Standortbestimmung: was ist hilfreich?

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Franz Engels
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Standortbestimmung: was ist hilfreich?

Beitragvon Franz Engels » Fr 14. Nov 2003, 00:39

Liebe Forumsbesucher,

so erfreulich es ist, dass die Auseinandersetzung um schwierige Themen inzwischen in Gang gekommen ist, so schwierig scheint es zu sein, sich bei allem Eifer :agrue: noch an die "Forums-Kategorien" zu halten. Darf ich diesbezüglich um ein wenig Disziplin bitten...?

Ansonsten möchte ich mich zwischendurch ganz herzlich bedanken bei Ihnen, denn die "Auswertung" der bisherigen Meinungen und Beiträge hat doch eine ganze Reihe hilfreicher und weniger hilfreicher Dinge in der Zusammenarbeit zwischen Arzt, psychiatrischer Institution, Gesellschaft und Patient zutage gefördert, die ich Ihnen hier in einer losen Untereinanderstellung zur kritischen Durchsicht für Änderungsvorschläge, Anmerkungen oder auch zur "Absegnung" vorlegen möchte.

Als hilfreich wurde von Ihnen Folgendes empfunden:
- Die Bedingung für eine gute Behandlung ist die übereinstimmende Überzeugung zwischen Therapeut und Patient, dass eine Behandlung notwendig ist (Christian)
- fundiertes Fachwissen und Empathie (Sarka S.Mus, Eliott, erdling)
- wenn es gelingt, dass sich die Wut und Hilflosigkeit über die Erkrankung nicht auf die therapeutische Beziehung ausbreitet (Christian)
- ausreichend Zeit (Eliott, erdling)
- gewisse „Persönlichkeitseigenschaften" des Therapeuten (Intelligenz, Offenheit, Sachlichkeit, Beherrschtheit, Aufrichtigkeit, Echtheit, Respekt gegenüber dem Patienten) (Eliott, erdling)
- Therapeuten sollten Unsicherheiten oder Zweifel offen legen und nicht überspielen (erdling) oder mit vorgefertigten „Lehrbuchlösungen“ stopfen
- eine sehr gründliche, nicht suggestive und tendentiöse Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten (Eliott, erdling)
- Fähigkeit, sich auf dieselbe Ebene begeben zu können (Sarka S.Mus)
- Wenn Psychiater Patienten als Klienten wahrnehmen (Sarka S.Mus)
- Psychiatrie kann Auffangnetz sein (Christian)
- Wenn man sich einen männlichen oder weiblichen Therapeuten aussuchen kann (Animapersa)
- Wenn man nach seinen Gefühlen gefragt wird (Melli)
- Stärkung des Selbstwertgefühls bzw. Bewusstmachen des eigenen Wertes durch die therapeutische Arbeit (Melli)
- Ursachenbehandlung ist hilfreicher als reine Verhaltensbehandlung (Melli)
- Konsequente Einhaltung und Verteidigung des Datenschutzes gegenüber Ansprüchen von Dritten durch den Psychiater zu Gunsten des Patienten (Teddy)
- Konsequentes Handeln in Notsituationen zum Schutz aller Beteiligten bei gleichzeitiger Bewahrung der Würde aller Beteiligten (Lilly)
- Belassung der maximal möglichen Selbstbestimmung beim Patienten in sämtlichen Belangen, so viel professionelle Therapie wie unbedingt nötig und so wenig wie möglich, dafür aktive und vorrangige Unterstützung der Ressourcen des Patienten und von Selbsthilfeorganisationen durch die professionelle Psychiatrie (Teddy), z.B. auch Patientenpatenschaften (Christian)

Als nicht hilfreich wurde von Ihnen Folgendes empfunden:

