Magersucht, Bulimie und andere Essstörungen | Definition

Unter einer „Essstörung“ versteht man nach Fichter (2000) „sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an Essen“ aufgrund eines unangemessenen Essverhaltens, wobei die Begriffe „Zuviel“ und „Zuwenig“ in die Dimension einer zumindest potenziellen Gesundheitsschädigung weisen. Es handelt sich also um einen „Überbegriff“, der unabhängig von der genauen Art und der zugrundliegenden Ursache verwendet wird.

Hänsel (1995) geht bei seiner „Definition“ Essstörungen im Unterkapitel Symptomatik auf das Verhältnis zwischen der globalen Diagnose Essstörung und den einzelnen Ess-Störungs-Syndromen sowie auf die Bedeutung des aktuellen Körpergewichts für die Diagnosestellung ein:

Essstörungen sind multifaktoriell bedingte psychosomatische Syndrome mit süchtigen Verhaltensweisen. Sie sind durch folgende Leitsymptome gekennzeichnet:

  • Störungen des Essverhaltens und der Gewichtsregulation,
  • psychische Störungen kognitiver und emotional-affektiver Art, die im Zusammenhang mit dem Fehlverhalten stehen,
  • individuell unterschiedliche Beeinträchtigungen im Sozialverhalten.

Für die globale Diagnose Essstörung und für die Zuordnung zu einem Ess-Störungs-Syndrom sind das Ess-Fehlverhalten in seiner jeweiligen Ausprägung sowie spezifische psychische Symptome maßgebender als das aktuelle Körpergerwicht oder andere pathologische somatische Variablen.“ (in Faust 1995, S. 655)

Hänsel (1995):

„Anorektisches und bulimisches Fehlverhalten sind keine Krankheitseinheiten sondern Leitsymptome für Ess-Störungs-Syndrome.“ (S. 656)

Definitionen der Begriffe Magersucht (Anorexie), Bulimie, Binde Eating Disorder, Orthorexie

Die einzelnen Syndrome

  • Magersucht (Anorexia, anorexia nervosa)
  • Bulimie (Ess-/Brechsucht, bulimia nervosa)
  • Binge eating disorder (BED)
  • Orthorexie

werden im Kapitel Diagnostik über ihre jeweilige Leitsymptomatik definiert.