Janne | Texte

Wieder einmal…

Wieder einmal ist nichts, aber auch gar nichts in Ordnung. Wieder einmal stehe ich mir selbst im Wege. Zweifele an allem und ziehe mich in mein Schneckenhaus zurück. Wieder ist mir alles zu laut und zu hektisch. Wieder einmal möchte ich aufgeben, einfach nicht mehr da sein. Wieder einmal versinke ich im Strudel der Depression. Und doch, ich lebe weiter! Immer weiter! Warum nur? Für dich, für unsere Tochter, für die Welt da draußen? Ich weiß es nicht! Im Haus ist es still. Ich liege im Bett und höre mein Herz schlagen. Du schläfst neben mir. Bist mir so nah und doch so fern. Einsamkeit die schmerzt. Ich bin müde, will endlich schlafen. Fahles Licht fällt durch das Dachfenster. Gegenstände, tagsüber vertraut, verändern sich. Nachts scheint mir alles noch bedrohlicher zu sein. Was ist das für ein komisches Knacken? Ich höre Worte, die ich nicht hören will. Schattenbilder ängstigen mich. Ich schließe die Augen wie ein Kind, das nichts sehen und nicht gesehen werden will. Plötzlich zucke ich zusammen. Eine eiskalte Hand berührt mich. Mein Herz rast, es stolpert, bleibt stehen. Was ist los, warum ist auf einmal alles so ruhig um mich herum? Fühlt sich so sterben an, oder träume ich? Ich fühle mich leicht und unbeschwert, wie lange nicht mehr. Atemzug für Atemzug entspanne ich mich. Ich bin nicht mehr im Schlafzimmer, sondern auf einer wunderschönen Wiese. Sehe den blauen Himmel, der sich schützend über mich wölbt. Lauer Sommerwind streichelt meine Haut. Zarte Elfen und Feen tummeln sich auf duftende Blüten. Sie tanzen in den Gräsern und schwingen sich elegant in die Lüfte. Ein Elf zwinkert mir schelmisch zu. Er bittet mich mit ihnen zu tanzen. Ich nicke und bewege mich vorsichtig um meine eigene Achse. Es fällt mir schwer mich fallen zu lassen. Obwohl, eine von ihnen zu sein, würde mir gefallen. „Tanze kleines Mädchen. Drehe dich im Kreis und spüre den Wind in deinen Haaren. Vergiss die Angst, hier bei uns bist du frei“, wispert eine Fee. Sie kommt mir ganz nah, umkreist mich. In ihren Augen sehe ich das Sonnenlicht. Lange blonde Haare berühren mein Gesicht. Ein Gefühl von Vertrautheit breitet sich in mir aus. Ich möchte sie spüren, diese Fee. Ich möchte sie anfassen, ihren Duft einatmen. Aber ach, es gelingt mir nicht. Ich weine. Dein Wecker klingelt. Unbarmherzig reißt mich das schrille Geräusch in die Wirklichkeit zurück. Mein Herz rast. Du musst gehen, ich weiß. Wieder einmal ist nichts in Ordnung. Und doch, ich werde weiter leben. Ich hab ja noch meine Träume.

Janne (veröffentlicht 03.03.2006)

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