Psychopharmaka & Psychopharmakotherapie II

Psychopharmakotherapie psychischer Störungen inkl. psychiatrischer Notfälle

Psychopharmakotherapie im Alter

Vorbemerkungen:

  • alte Menschen haben eine erhöhte Suszeptibilität gegenüber
    • Sedierung
    • Parkinsonoid
    • Anticholinerge Wirkungen
    • Orthostase
  • Oft sind bei alten Menschen renale Clearance und der hepatische Metabolismus vermindert

Medikamente:

  • Antidepressiva:
    • Vermeide TZA mit starker anticholinerger Komponente
    • Verwende
      • SSRI
      • Venlafaxin (Efexor CH/Trevilor D)
      • Moclobemid (Aurorix CH/D)
      • Reboxetin (Edronax CH/D)
      • Mirtazapin (Remeron CH/ Remergil D)
      • wenn TZA nötig bei mässig erhöhtem Risiko
        • Desipramin (Pertofran D) und
        • Nortriptylin (Nortrilen CH/D))

Antikonvulsiva/Phasenprophylaktika:

  • Vermeide Lithium
  • Verwende
    • Carbamazepin
    • Valproinsäure

Neuroleptika:

  • Vermeide NL mit starker anticholinerger Wirkung und überhaupt Trizyklika:
    • Clozapin!! (Leponex CH/D)
    • Chlorpromazin (Chlorazin CH/ Propaphenin D
    • Levomepromazin (Nozinan CH/ Neurocil D)
    • Thioridazin (Melleril CH/D)
  • Verwende möglichst atypische NL oder typische NL mit geringer anticholinerger Wirkung
    • Amisulprid (Solian CH/D
    • Melperon (Eunerpan D
    • Pipamperon (Dipiperon CH/D)
    • Sulpirid (Dogmatil CH/D)
    • Auch Olanzapin oder Haldol oder Risperdal in niedriger Dosierung bei mässig erhöhtem Risiko!

Anxiolytika und Hypnotika

  • Vermeide:
    • Benziodiazepine (außer Lorazepam (Temesta CH/ Tavor D) und Oxazepam (Seresta CH/ Adumbran D)
  • Verwende:
    • Nicht-Benzodiazepin-Hypnotika:
      • Zolpidem (Stilnox CH/D)
      • Zopiclon (Imovane CH/ Ximovan D)
    • Wenn Benzodiazepine nötig, dann mit mässig erhöhtem Risiko
      • Lorazepam (Temesta CH/ Tavor D)
      • Oxazepam (Se resta CH/ Adumbran D)

Antidementiva:

  • Verwende Donepezil (Aricept CH/D)

 

Merke: Die Lewy-Body-Demenz weist eine besondere Vulnerabilität gegenüber Neuroleptika auf!!!

 

Pharmakotherapie bei Nierenfunktionsstörungen:

  • Die meisten Psychopharmaka zeigen bei Nierenfunktionsstörungen ein geringes Risiko, einige ein mässiges, und nur wenige sind problematisch
    • Unbedenklich eingesetzt werden können:
      • AD
        • Mianserin (Tolvon CH/ Tolvin D)
        • Moclobemid (Aurorix CH/D)
        • Nortriptylin (Nortrilen CH/D)
        • SSRI
        • TZA
      • Phasenprophylaktika
        • Valproinsäure
      • Neuroleptika
        • Butyrophenone
        • Olanzapin (Zyprexa CH/D)
      • Anxiolytika und Hypnotika
        • Non-Benzodiazepin-Hypnotika
        • Mit Vorsicht auch Benzodiazepine (mässiges Risiko)
      • Antidementiva
        • Donepezil (Aricept CH/D)

 

  • Problematisch sind folgende Medikamente:
    • Lithium
      • Ausweichmedikament: Valproinsäure!
    • Amisulprid  und Sulpirid
      • Ausweichmedikamente: Butyrophenone (z.B. Haloperidol (Haldol CH/D), Olanzapin (Zyprexa CH/D)

 

