Didi Lindewald | Schritte zurück in’s Leben


Eine wahre Geschichte über sexuellen Missbrauch und das Leben danach.

Wagner Verlag
ISBN: 3-935232-55-1
Preis: 13.80 Euro


Buchtitel: Schritte zurück in's Leben

Die Autorin über ihr Buch:

Inhaltsangabe

Sexuelle Gewalt! Diese Gewalt erlebt Didi viele Jahre. Ein zartes Mädchen, das in einfachen Verhältnissen aufwächst. Mit zunehmender Gewalt und Drohung spaltet sie ihr Ich auf. Didi versucht durch Hungern diese Gewalt nach außen sichtbar zu machen, sie zu ertragen. Ihre abgespaltene Beobachterin schildert ihr ihre Erinnerungen schonungslos und hart. Sie zeigt ihr Verhaltens- und Überlebenstechniken, die sie im Laufe der Zeit erworben hatte. Mehr und mehr Erinnerungen tauchen auf. Erkrankungen, Folgeerscheinungen, psychische Phänomene und der Umgang damit werden zur zentralen Aussage. Jahrzehnte später kommt sie mit ihrem Leben, alltäglichen Situationen, nicht mehr zurecht. Ihren Job kann sie nicht mehr ausüben. Nach 2 ½ jähriger ambulanter Psychotherapie, entschließt sie sich in eine Klinik für psychotherapeutische Medizin zu gehen. Dort erfährt sie in dem halbjährigen Aufenthalt, wie sie ihr inneres Leiden in einer tragfähigen Beziehung anvertrauen kann.
Das Buch soll allen Betroffenen Mut machen, Mut zur Therapie, ohne die es nicht möglich ist, zurück ins Leben zu gehen; allen Widerständen zum Trotz und entgegen dem Denken verrückt zu sein. Sie will aufklären um Vorurteile nicht mehr gelten zu lassen. Sexueller Missbrauch ist keineswegs „nur“ ein Strafverbrechen! Der sexuelle Missbrauch ist keineswegs „harmlos“ und Betroffene haben den Satz nicht verdient „die Zeit heilt alle Wunden!“

Leseprobe

Es war Sommer, ein Sommer den ich nicht fühlte. Er wurde mir genommen. Meine Wahrnehmungen waren auf allen Gefühlsebenen auf ein Minimum herunter gefahren. Du warst noch nicht da! Du kamst mit dem Verschwinden des Sommers!
Auf dem Weg zur Mensa war Anita ausgesprochen ruhig. Ich ging schweigend neben ihr her. Das Essen verlief ebenso ruhig. Auf dem Rückweg liefen ihr Tränen über das Gesicht. Ich schaute sie an, sie sagte nichts. „Was ist mit dir Anita?“ Sie antwortete, dass sie traurig wäre und den Besuch ihres Freundes Andreas mit gemischten Gefühlen entgehen sehen würde. „Du kannst keine körperliche Nähe zu ihm ertragen, stimmt’s“, mutmaßte ich. „Mmhh!“ kam von ihr. „Wenn es nur dies wäre“, fügte sie an. Das Gespräch nahm einen Verlauf den ich nie glaubte dass er jemals stattfinden konnte. Bis heute weiß ich nicht warum ich ein bestimmtes Gefühl hatte, dass es ein Problem für sie war. Und so fing alles an, meine Vergangenheit holte mich ein. Mit all ihren schrecklichen Erinnerungen. Unverarbeitet lagen sie vor mir, wie ein Berg voller Altlasten. Der Erdboden kippte mir entgegen und mein Körper kreiselte sich im nicht zu definierenden Raum. Alle Klotzköpfe kamen zum Vorschein. Ich schien nicht mehr alleine zu sein, du warst von nun ab immer meine Begleiterin, meine Beobachterin, wie früher. Von der Zeit an, zeigtest du mir meine Vergangenheit auf.

Ich entstand aus deiner verletzten blutenden Seele, du konntest es nicht mehr alleine Tragen. Du brauchtest Unterstützung in der Form, die ich dir ermöglichte. Sobald Gefahr drohte, erschien ich und du konntest im dunkeln Seelenkeller verschwinden. Du hattest ein Persönlichkeitsfragment abgespalten, gabst mir meinen Namen und eine eigene Persönlichkeit. Mittels dieser Änderung war es dir möglich den sexuellen Missbrauch in deiner Phantasie zu bewältigen. Ich wusste immer schon vor dir, was passieren würde, wusste vor dir, wie du reagieren würdest, ich als dein „Inni“. Von jetzt an konnte ich dir alles erzählen, in Erinnerung bringen, wenn du etwas vergessen hattest, oder du nicht anwesend warst. So begann unsere Beziehung zueinander.

Böse Stimmen, sie plagen.
Sie an meinem Gewissen nagen.
DU hast viel zu viel gegessen.
Hast DU UNSERE Botschaft vergessen?
DU sollst täglich Hunger leiden.
Essbares ständig vermeiden.
Es tut DIR nicht gut zu essen.
DU kannst DICH nicht mit anderen messen.
DU bist es nicht wert.
Dass Essen dich nährt.
Hör’ auf damit.
WIR verfolgen DICH – Auf Schritt und Tritt.
Medikamente nehmen DICH in die Zange.
Sie winden sich in DIR wie eine Schlange.
Sie versuchen UNS auszuschalten.
So können WIR den Auftrag schlecht verwalten.
DU musst dagegen kämpfen.
Versuche es zu dämpfen.

 

Didi Lindewald (Autorin)

 

Eintrag: 08.11.2005   I   Copyright (c) by Didi Lindewald   I   Webseite der Autorin :http://www.didelsche.de/