Drogen und Drogentherapie

Opiate

  • Substanzen
    • Morphin und seine synthetischen und halbsynthetischen Derivate
      • wichtigster Vertreter ist das Heroin
  • Wirkungen (an Opiatrezeptoren)
    • Euphorisierend
    • Tranquillisierend
    • Analgetisch
    • Dämpfung des Atem- und Hustenzentrums
    • Obstipation
    • Ausgeprägte periphere parasympathomimetische Eigenschaften (z.B. Miosis)
    • Starke physische und psychische Abhängigkeit
    • Unterschiedlich rasche Toleranzentwicklung
  • Entzugssymptomatik
    • Charakterisiert durch eine zentrale noradrenerge (Sympathikus-) Überaktivität („Noradrenalinsturm“) als Folge der Enthemmung des pontinen Locus coeruleus
    • Subjektiv schwerste Beeinträchtigung, aber objektiv meist keine vitale Bedrohung!!! (im Gegensatz zum Delirium tremens)
    • Dauer: 1-3 Tage
  • Therapie
    • Entgiftung:
      • Konventionelle Entgiftung:
        • Clonidin gegen die zentrale noradrenerge Hyperaktivität
        • Benzodiazepine ggf. unterstützend, beschränkt auf wenige Tage
        • Symptomatische Therapie (bei Diarrhö Loperamid (Imodium)), Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich
      • „Turbo-Entzug“ mit hohen Dosen von opiatantagonisten Naloxon (Narcan CH/Narcanti D), Naltrexon (Nemexin) bei gleichzeitiger massiver Sedierung und Anästhesierung der Patienten, um die Entzugssymptome nicht spüren zu lassen
        • noch umstritten und risikoreicher als konventionell
    • Entwöhnung:
      • Grundlage ist psychotherapeutisch geführt Entwöhnung
      • Methadongestützte Therapie (Methadon ist Opiatagonist)
        • Vorteile:
          • Schnellere soziale Reintegration
          • Leichtere Distanzierung von der „Szene“
          • Eindämmung der „Beschaffungskriminalität“
        • Nachteile:
          • Es ist eben keine Entwöhnungsbehandlung, sondern eine Substitutionsbehandlung!!!
          • Deshalb enge Indikationsstellung
          • Rückfallprophylaxe durch den Opiatantagonisten Naltrexon (Nemexin))

 

Kokain,Amphetamine und andere Substanzen aus der Gruppe der Psychostimulanzien:

Wirkungen:

  • Hemmung der neuronalen Wiederaufnahme von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin
  • Amphetamine führen zusätzlich zur Freisetzung neusynthetisierter Transmitter aus den synaptischen Vesikeln
    • vermehrte Neurotransmission in mesolimbischen und mesokortikalen Projektionen des dopaminergen Systems (sog. „Reward-System“)
    • initialStimulation mit
      • euphorischen Zuständen,
      • Aktivitätssteigerung
      • Erhöhter Aufmerksamkeit
      • Vermindertes Schlafbedürfnis
      • Subjektiv erhöhte Leistungsfähigkeit
    • Rasch einsetzende Toleranzentwicklung durch „down regulation“ von Katecholaminrezeptoren
  • Entzugssymptome:
    • Zeichen der verminderten katecholaminergen Transmission:
      • Depressive Verstimmung
      • Erschöpfung
      • Rebound-Hypersomnie
      • Angst- und Erregungszustände
    • Oft protrahierter Entzug über mehrere Wochen
  • Therapie:
    • Bei depressivem Syndrom günstiger Einfluss durch Imipramin (Tofranil)
    • Bei Angst- oder Erregungszuständen ggf. Benzodiazepine

 

„Designer-Drogen“:

  • Substanzen:
    • Ecstasy (MDMA)
  • Wirkungen:
    • Umwandlung von MDMA im Körper zu MDA
    • Keine physische, aber eventuell eine psychische Abhängigkeit
    • Mechanismen:
      • Förderung der Freisetzung von 5-HT aus präsynaptischen Vesikeln bei gleichzeitiger 5-HT-RI
      • Ausschüttung von Dopamin
      • Reversible MAO-Hemmung
    • Bei chronischer Anwendung
      • Neurotoxische Effekte mit
        • Degenerativen Veränderungen serotonerger Neuronen, v.a. im Neocortex und Hippocampus. Es folgen
          • Depressionen
          • paranoide Syndrome
          • Depersonalisationssyndrome
          • Panikstörungen
    • Psychotrope Akuteffekte:
      • Zentrale Stimulation und Euphorie
        • Erhöhte Kontaktbereitschaft
        • verminderte Ich-Abgrenzung
        • erhöhte Emotionalität
      • selten halluzinatorische Effekte
      • dafür häufig Wahrnehmungsverschärfungen!
    • Subakute Effekte:
      • Schlafstörungen
      • Appetitminderung
      • Konzentrationsstörungen
      • Gereiztheit
      • Erschöpfungszustände
  • Therapie:
    • Die Gabe von SSRI verhindert viele psychotrope Effekte von MDMA

 

Psychotomimetika:

  • Substanzen:
    • LSD
    • Meskalin
    • Psilocybin
  • Wirkungen:
    • Vorwiegend zentrale serotonerge Wirksamkeit, u.a. am dorsalen Raphekern + funktioneller Agonismus an 5-HT-Rezeptoren
      • bereits bei geringsten Mengen (!)
        • Manifestation psychotischer Phänomene
          • Störungen der Stimmung, des Denkens, der Wahnehmung, des Ich-Erlebens, der Raum- und Zeitwahrnehmung, optische und akustische Halluzinationen, rauschartige Bewusstseinsveränderungen
    • schnelle Toleranzentwicklung
    • selten physische und psychische Abhängigkeit
    • gefährlich: „Horrortrips“ mit suizidalen und fremdaggressiven Impulsen sowie „Flashback-Psychosen“ (noch nach Monaten)
  • Therapie:
    • Keine spezifische Therapie
    • Behandlung von Flashbacks durch Neuroleptika und Benzodiazepine

 

Cannabis:

  • Substanz:
    • Wichtigster psychoaktiver Bestandteil von Haschisch und Marihuana
  • Wirkungen:
    • Dosisabhängig anregend (niedrig) oder dämpfend (hoch)
      • Verzerrung von Sinneseindrücken
      • Euphorie
      • Entspannung
      • verändertes Zeitgefühl
      • später:Sedierung
      • in höheren Dosen auch „Horrortrips“, Halluzinationen
      • auch Flashbacks beschrieben
    • Toleranzentwicklung und Abhängigkeitspotential!!!
      • Langzeitmissbrauch kann zu schweren Persönlichkeitsveränderungen führen
        • Amotivationales Syndrom mit Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Apathie, Desorganisation

 

Alkohol:

  • „Ethanol ist eines der potentesten Psychopharmaka und entfaltet eine Vielzahl von Wirkungen im ZNS. Bekannt sind:
    • Interaktion mit rezeptorgekoppelten Ionenkanälen:
      • GABA-A-Benzodiazepin-Rezeptorkomplex
      • 5-HT3-Rezeptor (stimulatorisch)
      • NMDA-Rezeptorkomplex (inhibitorisch)
    • Interaktion mit G-Protein-gekoppelten Rezeptoren:
      • Dopamin-Rezeptoren
      • Opioid-Rezeptoren
      • 5-HT1A-Rezeptoren
    • erhöhte Aktivität von CYP 2E1″
  • Therapie:
    • Ausnüchterung
    • Bei „pathologischem Rausch“ ist die Gabe von Benzodiazepinen wegen der synergischen Wirkung auf das GABAerge System kontraindiziert!!!
    • Bei alkoholischen Erregungszuständen Haldol
    • (Bei Entzugsdelir Clomethiazol (Distraneurin) als Mittel der ersten Wahl, ggf. auch Catapresan als Zusatzmedikation)