Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4111
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Remedias » Di 11. Feb 2020, 15:13

Hallo ,

Das wirklich Hilfreiche an professionellen Helfern betrifft zum großen Teil Dinge, die man eigentlich im Familien- und Freundeskreis finden sollte. Es heißt, denen ginge das zu nahe, sie sehen einen nicht gerne leiden und werden dadurch handlungsunfähig und irgendwie kennen sie sich nicht so damit aus und wollen einem daher nichts Falsches sagen. Man muss zu Spezialisten und darf aufgrund der notwendigen professionellen Distanz gar nicht so viel von all dem erwarten, was man schon nicht im privaten Umfeld bekommen hat. Was'n Pech aber auch!

Deckt sich mit den Ansichten des Psychiaters Asmus Finzen https://de.wikipedia.org/wiki/Asmus_Finzen, der meinte, Psychiatrie solle eine "Lebensschule" sein, in der beschützt nachgeholt werden kann, was in Familie oder Gesellschaft nicht möglich war. , und vorher schon Jan Foudraine: in "Wer ist aus Holz? Neue Wege der Psychiatrie
"Die medizinische Ausbildung sorgt dafür, daß man sich jede nutzlose Sensibilität abgewöhnen lernt." – "Zunächst war ich doch von dieser Sprache der Irren, die so offen die Wahrheit sagt, betroffen. Jetzt bin ich darüber hinweg, es macht mir nichts mehr aus. Wenn ein Irrer redet, gelingt es mir sehr schnell, ihn in die entsprechende nosographische Kategorie einzuordnen. Das Wissen über die Krankheit verleiht einem Schutz."
https://www.zeit.de/1973/39/die-aerzte- ... ettansicht


Damit möchte ich deine Erfahrungen nur bestärken, liebe Laura, auch oder sogar :!: Psychiater hatten schon diese Gedanken, sogar schon vor 40, 50 Jahren.

Nur - was hat sich verändert ?
Oder vielmehr : Warum haben sich die Dinge nicht in diese Richtung entwickelt?

liebe Grüße Remi

PS: Wenn ich deinen "alten Beitrag" zitiert habe, kann ich ihn wenn du magst, verbessern ? Ich fand ihn toll formuliert.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4493
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Di 11. Feb 2020, 15:25

Hallo Remi!

Nö, ist nicht nötig, nochmals an meinem (zitierten) Text herumzupfriemeln. Ich habe das oben nur so erklärend hingeschrieben, damit niemand denken muss, Du hättest meine Worte in der Zitatfunktion von Dir aus abgeändert.

Und wie ist das zweite Psychiaterzitat zu interpretieren? Das Normale und Glaubwürdige an uns Verrückten deprimiert manche Behandler einfach zu sehr, unser Schicksal deprimiert sie zu sehr und wenn sie nicht die Schotten dichtmachen würden, wäre überhaupt erst gar keine Behandlung mehr möglich, weil viele Behandler dann entweder in eine andere Fachrichtung oder in einen anderen Beruf flüchten würden? Klingt ja wie "Politik ist ein schmutziges Geschäft" oder auch das Showbusiness...
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4493
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Di 11. Feb 2020, 15:45

Mein BeWo-Sozialarbeiter kam neulich wieder mit Kreppeln (Berlinern, Krapfen) zum Termin an. DAS hat gut getan, DAS war hilfreich! :lol: Ansonsten ist er ein so lieber und verständnisvoller Mensch, der sich nicht viel um Klischees schert, so dass ich da endlich mal das Gefühl entwickeln konnte, das mein eigenes mühseliges Herumtappsen und Abstrampeln irgendwie auch mal zum Ziel führen könnte. Auch wenn das Ziel so schwer zu definieren ist, so schwer zu erkennen ist. Ist aber jemand nett zu mir, dann bin ich ebenso nett zu ihm oder ihr.

Manchmal freue ich mich daran, so 'ne Art "Super-Behindi" zu sein, manchmal gar nicht, dann will ich zugleich "behindert" und supernormal sein...auweia. Was mache ich nur mit meiner Bescheuertheit? Ich wüsste wohl selber wenig mit mir anzufangen, wenn ich meine eigene Klientin wäre, da ich ja immer noch und eins um andere Mal noch ein Zusatz-Argument finde in all meinem verschachtelten Denken. Nicht für blöd gehalten zu werden, ist mir aber schon wichtig, auch wenn das alte Studierfräulein immer hemdsärmeliger wird und manchmal nur noch "Ach, so'n Kack!" sagen kann, meistens sage ich das aber nur Gedanken.

Mein Sozialarbeiter schreibt über mich, dass ich viele entlastende Gespräche brauche. Mal jammere ich, mal moser ich und er hört sich das tapfer und geduldig an, sagt das Seine und es hält mich wenigstens über Wasser. Manchmal bringe ich es aber selbst heute noch zustande, ein bisschen zu blödeln und da er mich inzwischen gut genug kennt, um zu wissen, wie ich das meine, grinst er also amüsiert und braucht sich das noch nicht einmal zu verkneifen. Und manchmal bringt er mich zum Schmunzeln.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4111
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Remedias » Di 11. Feb 2020, 16:38

Laura, Fazit : Berliner sind hilfreich :)

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4493
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Di 11. Feb 2020, 17:19

Erst kommt das Fressen, und dann die Therapie... :mrgreen:
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4111
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Remedias » Mi 12. Feb 2020, 10:09

Oh ja, Sprichwörter :lol:

"

"Die Gedanken vom Psychiater,
das Vorleben vom Ehepartner
und der Inhalt einer Worscht
bleiben ewig unerforscht."

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4493
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Laura » Mi 12. Feb 2020, 10:45

Hey, dieses Gedichtlein muss ich mir merken! Das ist ja bärenstark!
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Lieblingsuli
Beiträge: 17
Registriert: Do 2. Jan 2020, 09:41

Re: Was ist wirklich hilfreich an einem Psychiater/Therapeuten?

Beitragvon Lieblingsuli » Sa 15. Feb 2020, 04:58

Remedias hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 10:09
Oh ja, Sprichwörter :lol:

"

"Die Gedanken vom Psychiater,
das Vorleben vom Ehepartner
und der Inhalt einer Worscht
bleiben ewig unerforscht."
Manchmal ist nicht nur das Vorleben vom Ehepartner, sondern auch das gegenwärtige Denken des Ehepartners unerforscht. Er muss es ja zulassen.
„Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“


Zurück zu „Gedanken zu einer neuen, anderen, besseren Psychiatrie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste