb 2017, 13:57

Meine Psychotherapeutin ist hilfreich, weil sie davon ausgeht, dass alle Lösungen schon in mir selbst vorliegen und nur verschüttet sind. Sie hilft mir, sie wieder zu finden. Sie wendet niemals Tricks an - wenn sie das tun würde und ich würde es bemerken, wäre ich vermutlich sehr beleidigt, dass sie mich so unterschätzt. Sie hilft mir, vieles unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Maria Montessori stellte ihre Pädagogik unter das Motto "Hilf mir , es selbst zu tun!" Das ist auch die Haltung meiner Psychotherapeutin.

Welche Eigenschaften ich hilfreich empfinde: Empathie, Intelligenz, Klugheit, Wertschätzung , Klarheit, Offenheit , Fähigkeit zur Analyse, Relativierung, Humor, Festigkeit, Ruhe , Furchtlosigkeit


Welche Eigenschaften ich bei Therapeuten nicht ertrage: Narzissmus, Unaufrichtigkeit, Unklarheit, Schwammigkeit, Arroganz , Dummheit, Unverständnis, Überheblichkeit, Angst

liebe Grüße Remedias

mamschgerl
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Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon mamschgerl » Mi 22. Feb 2017, 22:05

meine langzeittherapie dient lediglich noch zur unterstützung, weil leider weiter keine fortschritte mehr zu erwarten sind, doch waren all diese tränenreichen gespräche hilfreich hinsichtlich des wahrnehmens meiner person.
sicher, ich bin weit entfernt davon, all die defizite, die mich das, was mir probleme bereitet, frühzeitig erkennen zu können, unmöglich machen, auszuräumen, doch ich bin alleine durch diese ständige betreuung etwas ruhiger geworden bzw. selbstbewusster im umgang mit meinen psychischen problemen.
alleine durch die tatsache, daß ich über dinge sprechen konnte, bei denen mein gegenüber nicht die hände über dem kopf zusammenschlägt, wurde es mir leichter, dazu zu stehen und es mich wenigstens versuchen zu lassen, damit irgendwie unbeeinflusst von jeglichen substanzen und sonstigen ablenkungsmanövern zu leben.
ich kann nicht mehr erwarten, das alleine ist schon wahnsinnig viel.
die geduld meiner therapeutin ist scheinbar grenzenlos und sie hat es nicht leicht mit mir.
sie nimmt kein blatt vor den mund und bremst mich aus, wenn ich wieder laut werde oder mich hineinsteigere und seltsamerweise kommt sie zu mir durch.
hier stimmt die chemie und das beinhaltet alles, was wichtig ist. trotzdem ich ihr ( und auch keinem anderen ) nicht annähernd so vertrauen könnte, um mehr von mir preiszugeben und sie nur die spitze des eisberges zu sehen bekam, so kann sie dennoch damit arbeiten, und das rechne ich ihr hoch an.
sie bedrängt mich nicht und lässt mich spüren, daß ich jederzeit gehen oder freiwillig bleibe kann, das vermittelt eine sicherheit, die ich unbedingt brauche und ohne die jegliche weitere stunde vergebens wäre.
sie manipuliert nicht, sie versucht nicht subtile steuerungsmethoden anzuwenden, sie ist ehrlich und geradeheraus.
zuhören hat für sie eine bedeutung und ihre bemerkungen bezeugen das.
momentan bin ich eher abweisend, weil ich mich nackt und blossgestellt fühle, nach meinen empfindungen habe ich schon viel zu viel von mir preisgegeben ( wie gesagt, die oberfläche wurde nur leicht angeschabt ), doch das gehört mit zu meinen problemen, ich fühle mich schutzlos und angreifbar, verletzbar, wenn jemand etwas von mir weiß und sei es nur meine telefonnummer...
dennoch schafft sie es, daß ich nicht die flucht ergreifen will, sie versucht nicht, diese empfindungen klein zu reden oder sie als kindisch abzutun bzw mir das gefühl zu geben, daß ich geführt werden müsste, weil ich nicht zu rationalem denken fähig wäre.
kurz, ich schätze diese person.
das beruht auf gegenseitigkeit und so soll es sein.

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Remedias
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Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Remedias » Do 23. Feb 2017, 11:39

Hallo mamschgerl,
ich merke gerade an deinem Text, dass für uns Klarheit und Wahrheit ganz wichtig sind - ich für meinen Teil wurde schon genug belogen. Manipulatives Verhalten geht gar nicht.....
eventuell deswegen habe ich es meinem Psychiater so übel genommen, dass er mich über die Wirkung von Neuroleptika belogen hat.
"Geduld" aus deinem posting, dass würde ich der Liste der mir guttuenden Eigenschaften eines Therapeuten noch gerne hinzufügen, danke für diese Anregung.

liebe Grüße Remedias


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