Geleitwort zu "Der Chemische Knebel" von Peter Leh

hotspot1932
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Geleitwort zu "Der Chemische Knebel" von Peter Leh

Beitragvon hotspot1932 » Do 12. Okt 2006, 23:23

Lieber FE!

Diese Meinungen gibt es auch. Es ist als Diskussionstoff gedacht und ich hoffe auf regen austausch.

Beim Lesen dieses Buches begriff ich viele Dinge: die Gefahr antipsychotischer Medikamente, das heimliche Einverständnis deutscher Psychiater mit
der Endlösung (der Ermordung psychiatrischer Patienten und Patientinnen) während des 2. Weltkrieges, die Heuchelei der modernen Psychiatrie. Aber vor allem half es mir, mein eigenes Selbst zu verstehen, und zuletzt verschlug es mir den Atem. "In der Tat", sagte ich mir, "dies ist wirklich wahr. Es hat mich überzeugt. Deshalb bin ich nicht für die Reform der Psychiatrie, sondern für ihre Abschaffung, wie ich auch für die Abschaffung der Sklaverei oder der Apartheid bin. Wenn etwas falsch ist, moralisch falsch, verschwende deine Energie nicht damit, es zu erhalten, sondern lasse es hinter dir."
Ich habe durch dieses Buch mehr über die geheime, innere Arbeitsweise der Psychiatrie gelernt als zuvor in zehn Jahren psychoanalytischer Ausbildung. Nach einer persönlichen Analyse (fünf Tag in der Woche über fünf Jahre) und verschiedenen anderen psychotherapien war das Lesen dieses Buches die beste Therapie, die ich je erlebte.
Intuitiv hatte ich gefühlt, dass Psychiater Verbrechen gegen die Menschlichkeit verüben. Aber es war schierig, diese Intuition in Worte zu fassen. Nun nimmt Peter Lehmann auf einen Schlag der Psychiatrie alles Mystische, so dass, wenn jemand sagt, Psychiater meinen es gut", die Antwort sein
muss: "Nein, sie tun das, was sie meinen, und sie meinen es schlecht." Peter Lehmann stellt kurz ud bündig fest: " Ihre eigene Tätigkeit besteht darin, gesunde Menschen mit - Medikamenten genannten - Giften krank zu machen", und dies ist präzise das, was Psychiater auf's Beste tun.
Lesen Sie dieses Buch, und Sie werden sich fühlen, als kämen Sie aus dem Nebel in lichten Sonnenschein. Vieles, was Ihnen verdächtig war und was Sie intuitiv fühlten, wird völlig klar werden. Alle meine schlimmen Verdächtigungen gegen die Psychiatrie wurden bestätigt - durch dieses Buch, das eine einfache und humane Sprache spricht. Es ist eine Arbeit von richtungweisender Klarheit. Schlagartig erkannte ich, dass wir alle auf dieselbe (schlechte) Weise auf Neuroleptika reagieren: sogenannte normale Leute, Psychiater, sogenannte Schizophrene und sogar Spinnen (die dann aufhören, Netze zu spinnen - ohne Zweifel ein Triumph der Psychiatrie). Nirgendwo sonst wurden die vielen ernsten Gefahren der Neuroleptika derart sorgfältig katalogiesiert. Lesen Sie diese Buch, werfen Sie Ihre Psychopharmaka weg, verlassen Sie Ihren Psychiater und geloben Sie, niemals einen anderen Menschen Verrückt zu nennen außer im iebevollem Scherz.

Jeffrey M. Masson
Berkley (Kalifornien)
Ehemaliger Direktor des Sigmund-Freud-Archivs
und Psychoanalytiker

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Laura
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Beitragvon Laura » Fr 13. Okt 2006, 06:09

Hallo hotspot 1932!

Kratzt es schon an der Würde eines Menschen, dass sein Gemütszustand durch schnöde Chemie beeinflussbar ist? Sicher sind wir Menschen mehr als biochemische Apparate mit ein bisschen Denkvermögen und Gefühlsleben und sicher nehmen wir z. B. Nahrung auch nicht nur auf, um unseren Körper zu erhalten, sondern auch unsere Seele. Aber entwertet es die menschliche Seele grundsätzlich, wenn ein seelischer Leidenszustand durch Chemie gelindert werden kann? Was, wenn man die "bösen" Psychopharmaka als echte Hilfe und sogar als lebensrettend empfindet?

Der Vater einer Schulfreundin von mir ist relativ früh an einer körperlichen Krankheit gestorben, weil er nie zum Arzt ging, sondern die Selbstheilungskräfte des Körpers überschätzte. Es gibt also auch Leute, die für körperliche Krankheiten eine u. a. medikamentöse Behandlung ablehnen und u. U. dafür mit dem Leben bezahlen.

Ich habe nach Peter Lehmann gegoogelt und einen Artikel von ihm gefunden. Irgendwie erinnern mich diese Antipsychiatristen an die Zeugen Jehovas, die Bluttransfusionen ablehnen und sogar die eigenen Kinder deswegen draufgehen lassen würden.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Fr 13. Okt 2006, 13:23

Woher nimmst du denn die Information, daß Seroquel die Aufräumarbeiten verhindert? Ohne Seroquel kann ich nicht schlafen, also ohne es finden bei mir die Schalfaufräumarbeiten nicht statt.

Ich war gewiss nicht gesund, als ich Neuroleptika bekam, auch habe ich niemals einen Gesunden getroffen, der diese einfach mal nur so, weil die Pharmaindustrie ihre Produkte loswerden will, verschrieben bekam.

Gruß, Helene
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Chaos-Fee
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Beitragvon Chaos-Fee » So 15. Okt 2006, 18:10

Hallo!

Ich möchte das
Lesen Sie diese Buch, werfen Sie Ihre Psychopharmaka weg, verlassen Sie Ihren Psychiater
eigentlich nicht diskutieren, aber irgendwas zwingt mich dazu, 2 Sätze zu schreiben:

1. Wenn mein Sohn das getan hätte, ginge es ihm schlecht - wenn er noch leben würde !

2. Dann müßte man auch Krebskranken, die nach Meinung der Ärzte Chemotherapie benötigen, das gleiche sagen !

Fee

alaska
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Beitragvon alaska » So 15. Okt 2006, 23:20

hallo hotspot,

für mich waren die bücher von peter lehmann ein baustein zur veränderung meiner damaligen situation.
es war für mich etwas komplett neues, eine entgegengesetzte sichtweise auf die niederschmetternde alternative - chronikerstation -

ich habe im herbst 1994 (nach 12 jahren) alle neuroleptika abgesetzt. das folgende jahr war geprägt von heftigen physischen und psychischen absetzerscheinungen.
das sich wiederfinden in einer sehr realen welt war ein wenig wie laufenlernen und die bücher von lehmann und zehentbauer waren sozusagen mein motor - weiter zu machen.
und von woche zu woche wurde ich wacher und klarer und hatte tagtäglich die möglichkeit mich neu zu entscheiden - zurück in die ( scheinbare ) geborgenheit der anstalt mit den alles dämpfenden neuroleptika - oder raus in die welt.

und nur durch das absetzen der medikamente hatte ich wirklich die wahl.

im nachhinein sehe ich das viel kritischer und würde diesen weg nicht empfehlen aber für mich war es der einzig mögliche.

ich halte rein gar nichts von fundamentalismus, egal in welchem sinne aber diese bücher waren ein sehr wichtiger anstoß für mich.

Christian
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Beitragvon Christian » Mo 23. Okt 2006, 12:15

Hallo, hotspot1932!

Das was Du schreibst denke und fühle ich auch oft. Nicht nur im Bezug auf Medikamente, sondern auch im Zusammenhang mit Theorien, die mir oft unmenschlich und gewaltvoll vorkommen.

Wie aber kann denn Menschen mit seelischer Not ohne die Psychiatrie geholfen werden? Ich meine, was ist die Alternative zur Abschaffung der Psychiatrie? Wenn ich Dich richtig verstehe, dann bist Du auch gegen die Reform-Psychiatrie, so wie Klaus Dörner sie in Deutschland mitbegründet hat. Was bleibt dann noch, um den Menschen die jetzt erkrankt sind zu helfen?

Grüße

Christian

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Di 24. Okt 2006, 11:39

Die Medikamente nehmen mir die Freiheit,

- nicht mehr schlafen zu können
- Situationen anders zu deuten, als meine Mitmenschen
- ungehemmt meine Intuitionen auszuleben
- Stimmen zu hören
- gequält zu sein
- nicht mehr essen und trinken zu können
- mich völlig allein in einer anderen Welt zu befinden
- mit dem Alltag nicht mehr zurechtzukommen
- nicht mehr gemeinschaftsfähig zu sein
- zu verwahrlosen
- pausenlos denken und mich in mir nicht mehr wohl zu fühlen

Diese Aufzählung ist erweiterbar. Ich verzichte auf die Freiheiten, die mir die Medikamente nehmen.