- nur auf sich selbst zurückgeworfen werden, nur ein „Echo“ hören
- wenn der Psychiater „entscheidet“, was relevant ist und was nicht (Sarka S. Mus), Anmassung des Therapeuten, besser wissen zu wollen, was im Hirn des Patienten vorgeht als dieser selber (Teddy)
- „aufdringliche Bemutterer“ (Eliott, erdling)
- wenn eine therapeutische Beziehung von aussen aufgezwungen wird (Animapersa)
- Verwehrung der Akteneinsicht und erbetener Unterlagen durch Ärzte und Behörden (Animapersa, Eliott, erdling)
- Erpressung und Ausnutzung der Machtposition von Professionellen und Behörden gegenüber den Patienten bezüglich Unterbringung, Aufenthaltsdauer und Medikamenteneinnahme (Animapersa), Bevormundung (Eliott, erdling)
- Die fehlende Ausweisung von Spezialitäten und besonderen Erfahrungen einzelner Ärzte mit bestimmten Störungsbildern und Problemstellungen (Animapersa)
- Die Vernachlässigung des sozialen Bezugsfeldes bei der Wahrnehmung des Patienten durch die Professionellen (Animapersa)
- Die „Janusköpfigkeit“ einer Psychiatrie, die nicht nur für den Patienten da ist, sondern auch noch gleichzeitig der verlängerte Arm der Gesellschaft ist und dadurch mehreren Herren dienen muss (Animapersa)
- Wenn Ärzte sich an der Stigmatisierung psychisch Kranker direkt oder versteckt beteiligen und diese dadurch verstärken oder aufrechterhalten (Teddy)
- Versteckte (oder offene) Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pharmaindustrie und das Auftreten echter Loyalitäts- resp. Interessenkonflikte, die die Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient erschüttern (Teddy)
- Zurückschrecken der Psychiater vor notwendigen Massnahmen auch gegen den Willen der Betroffenen (z.B. Kontrolle des Drogenkonsums auf psychiatrischen Abteilungen, Einschreiten bei Gewalttätigkeiten durch entäusserte Patienten zum Schutz vor weiterer Zerstörung (Lilly) oder
- „Früherkennung“ wird als Marketingstrategie der Pharmaindustrie und Kontrollinstanz der stigmatisierenden Gesellschaft empfunden und primär abgelehnt (Animapersa, Teddy)
- eine biologische Ausrichtung des Therapeuten (Teddy)

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)
Zuletzt geändert von Franz Engels am Mo 16. Aug 2004, 09:15, insgesamt 2-mal geändert.
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.

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Franz Engels
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Noch ein kleiner Nachtrag...

Beitragvon Franz Engels » Fr 14. Nov 2003, 13:01

Die bisherigen Postings hier im Forum stammen v.a. von Menschen mit Psychose-Erfahrungen und deren Angehörigen oder andre Betroffene. Über Depressionen, Trauer, Partnerkonflikte, Süchte, Angststörungen, Zwänge etc.. wurde wenig gesprochen. Dadurch wird in meiner Wahrnehmung als Professioneller das Arbeits- und Tätigungsfeld "Psychiatrie und Psychotherapie" bisher nur in einem Ausschnitt abgebildet. Die deutliche Mehrheit meiner Patienten sucht aus anderen Gründen Hilfe, und in der Mehrzahl der Fälle entstehen dann therapeutische Prozesse, bei denen sowohl die Patienten als auch ich selber ein gutes Gefühl habe. Ich weiss das deshalb so genau, weil ich häufig nachfrage, ob die Therapie noch als hilfreich empfunden wird oder nicht und was sich ändern müsste, damit es wieder "stimmt" bzw. vorangehen kann. Ich habe deshalb in meiner praktischen Tätigkeit "andere Erfahrungen" hinsichtlich des möglichen Nutzens von professioneller Hilfeleistung, deren ich mir "ganz sicher" bin und die aus meiner begrenzten und für meine Arbeit gültigen Sicht ebenso "wahr" sind, wie diejenigen jedes Einzelnen von Ihnen.
Vielleicht wirkt für mich auch deshalb die ein oder andere Kritik an "der Psychiatrie" und an "den Professionellen" überzogen. Sie ist natürlich als Erleben des Einzelnen genommen unstrittig und "wahr", ist im Einzelfall auch "katastrophal", nicht oder kaum wiedergutzumachen oder (hoffentlich nicht!) irreparabel.
Es verzerrt aber meiner Meinung nach das Bild der schon lange in einem positiven Wandel befindlichen heutigen psychiatrischen und psychotherapeutischen "Landschaft" und wird zu einem "falschen" Urteil, wenn diese sehr negativen und hoffnungslosen Erfahrungen, die v.a. Patienten mit bestimmten Problemen und Krisen und in bestimmten Situationen betreffen, auf sämtliche professionelle Einsatzgebiete und Hilfeleistungen übertragen und zu einem "Gesamturteil" über professionelle psychiatrische Arbeit werden.
Ich weiss natürlich nicht, warum die Beteiligung anderer Professioneller und die von Menschen mit anderen seelischen Problemen hier im Forum noch so gering ist. Ich hoffe nicht, dass der Grund darin liegt, dass jemand glaubt, mit seinen "Erfahrungen" hier keinen Platz zu haben. Um dies zu vermeiden liegt mir auch sehr viel daran, dass im Forum die "Nettiquette" eingehalten und jeder User mit Respekt behandelt wird.