Pharmakotherapie bei Leberfunktionsstörungen:

  • Die meisten Psychopharmaka zeigen bei Leberfunktionsstörungen ein zumindest mässiges Risiko, was eine Dosisanpassung erfordert
    • Unbedenklich eingesetzt werden können:
      • Lithium
      • Amisulprid und Sulpirid
      • Kurzwirksame Benzodiazepine, z.B.
        • Lorazepam (Temesta CH/ Tavor D)
        • Oxazepam (Se resta CH/ Adumbran D)
    • Besondere Vorsicht ist geboten bei:
      • Trizyklika
      • Valproinsäure
      • Clozapin
      • Phenothiazin (v.a. Chlorpromazin)
      • Bemerkungen zu Psychopharmakotherapie in der Schwangerschaft und Stillzeit

        Merke: nahezu alle Psychopharmaka sind plazentagängig und gehen in die Muttermilch über

        Merke: besonders heikel ist eine Behandlung mit Psychopharmaka im 1. Trimenon

        Merke: der Gynäkologe oder Pädiater sollte in die Pharmakotherapie einer Schwangeren miteinbezogen werden

        Merke: folgende Problemkomplexe:

      • Teratogenität
      • Perinatal-Syndrome
      • Postnatale Entwicklungs- und Verhaltensstörungen

       

      Antidepressiva:

      • TZA
        • „relative Sicherheit“
        • Empfehlung:
          • Im ersten Trimenon auf Gabe von TZA verzichten
          • Wenn TZA, dann Nortriptylin (Nortrilen (CH/D) oder Desipramin (Pertofran D)
          • Kein Stillen unter TZA
      • SSR:
        • Bislang zu wenig Daten für eine Beurteilung
        • „relative Sicherheit“ für Fluoxetin im 3. Trimenon
        • Empfehlung:
          • Möglichst keine SSRI in der Schwangerschaft
          • Kein Stillen unter SSRI
      • MAO-Hemmer:
        • Empfehlung:
          • Wegen möglicher hypertensiver RR-Krisen wird von der Gabe von MAO-Hemmern in der SS abgeraten
          • Kein Stillen unter MAO-Hemmern
      • Andere:
        • Keine verlässlichen Daten

      Phasenprophylaktika:

      • Lithium
        • Potentiell teratogen!
        • Empfehlungen:
        • Unter Lithiumtherapie Antikonzeption!
        • Bei geplanter SS Latenz von 2 Wochen zwischen Absetzen des Lithiums und Konzeption
        • Grundsätzlich, wenn eben möglich, keine Lithiumbehandlung im 1. Trimenon
        • Kein Stillen unter Lithium
      • Carbamazepin und Valproinsäure
        • Potentiell teratogen
        • Empfehlungen:
        • Verzicht während der gesamten SS ist anzuraten
        • Kein Stillen unter Carbamazepin oder Valproat

       

      Neuroleptika:

      • bisher kaum Erfahrungen mit atypischen NL
      • bisher keine sicheren Hinweise auf Teratogenität
      • bisher kein Hinweis auf postnatale Verhaltens- oder Entwicklungsauffälligkeiten
      • möglicherweise EPS beim Neugeborenen
      • Empfehlungen:
        • Verzicht auf eine NL-Behandlung im 1. Trimenon
        • Bei Behandlung während der SS Absetzversuch/Dosisreduktion 14 Tage vor dem Geburtstermin
        • Bei zwingender Notwendigkeit am ehesten Therapie mit niedrigen Dosen von Haldol
        • Keine Depotpräparate
        • Kein Stillen unter NL
        • Merke: keine Biperiden-Gaben in der SS wegen potentieller Teratogenität!