Gruß, Helnee
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fluuu
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Beitragvon fluuu » So 29. Okt 2006, 14:55

Hallo miteinander,

das Buch "Der Chemische Knebel" habe ich auch im
Bücherregal und ich lasse es dort auch weiterhin
stehen, bisitze es schon seit vielen, vielen Jahren,
habe es mal billig vom Wühltisch bekommen.
Der Titel dient bei mit zur Abschreckung und Abhärtung
um die Realität zu begreifen. Bin ansonsten kein
Midikamentengegner, hasse die Psychopharmakaindustrie
nicht mehr wie jeden anderen Großkonzern und bin auf
keinen Fall ein Fan von Peter Lehmanns
Antipsychiatrieverlag. Mir wurde in der Psychiatrie das
Leben gerettet und nun lebe ich weiter und bin froh
darüber, denn ich habe ein zufriedenes und manchmal
glückliches Leben wegen Psychiatie, Medikamenten und
Ärzten/Therapeuten.
Arbeite als bibolarer Künstler und das sehr
erfolgreich nach meinen Kriterien und setze mich so
auch stark mit gesellschaftlichen und sozialen
Problemen auseinander.
Wer behauptet die Psychiatrie, die Pharmaindustrie
oder die Ärzte sind schuld am Leid der Menschen,
ist in meinen Augen ein bedauernswertes Geschöpf da
so dermaßen am Leben vorbei und die wahren Ursachen
ignorierend, da habe ich nur tief empfundenes Mitleid.

gruß fluuu
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Diger_Diga
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Beitragvon Diger_Diga » Mi 21. Feb 2007, 16:30

Ich war lange Zeit nicht aktiv im forum (bestimmt für einige monate) dennoch muss ich mich an diesem thema wieder beteiligen!
Ich bin geschockt in wie weit Menschen (ich behaupte mal mit einer extrem einsichtigen Weltansicht) ärzte preisen als ob sie der grund sind für euer manches wohlempfinden.
Das mag in bereichen wie der chirurgie zutreffen (wo man verhältnismäßig grobe arbeiten verrichtet) jedoch zur Zeit NICHT im bereich der "psyche"!

Es ist zwar ein gebiet das Forschung braucht aber nicht um den Preis! Ich finde jenes Gebiet WESENTLICH korrupter als die "Gen-Forschung"!

Das Menschen nachdem absetzen wirklich noch weniger zurecht kommen liegt in der tat daran dass die medikamente dich jenen natürlichen funktionen berauben die du brauchst um überhaupt zurecht zu kommen! Dass manche Menschen glauben es ohne Medikamente nie hätten schaffen können ist ein irrglaube der nur zeigt wie schlecht man unterbewusst eigentlich von sich denkt und wie weit man schon in den "kranken" glauben der gesellschaft verstrickt ist dies sich selber nichtmal zuzutrauen und zu sagen man braucht die hilfe anderer im sinne von verabreichung einer ordentlichen dosis neurotoxischer Substanzen!
Wenn ein Mensch es nicht schafft dann auch nicht durch Medikamente! Wenn er es jeddoch durch die Medikamente schafft, dann hätte er es auch ohne geschafft und erst recht mit einem placebo weil diese Medikamente ein Entkommen der von den Menschen erfundenen Krankheiten der "Psyche" noch schwieriger machen. Ich selber merke jeden tag wie ich mit informationen zuballert werde die ich nicht mehr verarbeiten kann - Nicht nur nicht verarbeiten sondern nichtmal deuten teilweise und Dennoch merke ich da sind welche die mich sämtliche andere sachen unfähig machen durchzuführen! Schon damals habe ich eine Menge Informationen aufgefasst die ich aber noch verarbeiten konnte, nachdem ich allerdings unter dem einfluss der medikamente stand wurde alles ausgeblendet ich galt für andere auf plattdeutsch praktisch als "authist" (für deren sprachgebrauch einfach jemand der nicht mehr an seiner umwelt teilnimmt)
Ich glaube, dass durch diese Substanzen völlig "wirre" vernetzungen geschaffen und vor allem gelöst werden wie sie nicht wirklich bei einem natürlichen Menschen vorkommen würden. Nach dem Absetzen wird einem persönlich das volle ausmaß des schadens bewusst und versucht als natürliche gegenmaßnahme den schaden wieder zurichten was für andere eher so aussieht als ob seine "krankheit" fortgeschritten ist!

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bzgl. des kommentars "ohne seroquel" kann ich nicht schlafen: Ich selber habe seroquel (500mg) genommen und kann dir aus meiner erfahrung sagen, du scheinst zu schlafen, aber wirklicher schlaf ist das nicht was du da empfindest! (ohne schlafphasen R.E.M etc..)es gleicht mehr einem totalen weggetreten sein allerdings ohne deine schlafphasen. du fühlst dich auch nicht ausgeschlafen sondern deine schlaflosigkeit die dich ohne medikamente "verrückt" machen würde wird durch die sedation des seroquels massivst gedämpfst. dass du dir dessen nicht bewusst bist finde ich ziemlich besorgniserregend. allerdings bist du mit vielen ärzten nicht der einzige der so denkt!

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Laura
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Beitragvon Laura » Mi 21. Feb 2007, 21:23

Hallo Diga-Diger!

Wenn Dich die Medikamente beeinträchtigt haben, okay, das ist Deine Erfahrung. Aber kannst Du Dir vorstellen, dass es auch Leute gibt, die sich von den Medikamenten nicht "geknebelt" fühlen, weil sie sie ganz gut vertragen? Und was projizierst Du bloß alles in Menschen hinein, die in Psychopharmaka eine Hilfe sehen? Woher nimmst Du Dir das Recht heraus zu sagen, das läge nur daran, dass man schlecht von sich denken würde?

Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Diger_Diga
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Beitragvon Diger_Diga » Mi 21. Feb 2007, 21:53

Unter den Medikamenten habe ich auch gedacht mir gehts dadurch gut!ich konnte auf einmal genießen alles mit anderen menschen lief einfacher! klar das denken diese auch! da willst du sie gar nicht absetzen hab ich auch gedacht bis ich gemerkt habe dass ich immer weiter absackte notenmäßig in der schule in vereinzelten fächern. physik, mathe etechnik also die logisch denken fächer (und sogar das war mir anfangs unter der medikation egal - klasse leistung der medis) und du wirst keinen finden der was anderes sagt der vorher in den fächern schon relativ gut war und dem dann sowas wiederfährt!

Denis
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Beitragvon Denis » Sa 24. Feb 2007, 00:44

Hallo,

also ich denke zu diesem Thema folgendes: ich glaube es ist nicht optimal, dass sich Menschen jahrelang derart fehlentwickeln können, schleichend sozusagen, dass niemand es merkt und korrigierend eingreift, bzw. man das zum Teil auch gar nicht kann.

Eine Psychose hat für mich in vielen Fällen auch eine Geschichte, die mit frühkindlichen Traumatisierungen z.B. beginnen kann.

teilt man diese Auffassung - und man kann ja durchaus der Meinung sein, dass sich das im Hirnstoffwechsel niederschlägt (diese psychische Fehlentwicklung), ist die (rein) medikamentöse Behandlung ein Armutszeugnis.

Das Maß an psychotherapeutischer Zuwendung für Psychotiker ist eher gering. Auch weil viele Ärzte der Auffassung sind, ein mehr wäre nicht sinnvoll und würde die Patienten überfordern. Das ist in manchen Fällen sicher auch richtig, mir hat es gut getan, dass sich ein Arzt jahrelang alle zwei Wochen eine halbe Stunde Zeit genommen hat. Das ist bei Psychotikern keineswegs selbstverständlich.

Nochmal zu den Nebenwirkungen, wie ich sie spüre:

Ich ertrage die Dosis von 6mg /Tag Fluanxol (was etas mehr ist als 1ml Depot alle zwei Wochen), auch nur - ich wage es kaum zu sagen - mit Cannabis und Alkohol. Mit dieser "Kombi" habe ich es noch mal bis zum Dozenten gebracht, acht Jahre nach Behandlungsbeginn.

Ich will eigentlich vor allem eins sagen: das Patentrezept gibt es nicht, und die Tatsache, dass ich den oben erwähnten Konsum finanzieren kann, spricht dafür, dass ich eher privelegiert bin. Aber in der Not nutzt man das aus. Und ich sehe in der sozialen Situation vieler Psychotiker einen Grund, sich schlechtzufühlen und Depressionen zu entwickeln. Unser Sozialversicherungssystem stuft einen oft in die unterste Kategorie ein, unabhängig von der Vorbildung und Herkunft. Ich bin froh, dass meine Familie mich unterstützt und ich dieses Problem nicht habe.

lG

Denis

Denis
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Beitragvon Denis » Mi 28. Feb 2007, 19:28

Hallo,

eine kleine Ergänzung noch. Ich habe geschrieben, dass ich mein Medikament nicht ohne Alkohol und Cannabis ertrage. Genauer hätte ich in der Tat sagen sollen statt "mein Medikament" "meine Erkrankung".
Ich habe das schonmal auf einem anderen Forum geschrieben, dass zu Beginn meiner Behandlung mit einem Bruchteil der heutigen Dosis die Minussymptomatik fast genauso stark war, wie jetzt bei der höheren Dosis (die zur Zeit aber wieder schrittweise reduziert wird).

Für mich ist das ein klarer Anhaltspunkt, dass solche Gefühle wie Mattigkeit, Lustlosigkeit, Antriebsschwäche, depressive Verstimmungen, erhöhtes Schlafbedürfnis eben im Wesentlichen keine pharmakogenen Einflüsse, sondern Folgen der Erkrankung sind. Das macht sie nicht angenehmer, hilft einem möglicherweise aber zu einer positiveren Einstellung gegenüber den Medikamenten.

Interessant finde ich übrigens das Ergebnis einer neueren britischen Studie, dass die älteren Neuroleptika in Bezug auf die Lebensqualität der Patienten eher besser sind als die modernen, die bis zu zehnmal so viel kosten. Der Druck "bessere" Medikamente zu entwickeln in Verbindung mit massivem Einsatz von Marketinginstrumenten, um diese im Markt durchzusetzen, hat offenbar für die Patienten nichts gebracht.

lG

Denis

hotspot1932
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1982

Beitragvon hotspot1932 » Fr 28. Nov 2008, 06:53

bin 1982 schwer erkrankt.

einstiegsdosis 30mg haldol täglich.
7 jahre Haldol als erhaltung.
zu dieser Zeit in der Zeitung gelesen, dass in der UdSSR die Menschen mit Haldol in der Psychiatrie gequält werden.

Record:
60 mg Glianimon täglich über ein halbes jahr, danach kein Ende in Sicht.
habe viele Menschen dank der psychiatrie sterben sehen.
Das Verbrechen? eine Erkrankung.

rate trotzdem jedem neuankömling die Medis zu nehmen.

what the fuck is reality. do you realy think you know it?

cu

hotspot

ps. ich weiß nicht was Realität ist, aber die Psychiater wissen es...?

hotspot1932
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An Chaos Fee, beitrag von 08/2006

Beitragvon hotspot1932 » Fr 28. Nov 2008, 07:23

ca. 1992 ist ein mitpatient durch selbstmord im Wochenendausgang verstorben. Am Do davor hatte er ein gespräch mit seiner Frau und der behandelnden Ärztin. am Mo. nach dem Suizid hat die Ärztin gesagt, sie hätte das Gespräch jederzeit wieder so geführt.
Am So., dem Tag der Todesnachricht, ist die Kurve verschwunden in der die spätschicht vom Fr. die suizidalität meines Mitpatienten notiert hatte.

ein paar Wochen später ist von der gleichen Station ein junger Mann vom Hochhaus gesprungen, weil man ihm gesagt hat, dass er niemals mehr architekt sein kann.

eine Wochen später hat sich ein sehr erfahrener Patient auf die Schienen gelegt, weil er eletroschocks bekommen hatte. Die Polizei konnte ihn gerade noch runterholen.

zu der Zeit war ich mit einer Krankenschwester aus dem betreffenden Krankenhaus zusammen. Aufgrund unserer Diskussionen hat sie sich geweigert weiterhin Patienten zum Elektroschock zu begleiten. Der Pflegedienstleiter sagte ihr, dass man einen schwer depressiven Patienten nicht über die möglichen Folgen der Elektroschocks unterrichten könne, da er sonst ablehnen würde. Da ihr ihre Entscheidung als Arbeitsverweigerung gedeutet wurde, riet ihr der Betriebsrat mit einer Kollegin zu tauschen. Diese war erst seit 1 Jahr im Dienst. Sie ist beim Anblick des Geschockten Patienten in Tränen ausgebrochen.

Ich rate jedem neuankömling die Medis zu nehmen.

What the fuck is reality. Do you realy know?

cu

hotspot


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