Psychiatrie | Überblick

Begriffsdefinition

Der Begriff „Psychiatrie“ setzt sich zusammen aus den 3 griechischen Wörtern „psyche“ (Seele), „iatros“ (Arzt) und „iatrike techne“ (Heilkunst) und bedeutet „Seelenheilkunde“

Richtungen der Psychiatrie

Man unterscheidet innerhalb der Psychiatrie verschiedene Richtungen, beispielhaft genannt seien

  • die dynamische Psychiatrie, die auf den Erkenntnissen der Psychoanalyse aufbaut und psychische Störungen als Ausdruck intra- und interpsychischer Konflikte zu verstehen versucht
  • die biologische Psychiatrie, die nach charakteristischen biologischen Kennzeichen psychischer Störungen forscht.
  • die molekulare Psychiatrie, die sich als Zweig der Molekularbiologie speziell mit den Genen bzw. genetischen Prozessen im Hinblick auf psychische Krankheiten beschäftigt.
  • die existenzielle Psychiatrie als Sammelbezeichnung für verschiedene, auf der Existenzial-Ontologie Heideggers aufbauende, philosophische Richtungen:
    • anthropologische Psychiatrie
    • Daseinsanalyse
    • Logotherapie
    • Antipsychiatrie
  • die forensische Psychiatrie, die sich mit den juristischen Aspekten psychischer Störungen, z. B. mit der Beurteilung von Schuldfähigkeit, Mündigkeit, Unterbringung etc. befasst
  • die soziale Psychiatrie (Sozialpsychiatrie), die Erkenntnisse der Soziologie, Psychiatrie, Sozialpsychologie und Statistik (Epidemiologie) verwendet, um die Bedeutung sozialer Faktoren für die Entstehung, Aufrechterhaltung und Heilung psychischer Krankheiten zu erforschen und die Rahmenbedingungen für die Rehabilitation psychisch Kranker innerhalb und ausserhalb psychiatrischer Einrichtungen zu verbessern. Eine neue Unterform der Sozialpsychiatrie ist die
    • die transkulturelle (oder auch vergleichende) Psychiatrie

Organisationsformen

Wichtige Organisationsformen der Psychiatrie sind

  • Gemeindepsychiatrie
  • gemeindenahe Psychiatrie, bei der die stationäre und ambulante fachärztliche Behandlung durch Zwischenglieder zu einer „Behandlungskette“ ergänzt wird, die eine individuellere und besser adaptierte Rehabilitation psychisch kranker Menschen innerhalb ihres Lebensumfeldes ermöglicht. Einrichtungen und Kennzeichen gemeindenaher Psychiatrie sind
    • teilstationäre Angebote wie Tagesklinik
    • Übergangsheime
    • betreutes Wohnen
    • geschützte Werkstätten
    • Tageszentren und Freizeittreffs für Betroffene

Psychiater und Psychotherapeuten

Die Psychiatrie ist eine medizinische Fachdisziplin, deshalb erfolgt die psychiatrische Behandlung zumeist durch Ärzte mit einer Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie (und inzwischen obligatorisch auch Psychotherapie). Diese Weiterbildung erstreckt sich über mindestens fünf Jahre und wird absolviert in psychiatrischen Krankenhäusern und ambulanten Einrichtungen. Wegen der engen Beziehung einiger psychischer Krankheiten zu neurologischen Erkrankungen müssen angehende Psychiater in Deutschland während ihrer Facharzt-Weiterbildung obligatorisch mindestens ein Jahr in der Neurologie verbringen.

Die Inhalte der Facharzt-Weiterbildung sind in der Weiterbildungsordnung wie folgt beschrieben:

„Die Psychiatrie und Psychotherapie umfaßt Wissen, Erfahrungen und Befähigungen zur Erkennung, nichtoperativen Behandlung, Prävention und Rehabilitation hirnorganischer, endogener, persönlichkeitsbedingter, neurotischer und situativ-reaktiver psychischer Krankheiten oder Störungen einschließlich ihrer sozialen Anteile und psychosomatischen Bezüge unter Anwendung somato-, sozio- und psychotherapeutischer Verfahren.“