       

      Benziodiazepine:

      • nicht auszuschliessendes Teratogenitätsrisiko
      • Empfehlungen:
        • Einsatz von Benzodiazepinen wenn notwendig erst im 2. Trimenon
        • Kein Stillen unter Benzodiazepinen wegen mangelhaft ausgereifter Metabolisierungskapazitäten des Säuglings und ggf. erheblichen Benzo-Wirkungen (Lethargie, Trinkschwäche, Sedierung)
        • Verzicht auf die Gabe von Non-Benzodiazepin-Hypnotika während der gesamten SS wegen der fehlenden Datenlage

       

      Elektrokrampftherapie:

      Sicherheit für Schwangere und Fetus ist gegeben

       

      Synopsis der Therapie psychiatrischer Notfälle

      Symptome Komplikationen Therapie

      Psychiatrische Notfälle

      Zentrales anticholinerges Syndrom
      Desorientiertheit, Halluzinationen, psychomotorische Unruhe(=Delir)Hyperthermie, heisse, trockene Haut, Flush, Tachykardie,  schwere Obstipation, Ileus, Harnverhalt, Mydriasis(=peripheres anticholinerges Syndrom) Potentiell lebensbedrohlichKrampfanfälleHerzrhythmus-störungenRR-Abfall

       

      Elektrolytent-gleisungen

       

      Paralytischer Ileus

      Absetzen der anticholinergen Substanzen (Clozapin, trizyklische NL)Bei Persistenz oder schwerer Ausprägung:2-4 mg Physostigmin i.m. oder langsam i.v., IPS mit Monitoring!In leichteren Fällen symptomatische Behandlung
      Zentrales Serotoninsyndrom

       

      Trias aus:– Fieber- Neuro-muskulären Symptomen (Hyper-rigidität, Hyper-reflexie, Myokloni, Tremor)- Psychopatho-logische Auffällig-keiten (delirähnliche Symptome)Auch internistische Symptomatik (Erbrechen, Diarrhö) Potentiell lebensbedrohlichKrampfanfälleHerzrhythmus-störungenKoma

       

      Multiorganversagen

      Absetzen der serotonergen Medikation (SSRI, TZA, MAOH, 5-HT-Agonisten) reicht in 90% d. Fälle aus!Ansonsten IPS!
      Malignes neuroleptisches Syndrom
      Extrapyramidale Störungen:– Rigor- Akinese- Evt. Dys- und HyperkinesienFluktuierende Bewusstseins-störungen bis zum KomaAutonome Funktionsstörungen:

      – Tachykardie

      – Hypertonus

      – Tachy- bzw. Dyspnoe

      – Hautblässe oder -rötung

      – Hyper-salivation

      – Hyperhidrosis

      – Harnin-kontinenz

       

      Labor:

      – erhöhte CH-Werte

      – oft auch Transaminasen-Anstieg

      – Leukozytose

      – Metabolische Azidose

      Potentiell lebensbedrohlichMyoglobinämie bzw. -urie mit drohenden renalen Komplikationen (Rhabdomyolyse) Absetzen der NeuroleptikaKühlung(parenterale) FlüssigkeitszufuhrIPS und Monitoring ist Pflicht!!!

       

      Prinzip der Weiterbehandlung:

      – Dantrolen (Dantamacrin CH/D)

      – Alternativ: Amantadin-Infusionen (PK-Merz CH/D)

      Akut-psychiatrische Syndrome

      Psychomotorische Erregungszustände
      Erregung bei Schizophrenie Haldol +- Lorazepam, Diazepam- Ggf. nieder-potente NL
      Erregung und Aggressivität bei Manie  Wie Schizophrenie
      Weniger akute Manien

      Valproinsäure, möglichst frühzeitig beginnen
      Agitierte Depressionen Antidepressiva Basistherapie + Lorazepam, Diazepam
      Ängstliche Erregungszustände Diazepam oder Lorazepam
      Symptomatische Psychosen bei körperlichen Allgemein-erkrankungen bzw. akuten organisch bedingten Störungen Haldol, kausale Therapie
      Erregung bei geriatrischen Patienten und bei chronischen organisch bedingten Störungen Haldol, Melperon, ggf. kausale Therapie
      Alkoholrausch  Haldol
      Akute Intoxikationen bzw. Rausch nach psychotropen Pharmaka Haldol
      Horrortrip Diazepam