Ich selber habe durch Ihre bisherigen Beiträge schon jetzt viel dazu gelernt, sehe auch gerade die genannten negativen Auswüchse von psychiatrischen Institutionen noch einmal in viel deutlicherem Licht. Dafür möchte ich mich bei Ihnen ganz herzlich bedanken. Es ist ja alles andere als selbstverständlich, dass Sie über Ihre Erfahrungen in einem solchen Forum berichten!
Ich hoffe, dass ich mit meinen eigenen Antworten und Reaktionen niemandem zu nahe getreten bin und freue mich natürlich auf weitere spannende Diskussionen und Ihre aktive Mitgestaltung dieser Plattform!

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)
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Sophie
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Beitragvon Sophie » Sa 25. Feb 2006, 00:19

Na soooo deutlich hat mir das jetzt noch nie jemand gesagt!!! Wo steht das geschrieben!
Ganz unten etwa? Wahrscheinlich immer dort wo die Unterschrift steht. Von Ihnen kann man echt was lernen? Tja das ist Stillos!!!
Every day is a gift, that´s why it´s called as present.

Sophie
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Beitragvon Sophie » Sa 25. Feb 2006, 07:51

Wie haben sie denn das gemacht! Sie sind ja nicht mein Vater und hören mir auch nie zu, wenn ich so kleinlaut bin!!! Auf meinem Kopfsteht ein Fragezeichen??? Und das sage ich ihnen jetzt mal auf die STIRN ZU!
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Beitragvon Sophie » Sa 25. Feb 2006, 16:18

BITTE LASSEN SIE MICH JETZT RAUS AUS DER PSYCHIATRIE!
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Beitragvon Sophie » Sa 25. Feb 2006, 16:27

Wort!
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Beitragvon Sophie » Sa 25. Feb 2006, 16:28

please leave karin she wants to leada happy life
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Beitragvon Sophie » Sa 25. Feb 2006, 16:32

???
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Sophie
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Every day is a gift!

Beitragvon Sophie » So 26. Feb 2006, 04:04

Danke Herr Engels :D :) :sad: :eek: :shock: :???: :cool: :lol: :mad: :razz: :oops: :cry: :evil: :twisted: :roll: :wink: :!: :?: :idea: :arrow:
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Beitragvon Sophie » So 26. Feb 2006, 04:05

How did you know my name???
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Jolle
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Beitragvon Jolle » So 26. Feb 2006, 04:55

Hallo Sophie!

Na, im Englischen bist du nach deiner Reise sicher firm. Wie war es eigentlich?

Liebe Grüße
Jolle
"Eine Jolle kann kentern (da wird man bloß nass), aber sie kann nicht sinken." [img]http://www.cosgan.de/images/smilie/sportlich/d030.gif[/img]
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Beitragvon Sophie » So 26. Feb 2006, 09:32

In einer Jolle ist es Tolle!!!
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Beitragvon Sophie » So 26. Feb 2006, 09:40

Hier mal was tolles von Wolfgang Baer!

http://home.snafu.de/wolfgangbaer/text/irrsinn.htm
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Beitragvon Sophie » So 26. Feb 2006, 10:05

Der macht immer Urlaub in Indien!
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Jolle
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Beitragvon Jolle » So 26. Feb 2006, 14:15

Hi Sophie!

Danke für die Blumen :D

Ich finde den Text von Hr. Baer sehr schön, schade dass mir die Haupseite verboten ist.

Gruß
Jolle
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