Janne | Gedichte

Ein neues Zimmer

Stille, nur langsam dringt das leise Brummen der Heizung in mein Bewusstsein.
Das neue Zimmer unter’m Dach. Etwas fremd noch, aber schön.
Es riecht nach Holz. Frischgestrichene Wände reflektieren das Tageslicht.
Dunkle Balken erinnern an den früheren Abstellboden.
Ein Dachfenster über dem Doppelbett.
Nacht’s kann ich die Sterne sehen.
Jetzt ist der Himmel wolkenbehangen, wirkt bedrohlich und schwer.
Ich liege auf dem Bett. Arme und Beine weit von mir gestreckt.
Kraftlos, willenlos, nicht fähig mich zu bewegen.
Ich spüre meinen Herzschlag, laut und unerbittlich.
Es pocht in meinen Schäfen. Gedankenchaos, ängstliche Vewirrung.
Tränen laufen über mein Gesicht.
Da ist sie wieder, diese bittersüße Verlockung.
Grenzenlos, alles andere ist so weit weg.
Ich möchte schlafen, ganz tief und nie wieder aufwachen. Jetzt, in diesem Moment!
Ein neues Zimmer, ein neues Ehebett – welch trügerische Hoffnung.
Was wäre, wenn ich für immer schliefe, würdest du mich vermissen?
Quälende Zerrissenheit. Lähmende Traurigkeit. Selbstgespräch.
„Geht weg ihr trüben Gedanken, ich will euch nicht bei mir haben.
Meine es nicht so. Ich will ja leben, bin nur zu müde es wirklich zu tun.“
„Steh auf, nun mach schon! Ich weiß du kannst es, hast es schon so oft bewiesen.
Denke an etwas Schönes. Das Leben ist zu kostbar um es zu verschwenden.“
Du kommst die Treppe hoch.
Schnell richte ich mich auf. Trockne die Tränen. Atme ganz tief durch und
lächle dich tapfer an. Du siehst nachdenklich aus.
Setzt dich zu mir und nimmst mich in den Arm.
Behutsam küsst du mich in’s Leben zurück.
Salz auf den Lippen.
Wir wissen es beide, ein neues Zimmer macht kein neues Leben.

Janne (veröffentlicht 30.12.2004)

Wenn du meine Freundin sein willst

Eine Freundin ist ein Mensch, bei dem man sich sicher, geborgen und verstanden fühlt.
Also, wenn du meine Freundin sein willst, wirst du das alles nicht bei mir finden.
Ich kann dir keine Sicherheit geben, weil ich selbst unsicher bin.
Du wirst dich nicht bei mir geborgen fühlen, denn ich suche meine eigene Geborgenheit.
Und wie willst du mich verstehen, wenn ich mich selbst nicht begreife?
Unsere Freundschaft stirbt in einer gekünstelten Nettigkeit,
weil ich nicht ehrlich zu dir sein kann.
Meine Angst, mich in dir zu verlieren, würde dich verletzen.
Nun sag mal ehrlich, ist das nicht viel zu anstrengend für dich?
Doch wenn in dir ein noch so kleiner Funke lächelnder Zuversicht erwacht
und du den Mut hast mich aus dieser Einsamkeit heraus zu holen,
dann schenke ich dir mit meiner Freundschaft eine höchst seltene Kostbarkeit.
Zuerst zeige ich dir meine Träume. Denn die sind mir sehr wichtig.
Du wirst die Geborgenheit einer Märchenwelt spüren. Dich auf einer einsamen
Sommerwiese wohl fühlen und in schneeweißen Wolken, die am blauen Himmel
entlang ziehen, viele schöne Dinge sehen.
Die Farbenpracht eines weit über die Landschaft umspannenden Regenbogens,
glitzerne Tautropfen auf kunstvoll gewebten Spinnenetzen und das leise Rieseln silberner
Schneesterne werden dich genauso ins Staunen versetzen wie mich.
Erst wenn wir zusammen träumen können, zeige ich dir wie ich wirklich bin.
Aber bitte sag nie:“Bleib hier!“
Dann werde ich gehen!

Janne (veröffentlicht 30.12.2004)

Schwierig

Schwierig diesem Anspruch gerecht zu werden.
Er scheint mir zu hoch und fordert zuviel
Gelassenheit, wenn ich stark sein muss?
Lachen, wenn mir zum Weinen ist?
Reden, wenn mir die Worte fehlen?
Und doch, die Zeit ist reif.
Der Traum, im Halbschlaf,
im frühen Erwachen,
zeigt mir wo ich steh.

Janne (veröffentlicht 30.12.2004)