      Delirante Syndrome

      Alkoholentzugsdelir  Sofortiger EntzugTherapie mit Clomethiazol (Distraneurin), alternativ mit DiazepamGgf. + Haldol
      Delir bei Drogen-bzw. Medikamenten-entzug Sukzessiver Entzug der verwendeten Substanz (z.B. Clomethiazol, Barbiturate, Benzodiazepine) über WochenBei Opiaten: sofortiger Entzug
      Delir bei Rauschmitteln Sofortiger EntzugTherapie mit Benzodiazepinen,bei Psychose + Haldol
      Delir bei therapeutischer Anwendung zentralwirksamer Pharmaka (z.B. AD, NL, Anticholinergika) Sofortiges Absetzen oder starke Reduktion entsprechend Schweregrad des DelirsGgf. zusätzlich Clomethiazol
      Delir bei schweren Allgemeinkrankheiten:– Infektions-krankheiten– Vergiftungen– Stoffwechsel-krankheiten– Kreislauf-störungen– Elektrolyt-störungen– Exsikkose

      – Akute hirnor-ganische Störung

      Behandlung der GrunderkrankungGgf. + MelperonBei Psychose + Haldol

      Bewusstseinsstörungen

       

      Quantitative Bewusstseins-störungen Psychopharmaka sind kontraindiziert!
      Qualitative Bewusst-seinsstörungen Dämmerzustände oder Verwirrtheits-zustände:- bei aggressivem oder erregtem Verhalten –> Haldol- ansonsten möglichst kausale Therapie

      Stuporöse Zustände

      Bei katatoner Schizophrenie – psycho-motorische Hemmung (Flexibilitas cerea)- Bewusstseins-klarheit!!! Keine Amnesie!!!– Häufig Blick-kontakt- Möglicher plpötzlicher Umschlag in katatone Erregung Entwicklung einer perniziösen KatatonieCave: wichtigste DD: malignes neuroleptisches Syndrom!!!Dann: gegensätzliche Therapie In dieser Reihenfolge:- Lorazepam (Temesta CH, Tavor D)- Haldol 5-10mg p.o. oder i.v.Bei perniziöser Katatonie zusätzlich- Kühlung- Volumen-substitution- Ggf. IPS

      – Ggf. EKT

      Gehemmte Depression  – Antriebs-hemmung- Psychomo-torische Verlang-samung- Fehlende affektive Modulations-fähigkeit- Negativismus- Pseudodemenz- Blickkontakt!- Unauffällige neurologische und Labor-diagnostik

      – Kein Autismus, nichts Bizarres!

      Cave: Suizidalität! Stationäre antidepressive EinstellungAdjuvant Benzodiazepine
      Organisch bedingter Stupor Stupor + internistische oder neurologische Befunde Haldol 5-10mg

       

      ANHANG

      Noch einige allgemeine Ergänzungen und Besonderheiten zur Psychopharmakotherapie

      Angststörungen:

      „Grundsätzlich sind Antidepressiva und Benzodiazepine den Neuroleptika zur Behandlung von Angststörungen vorzuziehen, weil auch niedrige Dosierungen typischer Neuroleptika zu EPMS führen können“

      Vorübergehender Einsatz von niederpotentensedierenden Neuroleptika (Pipamperon) bei bestehenden KI gegen Benzodiazepine möglich.

      Die Gabe hochpotenter, nicht oder kaum sedierender Neuroleptika wie Fluspirilen, Flupentixol oder Fluphenazin als sogenannte „Minor-Tranquilizer“ sollte auch in geringer Dosis vermieden werden wegen der Gefahr von EPMS und Spätdyskinesien!!!

       

      Schlafstörungen/Hypnotika:

      Beurteilung der Non-Benzodiazepin-Hypnotika Zaleplon (Sonata D), Zolpidem (Stilnox CH/D) und Zopiclon (Imovane CH/Ximovan D):

      • hinsichtlich pharmakologischer Wirkung kein Unterschied zu Benzodiazepinen, da gleicher Ansatzpunkt
      • seltener Hang-Over-Effekte
      • seltener Rebound-Phänomene
      • bei Zolpidem und Zopiclon relativ selten Toleranz- und Abhängigkeitsentwicklung

      Flurazepam (Dalmadorm CH/D) ist ein hochwirksames, weil lang wirkendes Hypnotikum, welches aber wegen ausgesprochener Kumulationsgefahr und Risiko für Hang-Over-Effekte nur eingeschränkt empfehlenswert ist!!!

      Flurazepam ist ein Prodrug und hat drei aktive Metaboliten. Der Metabolit „Desalkylflurazepam“ wird erst mittelschnell freigesetzt und hat eine HWZ von 40-250 Stunden!!!

       

      Wichtige Interaktionen von Psychopharmaka in Stichworten

      Merke: Fluoxetin (Fluctine CH/Fluctin D) und Fluvoxamin (Floxyfral CH/Fevarin D) sind häufigeInhibitoren von Cytochrom P450- Isoenzymen

      • D.h., die Kombination dieser Pharmaka mit anderen Substanzen, die ebenfalls über diese Isoenzyme abgebaut werden, ist u.U. problematisch und führt zur Verstärkung bzw. Verlängerung der Wirkung der anderen Pharmaka:
        • Betroffen sind sowohl viele TZA, als auch SSRI, als auch typische und atypische NL (incl. Clozapin)!
        • Fluctine und Floxyfral am besten als Monotherapie verwenden! 

       

      Merke: i.d. Regel werden Psychopharmaka über mehrere Isoenzyme abgebaut. Die beiden Wichtigsten Isoenzyme sind

      • CYP 2D6
      • CYP 3A3/4

       

      Merke: Die Kombination von Fluoxetin und Amitriptylin kann tödliche Zwischenfälle (Herzstillstand oder tödliche Tachyarrhythmien) bereits in therapeutischen Dosen verursachen!

       

      Merke: Fluoxetin führt auch bis 4-5 Wochen nach dem Absetzen über den aktiven Metaboliten Norfluoxetin zu einer 5-HT-RI!

       

      Merke: ebenso hält die MAO-Hemmung nach Absetzen eines irreversiblen MAOH noch 10-14 Tage an!

       

      Merke: ein Teil der Bevölkerung ist „poor metabolizer“. Diese Patienten und ältere Menschen sind besonders anfällig für Arzneimittelinteraktionen.

       

      Merke: Induktoren für Cytochrom-P450-Isoenzyme, und damit für einen schnelleren Abbau von Psychopharmaka (und anderen Substraten) verantwortlich, sind

      • Rauchen
      • Carbamazepin
      • Phenytoin
      • Phenobarbital
      • Alkohol (CYP 2E1)

       

      Intoxikationen

      Grundlagen der Behandlung: Mehrgleisige Therapie:

      • Sicherung der Vitalfunktionen
      • Primäre Detoxifikation
        • Induziertes Erbrechen, induzierte Diarrhö
        • Magenspülung
        • Applikation von Aktivkohle in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Ingestion und der eingenommenen Menge
      • Symptomatische Therapie
        • Behandlung zentraler und/oder vegetativer sowie sonstiger internistischer Komplikationen (Sedierung, Neuroleptika, Antikonvulsiva, RR-Regulation, Antiarrhythmika, Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Azidoseausgleich, Temperaturausgleich)
      • Sekundäre Detoxifikation
        • Forcierte Diurese
        • Hämodialyse bzw. -perfusion
      • Ggf. Gabe von Antidota

       

      Vergiftungssyndrome:

      Zwei wichtige zentrale Vergiftungssyndrome vorweg:

      • „Zentrales anticholinerges Syndrom“
        (Trizyklische AD und Phenothiazine (Chlorpromazin (Chlorazin CH/Propaphenin D), Fluphenazin (Dapotum CH/D), Levomepromazin (Nozinan CH/Neurocil D), Perphenazin (Trilafon CH/Decentan D), Thioridazin (Melleril CH/D), ferner Clozapin (Leponex))

        • peripher:
          • trockene Haut und Schleimhäute
          • Erwärmung (Hyperthermie)
          • Mydriasis
          • Harnverhalt
          • Obstipation bis paralytischer Ileus
          • Tachykarde Herzrhythmusstörungen
          • Blutdruckabfall
        • zentralnervös:
          • Agitiertheit und Delir mit Verwirrtheit und optischen oder z.T. auch akustischen Halluzinationen, motorische Unruhe, Dysarthrie, Krampfanfälle oder
          • Sedation, Somnolenz bis Koma
      • „Zentrales serotonerges Syndrom“
        (SSRI, MAO-Hemmer, 5-HAT-Agonisten, Tryptophan, Kokain, Amphetamine und Lithium)

        • Fieber
        • Neuromuskuläre Symptome (Rigidität, Hyperreflexie, Myokloni, Tremor)
        • Psychiatrische Auffälligkeiten (Delir, Erregungszustände, Euphorie)
        • Gastrointestinale Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall)
        • Evt. Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Koma, Multiorganversagen
        • Verbrauchskoagulopathie

      Im Einzelnen:

      • Trizyklische AD und Phenothiazine (Chlorpromazin (Chlorazin CH/Propaphenin D), Fluphenazin (Dapotum CH/D), Levomepromazin (Nozinan CH/Neurocil D), Perphenazin (Trilafon CH/Decentan D), Thioridazin (Melleril CH/D)
        • Im wesentliches anticholinerge Symptome bis zum zentralen anticholinergen Syndrom (s.o.)
      • SSRI, MAO-Hemmer
        • Serotonerge Folgewirkungen bis zum zentralen serotonergen Syndrom (s.o.)
      • Butyrophenone (Benperidol (Glianimon D), Bromperidol (Impromen D), Haloperidol (Haldol CH/D), Pipamperon (Dipiperon CH/D), Melperon (Eunerpan D)
        • V.a. starke EPS, aber auch sedierend und hypotensiv
      • Clozapin
        • Ausgeprägte antocholinerge Effekte und Bewusstseinsstörungen bereits in therapeutischen Dosen möglich im Sinne des zentralen anticholinergen Syndroms (s.o.):
          • Zerebrale Krampfanfälle, Ataxie, Dysarthrie, Ataxie, Tremor
          • Tachykardie, Hypotonie, Linksherzdekompensation
          • Respiratorische Insuffizienz bis zum Atemstillstand
          • Hypersalivation, Hyperthermie
      • Atypische NL im weiteren Sinne
        • Geringgradiges toxisches Potential
        • Keine Berichte über letalen Ausgang
      • Lithium (therapeutische Konzentration: bis 1,5 mmol/l)
        • Vielfältige Ursachen:
          • Überdosierung
          • Kalium- oder Na-Mangel (natriumarme Diät)
          • Kombination mit Diuretika
          • Starkes Schwitzen, interkurrente Erkrankungen mit Auswirkungen auf den Elektrolyt- und Wasserhaushalt
          • Verminderung der renalen Lithium-Clearance durch Antiphlogistika oder ACE-Hemmer
        • Zunächst Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, grobschlägiger Tremor der Hände, Abgeschlagenheit, psychomotorische Verlangsamung, Schwindel, Dysarthrie, Ataxie
        • Später Rigor, Hyperreflexie, Faszikulationen, zerebrale Krampfanfälle, Schock, Bewusstseinstrübung bis zum Koma, Herz-Kreislauf-Stillstand
      • Benzodiazepine
        • Allgemeine Apathie, Bewusstseinstrübung, Hypo- bis Areflexie, Muskelschwäche, Dysarthrie, Ataxie, Nystagmus, Schwindel, Hypotonie mit Reflextachykardie, Ateminsuffizienz
      • Opiate
        • Vegetative Dysregulation mit Überwiegen der zentralen parasympathischen Aktivität
          • Vigilanzstörungen bis zum Koma
          • Hypotonie und bradykarde Herzrhythmusstörungen
          • Hypothermie
          • Zentrale Atemlähmung, evt. Lungenödem
          • Übelkeit und Erbrechen, Obestipation bis zum paralytischen Ileus
          • Oligurie
        • Gegenmittel: Naloxon (Narcan CH/ Narcanti D), langsam!!! I.v.
      • Kokain
        • Wegen zentraler Sympathikusstimulation starke sympathoadrenerge vegetative und zentrale Effekte
        • Biphasischer Verlauf:
          • Erst Stimulation mit Euphorie, Unruhe, Reizbarkeit, Krampfanfälle, Psychosen
          • Später depressives Bild mit Insomnie, Verwirrtheit, Verlangsamung, Hyporeflexie, Anhedonie, ggl. Suizidalität, Anorexie
        • Auch gastrointestinale Symptome wie Erbrechen
        • Evt. respiratorische Insuffizienz
        • Vasokonstriktion!! Mit ischämischen Komplikationen (Myokardinfarkt, periphere Nekrosen, Hirn-, Mesenterial-, Niereninfarkte, Zentralarterienverschluss der Retina
        • Hypertension mit Komplikationen (intrakranielle Blutungen, Herzinsuffizienz)
        • Metabolische Katecholaminwirkungen: Hyperglykämie, Hyperthermie, Laktatazidose
        • Rhabdomyolyse, Lebernekrosen
        • Gerinnungsstörungen bis zur Verbrauchskoagulopathie
        • „Kokainschock“: lebensbedrohlich, unmittelbar nach Einnahme der Droge:
          • ausgeprägte innere Unruhe und angst
          • psychomotorische Erregung
          • Hypotonie, Bradykardie, extreme Hautblässe
          • Bewusstseinstrübung bis zum Koma
      • Amphetamine und -derivate
        • Starke zentrale und periphere sympathomimetische Effekte mit Störung der
          • Psychomotorik (Tremor, Hyperreflexie, Unruhe)
          • der vegetativen Funktionen (Flush, Mydriasis, Hypertonie, Tachykardie, Rhythmusstörungen,
          • der zerebralen Funktionen (Delirantes Bild, Krampfanfälle, Koma, Kreislaufversagen)
      • Ecstasy (MDMA)
        • Serotonerge und dopaminerge sowie zentrale und periphere sympathomimetische Effekte
          • Hepathopathien mit Cholestase, Transaminasenanstieg bis hin zum Leberversagen
          • Tachykardien, Rhythmusstörungen, arterielle Hypertonie
          • Hyperthermie, Elektrolytentgleisung, Krampfanfälle
          • Gerinnungsstörungen bis zur Verbrauchskoagulopathie
          • Rhabdomyolyse, akutes Nierenversagen
      • Cannabis
        • Geringe Toxizität
        • Anfänglich Euphorie, später Sedierung und depressive Verstimmung, auch Halluzinationen, Angstzustände, Krampfanfälle, „flash backs“
      • Halluzinogene
        • Vorwiegend zentral-serotonerge Effekte
          • Psychotische Symptomatik („Horrortrip“)
          • Vigilanzstörungen bis zum Koma
          • Krampfanfälle
          • Hyperreflexie, Mydriasis, Anisokorie
          • „flash backs“ möglich
          • „flush“, Hyperthermie, Gerinnungsstörungen

       

      Literatur

      G. Laux (2001): Psychopharmakotherapie. In: H.-J. Möller, G. Laux, A. Deister. Unter Mitarbeit von Hellmuth Braun-Scharm: Psychiatrie und Psychotherapie. 2. vollst. überarb. Und erw. Aufl.. Thieme-Verlag (Duale Reihe), S. 467-501

      O. Benkert, H. Hippius (2000): Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie. Unter Mitarbeit von I. Anghelescu, E. Davids, G. Gründer, Ch. Lange-Asschenfeld, A. Szegedi, H. Wetzel. 2. überarb. Auflage. Springer-Verlag